B2B

Amazon ist sehr innovativ – der klassische Online-Handel wird durch den allseits bekannten B2C-Marktplatz des globalen Players seit Jahren dominiert. Schritt für Schritt kommen neue Angebote und Services dazu, die zunächst im Heimatmarkt getestet und dann global ausgerollt werden. Jüngst etwa Services wie Prime oder den Lebensmittel-Lieferdienst Amazon Fresh, der bislang nur in den USA und in London verfügbar ist. Aber bis der Service nach Deutschland kommt, ist vermutlich nur eine Frage der Zeit und der Sprung zum stationären Handel ist damit ebenfalls nur reine Formsache (siehe weiter unten).

Nägel mit Köpfen hat Amazon dagegen vor ein paar Tagen mit dem Launch seines B2B-Marktplatzes für Händler in Deutschland gemacht. Nach B2C nun also auch B2B. Gewerbliche Kunden finden auf der B2B-Plattform mehr als hundert Millionen Produkte, die jedes Unternehmen braucht: Von Laptops über Lager- und Büroeinrichtung bis hin zu Werkzeug, Klebstoffen, Befestigungsmittel und so weiter. Spezifische, auf Geschäftskunden zugeschnittene Funktionen, wie der Kauf auf Rechnung oder die Anzeige von Netto-Preisen oder Firmenkonten, bietet der Marktplatz natürlich ebenfalls. Und zu Hause bereitet das Unternehmen übrigens in der Zwischenzeit tatsächlich den Angriff auf den stationären Handel vor: mit der Eröffnung eines Lebensmittelgeschäfts. Der Clou dabei, das Geschäft funktioniert ohne Warteschlangen und Kassen. Mehr als das Smartphone und ein Amazon-Account wird zum Shoppen nicht mehr benötigt. Bäm!

Sollte sich auch dieses Konzept durchsetzen, dann wird einem angst und bange um den deutschen Einzelhandel. Nach online also auch das klassische stationäre Geschäft. Neben B2C nun also auch B2B. Verwundert scheint sich der Handel bei jeder Innovation die Augen zu reiben und zu hoffen, dass es schon nicht so schlimm werden wird. Natürlich gibt es auch die positiven Beispiele hierzulande, aber als Außenstehender fragt man sich dennoch, wann und wie die etablierten Größen im Markt ihre Strategien in Zeiten der Digitalisierung und sich verändernden Nutzergewohnheiten anpassen wollen und können? Eines ist klar: die Zeit drängt. Es braucht mutige Konzepte, das Drehen an einzelnen Stellschrauben wird nicht reichen.

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Endlich wieder positive Nachrichten aus Hannover. Dominierten in den letzten Jahren noch Abgesänge auf die größte IT-Messe der Welt, hat sich die Stimmung nun gedreht. Mit 221.000 Besuchern verzeichnet das Centrum für Büroautomation, Informationstechnologie und Telekommunikation seit mehreren Jahren erstmals wieder ein leichtes Besucherwachstum und sieht ihre Neuprofilierung als reine B2B-Messe geglückt: aus der Publikumsmesse, die in Spitzenzeiten bis zu 800.000 Besucher anzog, ist eine Geschäftsmesse zum Auf- und Ausbau internationaler Geschäftsbeziehungen geworden.
Bereits 2014 sollen 92 Prozent der Besucher Fachbesucher gewesen sein und angesichts der offiziellen Jubelgesänge auf die erfolgreiche Neuausrichtung dürfte die Zahl in diesem Jahr kaum darunter liegen.

Gefühlt färbt der B2B-Fokus übrigens auch auf die obligatorischen, meist jüngeren Taschen- und Giveaway-Jäger ab, die auch dieses Jahr dank zahlreicher Freikarten wieder in Scharen vertreten waren  – sie lassen Jeans und T-Shirt nun zuhause und schieben sich neuerdings im Konfirmandenanzug durch die Gänge.

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Seit es Blogs gibt, sind sie auch ein Thema für die Unternehmenskommunikation. Klar, sie bringen dafür schließlich ideale Voraussetzungen mit: Hier kann ein Unternehmen sich und seine Sicht der Dinge ohne jegliche Restriktionen darstellen, während man sich bei Facebook, Twitter oder YouTube an die Gegebenheiten der jeweiligen Plattform halten muss und am Ende nicht weiß, ob einem ein eingestelltes Foto überhaupt noch gehört.

Im Blog ist man dagegen Herr im Haus. Hier hat ein Unternehmen die Möglichkeit, sich so zu präsentieren, wie es gesehen werden will. Hier besteht die Möglichkeit, seine Ansichten über eine beliebige Auswahl von Themen, seien es Technologien, Märkte, Hintergründe, Zusammenhänge, Mitbewerber, eigene oder fremde Aktivitäten, darzulegen.

Ohne Restriktionen heißt dabei, dass man weder auf die Themenplanung oder Interessen von Medien Rücksicht nehmen muss, dass man aber auch nicht mehr unter dem unmittelbaren Diktat des Vertriebs steht, der mit jeder Aktivität ein direkt messbares Umsatzplus erreichen oder zumindest Leads generieren muss. Im Blog kann ein Unternehmen umsetzen, was Social Media verspricht: Dialog mit Kunden und Interessenten, Kommunikation in beide Richtungen.

Das war die Theorie, die bekanntlich grau ist. Wie dagegen die Praxis aussieht, zeigt eine Studie, die wir im Auftrag von uns selbst durchgeführt haben. Untersucht wurden dabei die Unternehmens-Blogs der 100 wichtigsten IT-Unternehmen in Deutschland. Die Ergebnisse waren – gelinde gesagt – ernüchternd, Näheres kann man hier nachlesen.

Lediglich 24 von 100 Unternehmen haben überhaupt Unternehmens-Blogs in deutscher Sprache, von denen – bei genauerem Hinsehen – nur sieben gehobenen Ansprüchen genügen konnten. Lob verdienten sich schließlich nur die Blogs von Datev und SAS.

Die Mängelliste der Übrigen ist lang: Bei den einen erscheinen Beiträge nur alle paar Wochen oder Monate, andere sind so gut auf den Websites versteckt, dass man meinen könnte, die betreffenden Unternehmen würden sich ihrer schämen. Wieder andere fallen durch Textwüsten oder konfuses Layout auf. Das verbreitetste Übel aber ist, dass viele Unternehmen ihren Blog für die Zweitverwertung von anderweitig erstellten Texten missbrauchen. Da werden dann Pressemitteilungen 1:1 wiedergegeben oder man stellt der Einfachheit halber gleich Marketing-Unterlagen ein.

Die Frage stellt sich: Wer will das lesen? Sollte ein Blog nicht etwas Anderes sein? Sollte er nicht inhaltliche Vielfalt bieten und persönlichen Stil? Angenehm und wenn möglich schnell zu lesen? Und war da nicht was mit Hintergründen und Zusammenhängen?

Wir haben uns, solcherart enttäuscht, natürlich gefragt, ob wir nicht falsche Erwartungen hatten. Aber wir sind nicht die Einzigen, die beim Lesen von Unternehmens-Blogs ein ungutes Gefühl haben. Wir zitieren hier ausnahmsweise etwas ausführlicher den Kollegen Nico Lumma, der Anfang des Jahres in seinem Blog "Lummaland" unter dem Titel "Die Sache mit den Unternehmensblogs" ein hartes Urteil fällte:

Die Realität sieht so aus, dass Unternehmensblogs strunzend langweilig sind. Sie sind genauso rundgeschliffen wie die Pressemitteilungen, was daran liegt, dass sie meistens aus derselben Abteilung kommen. […] Herauskommen Blogs, die vor lauter Langeweile nur so strotzen, die Jubelmeldungen schreiben, die langweiligste Blicke hinter die Kulissen bieten, ohne etwas zu verraten […]

Was ist aus der Idee geworden, den Blickwinkel des Nutzers einzunehmen? Will der Kunde wirklich noch mehr Infos haben, will der wirklich wissen, wie die zuständige Produktmanagerin aussieht und welche Hobbies sie hat? […] Deutsche Unternehmensblogs sind hingegen stiefkindlich betreute Resterampen für mäßig interessante Pressemeldungen. […]

Unternehmensblogs haben ein irres Potential, da Unternehmen mit Unternehmensblogs selber die Geschichten erzählen können, die sie erzählen wollen, ohne dafür Journalisten und andere Intermediäre zu benötigen. Unternehmensblogs können faszinieren, Unternehmensblogs können inspirieren, aber insbesondere deutsche Unternehmensblogs strotzen vor Langeweile.

Lumma kommt zu dem Schluss, Unternehmensblogs seien "eines der größten Irrtümer der Kommunikationsbranche der letzten 10 Jahre". Soweit würden wir nicht gehen – immerhin haben wir ja noch fünf brauchbare und zwei gute Blogs gefunden. Aber nachdem wir ein paar Dutzend Unternehmens-Blogs angeschaut haben, wissen wir schon, was Lumma meint – und was ihn zur einer etwas inflationären Verwendung des Worts "langweilig" veranlasst hat.

Dabei sind wir auf die Sache mit dem Dialog, dem eigentlich heiklen Punkt der Unternehmens-Blogs, noch gar nicht eingegangen. Auch dazu mehr in unserem Whitepaper.


Langeweile im Blog? Katzen-Content hilft immer. 

Interview mit unserem Geschäftsführer Alain Blaes zur PR-COM-Studie über B2B-Blogs deutscher ITK-Unternehmen:

 

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Nachdem wir uns vor einiger Zeit den deutschsprachigen Social-Media-Aktivitäten von – Endverbraucher-orientierten – Smartphone-Herstellern gewidmet haben, haben wir diesmal B2B-Anbieter unter die Lupe genommen, und zwar die führenden Softwarehersteller. Schon im Vorfeld hatten wir gemutmaßt, was das Ergebnis sein würde, und haben recht behalten: freundlich ausgedrückt verschenken auch diese Unternehmen ihr Social-Media-Potenzial.

Irgendwie betreiben alle untersuchten Hersteller Social Media, aber eben auch nur irgendwie. Wenigstens verlinken die meisten die Kanäle auf ihrer Homepage, das kann man schon fast als Fortschritt betrachten. Ansonsten sieht es eher mager aus: Inhalte werden oft 1:1 direkt aus Presseinformationen übernommen; anspruchsvolle, weil arbeitsintensive, Kanäle wie YouTube werden eher nachlässig behandelt, und ansonsten sieht alles eher lieblos denn professionell aus. Der Eindruck, der entsteht: Man gibt sich nicht viel Mühe. Der Geist von Social Media glänzt bei den meisten Anbietern mit Abwesenheit (rühmliche Ausnahme ist die DATEV, die einen hervorragenden Job macht).

Das alles ist keine neue Erkenntnis. Wir wundern uns seit vielen Jahren, warum große Unternehmen mit ausreichend Manpower und Budgets nicht in der Lage sind, ihre Kommunikation professionell zu gestalten – schlimmer noch: nicht mal das ABC der Kommunikation beherzigen. Gewiss, Social Media ist aufwändig, aber es gibt viele kleine Unternehmen, die es ganz gut auf die Reihe bekommen. Warum also nicht die Großen? Ich glaube und habe es schon oft wiederholt: Viele Unternehmen haben offenbar keinerlei Interesse an einem vollwertigen und mit weiten Befugnissen ausgestattenen Kommunikationsvorstand, aus welchen unerfindlichen Gründen auch immer. Der oft katastrophale Auftritt, von dilettantischen Inhalten bis zu widersprüchlichen Botschaften, ließe sich damit auf jeden Fall vermeiden. Der mäßige Social-Media-Auftritt ist nämlich nur die Spitze des Eisbergs.

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