Digitale Transformation

Nachdem zum Thema Digitale Transformation schon fast alles von fast allen gesagt wurde (siehe auch Hannas Blog dazu), reiht sich jetzt auch der Veranstalter der Hamburger IT-Strategietage mit einem gänzlich neuen Aspekt ein, der wohl zum Ziel hat, die mittlerweile gelangweilte Leserschaft wieder etwas wachzurütteln: „It’s all about speed – Strategien für die Digitale Transformation“, heißt tatsächlich das Motto des Events.

Als jemand, der sich intensiv mit der Digitalisierung beschäftigt, gehe ich davon aus, dass Geschwindigkeit die letzte aller Sorgen der IT-Abteilungen ist. Es geht zunächst einmal um gigantische Hürden, die genommen werden müssen – und die meisten Unternehmen haben sie eben noch nicht genommen. Da wären: erstens, das Bewusstsein entwickeln, um eine IT-Landschaft umzukrempeln und neue Businesswege zu gehen. Wir wissen alle, wie schwierig es ist, alte Denkpfade zu verlassen und jahrzehntelange Routinen in Frage zu stellen (in den Chefetagen sowieso!); zweitens, große Budgets in die Hand nehmen; drittens, Organisationsstrukturen verändern, und zwar völlig unabhängig von Positionen und Abteilungen. Virtuelle Teams spielen plötzlich eine Rolle, bei denen jeder einzelne gegebenenfalls Verantwortung abgeben muss: auch hier wird es Widerstände geben ... Dann viertens endlich, die Umsetzung. Hier lässt sich über Speed reden: IT der zwei Geschwindigkeiten, Time-to-Market und so weiter, genauso, wie es die Hamburger IT-Strategietage möchten.

Speed ist also OK, markante Sprüche sicher auch, aber bei der Digitalen Transformation gibt es noch ganz andere Baustellen, bevor man sich über Einzelheiten auseinandersetzen kann.

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Das neue Jahr hat gerade angefangen und was ist das, was man so in den Medien lesen kann? Genau! Trends! Trends für das vor uns liegende Jahr 2017. Trends in jeglichen Variationen: Ernährungs-Trends, Mode-Trends, Rohstoff-Trends, HR-Trends, Marketing-Trends, Tech-Trends, Mega-Trends, Top-Trends, coole Trends für den Finanzsektor, den Publicsektor, den Healthcare-Bereich, die Automobilbranche, die Welt der Biomasse oder der Tulpenlandschaft.

Nichts, was es nicht gibt.

Das alte Jahr hat noch nicht einmal aufgehört, da kommen alle Experten aus ihren Löchern gekrochen und verkünden uns, was heuer so alles angesagt ist. Man könnte fast meinen, wer etwas auf sich hält, der zeigt, was er orakeltechnisch so drauf hat.

Apropos technisch: Gerade auch im Bereich ITK überschlagen sich die Trends für dieses Jahr – dabei gibt es hier bei den Aussagen vieler Unternehmen oft keine Unterschiede. Rar sind die Trends – oft sind es sehr spezielle – wo man das Gefühl hat, da hat jemand wirklich Ahnung und weiß, wovon er spricht und springt nicht einfach auf den fahrenden Trend-Zug mit auf.

Und jetzt dürft ihr raten: Was ist einer der Ultra-Hyper-Mega-Top-Trends in der IT im Jahr 2017? Richtig: die Digitale Transformation! Niemand kommt an dem Thema vorbei. Schon gar nicht die Unternehmen selber. Wer sich nicht mit dem Thema beschäftigt, gilt als rückwärtsgerichtet, nicht auf der Höhe der Zeit, als untrendig. Deswegen macht jetzt jeder in „DT“. Studien zu dem Thema schießen wie Pilze aus dem Transformationsdschungel: über Digitalisierungsgefühle, Digitalisierungs-Scheinriesen, Digitalisierungsdruck, Digitaler-Transformations-Mut oder digitale Transformations-Bremsen.

Ein bisschen erinnert mich das Ganze an den Hype vor einigen Jahren: Cloud Computing. Das war auch so ein Ding. Jeder sprach davon, keiner wusste, was eigentlich gemeint ist, kaum ein Unternehmen, das es aktiv nutzte. Anwendungsbeispiele konnte man sowieso an einer Hand abzählen. Geschweige denn, dass es einheitliche Begriffsdefinitionen dazu gab. Jeder legte es halt nach seinen Bedürfnissen aus, um den Trend nicht zu verpassen. Mittlerweile benutzen viele Unternehmen, die sich damals als große Cloud-Computing-Experten dargestellt hatten, den Begriff gar nicht mehr, da man sich wieder auf seine eigentlichen Kernkompetenzen konzentriert hat.

Irgendwann später unterschied man dann zwischen Private, Public und Hybrid Cloud: klarere Definitionen setzten sich durch. Wenn wir nun von Cloud Computing sprechen, meinen wir das Gleiche.

Ich denke, dass wir im Moment hier mit der Digitalen Transformation an einem vergleichbaren Punkt angekommen sind. Ein Thema, was noch in den Kinderschuhen steckt. Ein Begriff, der noch nicht eindeutig definiert ist. Ein Thema, was erst noch seine wahren Experten finden muss. Und auch ein Trend, der uns die nächsten Jahre noch begleiten wird.

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Die „Digitale Transformation“ wird derzeit hoch und runter diskutiert. An allen Ecken werden den Unternehmen Tipps und Tricks an die Hand gegeben, wie sie diesem Trend begegnen können. Doch wie sieht es auf der Anwenderseite aus?

Eine interessante Gegenüberstellung liefert jetzt der aktuelle „Digitalisierungsbarometer 2014“ von PricewaterhouseCoopers (PwC). Auf Basis eines Reifegradmodells wurde untersucht, wie weit der technologische Wandel in der deutschen Gesellschaft und in den Unternehmen bereits vorangeschritten ist. Dazu wurden den einzelnen Antworten Punktwerte zugeordnet und ein Grad der Digitalisierung bestimmt.

Und das Ergebnis ist klar: Die Anwender hinken den Unternehmen hinterher. So liegt der Digitalisierungsgrad in der deutschen Bevölkerung lediglich bei 40 Prozent, während die Unternehmen bereits 66 Prozent aufweisen können.

Ein interessanter Aspekt, vor allem wenn man bedenkt, dass eigentlich die sich ändernden Gewohnheiten der Bevölkerung als angeblicher Treiber der Digitalen Transformation gesehen werden.

Befragt wurden 1.000 Bürger und 220 Unternehmen. Die Studie von PwC zum kostenlosen Download findet sich hier: http://www.pwc.de/de_DE/de/digitale-transformation/assets/pwc_digitalisierungsbarometer_2014.pdf

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