KI

Ein letztes Mal in diesem Jahr ist Lustiger Freitag, deshalb hauen wir voll rein: 

Sollten Menschen Roboter heiraten dürfen? Warum nicht?

(Spontan hätte ich hier eher ein "Warum?" erwartet. Aber gut, warum nicht auch ein "Warum nicht?" Also weiter:)

Der "Love and Sex with Robots"-Kongress am Goldsmith College in London beschäftigt sich nicht nur mit der körperlichen Seite der Liebe. Schachmeister und KI-Experte David Levy erklärt, warum Roboter für manche Menschen gute Lebenspartner sein könnten. […]

Moralvorstellungen wandeln sich

Für Levy ist all das Teil des Entwicklungsprozesses der Gesellschaft. Als Indikator für sich rapide ändernde Moralvorstellungen erinnert er an den Wandel der Ehegesetzte in westlichen Gesellschaften seit den 1950er Jahren. Erst knapp 70 Jahre ist es her, dass in den USA das Verbot von "Mischehen" abgeschafft wurde. Gleichgeschlechtliche Ehen sind seit 2001 in immer mehr Ländern legal, die Niederlande legten damals vor, weitere Staaten folgten. In diesem Klima der gestiegenen Akzeptanz hält Levy auch Ehen zwischen Menschen und Robotern in naher Zukunft für möglich. […]

Zustimmung, Verständnis über das eigene Handeln und Entscheidungsfähigkeit sind Faktoren, die der Roboter vor der Ehe nachweisen müsste. Doch besteht überhaupt Bedarf nach einer solchen Diskussion? Abgesehen von der noch nicht ausgereiften Technik: Würden Menschen eine solche Ehe eingehen wollen?

Quelle: Heise online

Nun könnte dieser Blog-Beitrag hier schon zu Ende sein, denn die zitierten Passagen können eigentlich auch noch einen ganzen lustigen Samstag abdecken. Die Frage ist jedoch: Muss man, soll man, darf man auf so einen Unsinn ernsthaft eingehen? In einer Ära, in der Evolution und Kreidezeit als Theorien unter vielen gelten, vielleicht schon. Immerhin erfreut uns eine renommierte Plattform für die Fragen des Digitalen Zeitalters regelmäßig mit Nachschub für den transhumanen Themenkomplex – "Robophilosophie: Darf man Roboter mit dem Hammer schlagen?", "'Love and Sex with Robots': Menschen, Maschinen, große Gefühle" – und die rege Teilnahme an den dazugehörigen Diskussionen zeigt, dass das Publikum tatsächlich Diskussionsbedarf sieht. Wobei sich, das soll hier nicht verschwiegen werden, die Diskussion zum oben zitierten Artikel durch eine erfrischende Unsachlichkeit auszeichnet:

Wenn ich dadurch nicht mehr in Steuerklasse 1 bin...
... heirate ich von mir aus auch meine Waschmaschine.

Was passiert...
...wenn ich dahinter komme, daß meine Roboter-Frau es heimlich mit dem Kühlschrank treibt, und ich ihm den Stecker ziehe? Komme ich dann wegen Mordes vor Gericht, oder gilt das als Totschlag im Affekt?

Hat die Robo-Frau zwei zusätzliche Akkus?

Ich bin dafür, allerdings sollte man seinem Roby eine gesunde Ernährung gönnen. Da kommt für mich nur 100% Ökostrom in Frage

Ich habe eine langjährige Beziehung zu meiner Tischkante...
manchmal beiß ich zärtlich rein, manchmal klopfe ich rythmisch meinen Kopf dagegen. Ob ich sie wohl heiraten könnte, dann müsste es nicht mehr heimlich geschehen?

Manche werden allerdings auch extrem philosophisch:

Genie und Wahnsinn liegen extrem Nahe beieinander.

Ein heutiges selbstfahrendes KFZ mit "KI" ist so dumm wie Brot. […] frage ich mich allerdings, weshalb es verboten sein sollte, sein Haustier zu heiraten. Jeder Goldfisch besitzt derzeit mehr Intelligenz als unsere schlaueste KI.

Andere werden extrem praktisch:

Grundsätzlich soll jeder heiraten wen er will aber wer einen Roboter heiratet soll natürlich keine steuerlichen Vorteile bekommen, das wäre Blödsinn. Nicht die Ehe wird vom Staat gefördert sondern die Arterhaltung.

Und wieder andere sehr grundsätzlich:

Völlig überflüssige Diskussion - aber spannend !

Interessant, dass in der spannenden Diskussion die geheirateten Roboter fast immer Frauen sind, also Roboterinnen. Und es bleiben natürlich jede Menge Fragen offen: Wollen Roboter überhaupt heiraten? Und wenn ja: Wollen Sie dann Menschen heiraten? Und wenn wieder ja: Würden sie dann Menschen heiraten wollen, die allen Ernstes RoboterInnen heiraten würden?

Anders gefragt: hat die KI eigentlich noch alle Tassen im Schrank?


KI im Schnell-Check: Noch alle vollzählig?

Doch aus gegebenem Anlass zünde ich jetzt vier Kerzen an, lege einen Lebkuchen auf und werde ein wenig besinnlich: Denn die Sache ist im Grund nicht (nur) lustig. Seit mehr als 20 Jahren wird an KI herumgeforscht und außer dämlichen Autokorrekturfunktionen ist nicht so viel herausgekommen. Nun aber, im Kielwasser der Digitalen Transformation, droht die KI aus ihrer Nische herauszutreten und mit selbstlernenden Kühlschränken, intelligenten Heizkörpern und autonomen Autos in das wirkliche Leben einzugreifen. Und hier, an dieser Schnittstelle zur Zukunft, werfen die Einlassungen dieses KI-Experten ein düsteres Licht auf den Zustand dieser Disziplin – was wir sehen, ist ein intellektuelles Trauerspiel. Man kann nur hoffen, dass die KI-Experten, die beim autonomen Fahren mitmischen, besser drauf sind.

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Vor ein paar Wochen habe ich mich in diesem Blog am Beispiel der Autokorrekturfunktion ein wenig über die zweifelhaften Leistungen der Künstlichen Intelligenz mokiert.

Autokorrektur kann aber nicht nur Anlass zu Heiterkeit und guter Bürolaune sein, sie kann auch zur echten Herausforderung werden. Und als Gehirntraining für Fortgeschrittene sogar zur Förderung der natürlichen Intelligenz beitragen. Zumindest ein bisschen. Ich möchte das heute mit einem Rätsel demonstrieren.

Vor ziemlich genau einer Stunde erhielten wir ein Mail, dessen Absender hier aber nichts zur Sache tut, das mit folgender, wie sich im Lauf der Ermittlungen herausstellte, autokorrigierten Zeile endete:

Herr Shopping, sind die Montag verfügbar?

Folgende Fragen stellten sich:

  • Wer ist dieser Herr Shopping? Ein Verwandter von Herrn Mustermann?
     
  • Was will Herr Shopping kaufen?
     
  • Müsste sich die Frage nicht an Herrn Selling richten?
     
  • Um was geht es eigentlich?

Wobei die Erstleser zunächst ja nicht wussten, dass hier Autokorrektur in der Extrem-Version am Werk war; aber ich denke, es ist auch mit diesem Vorwissen nicht ganz einfach. Unter den Einsendern der richtigen Lösung wird unter Ausschluss des Rechtswegs irgendwas verlost.

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Die Köstliche Intelligenz macht weiter Fortschritte. Aus unserem Alltag ist sie schon – na was wohl? – nicht mehr wegzudenken! Dabei habe ich es durchaus versucht, das Wegdenken. Hat aber nichts genutzt. Sie war dann gleich wieder da, die KI – in ihrer derzeit beliebtesten Erscheinungsform der Autovervollständigung.

Und was bringen simple Buchstabendreher mit KI für wundersame Erscheinungen hervor. Aus "Ziel" wird "Sie", aus "Usus" macht sie "USA" und erst vor ein paar Tagen vervollständigte KI aus "Die Sache ist wegen …" kurzerhand "Die Sache Mistwegen …" (in welchen Kontexten wohl ein Begriff wie "Mistwege" eine Rolle spielt, wäre in einem separaten Beitrag zu klären). Auf die Frage "Wann können wir telefonieren?", antwortet mir ein Geschäftspartner: "Ab 9. Oktober." Natürlich will gut Ding Weile haben, aber man wundert sich Anfang März schon ein wenig über das Ausmaß der guten Weile. Eine Viertelstunde später kam die Auflösung: "Sorry. Blödes Autovervollständigen, ich meine ab 9 Uhr." Ja KI, da wäre dann sogar das ursprüngliche "9 Ohr" kommunikativer gewesen. In diesem Sonne: Leber nieder wegschenken.

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