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Es ist schon eigenartig: Jeder kann schreiben, fotografieren und gut Auto fahren. Oder kennen Sie jemanden, der das nicht von sich behauptet?

In Unternehmen kann auch jeder gut kommunizieren. Und weil es so einfach ist, macht manchmal jeder alles: der Geschäftsführer die PR, seine Assistentin die Werbung und interessierte Mitarbeiter aller Abteilungen versuchen sich an Social Media. Soweit der Alltag, den wir in vielen mittelständischen Betrieben beobachten. Von Abstimmung, geschweige denn einer langfristigen Strategie, keine Spur.

Tatsächlich ist die Einsicht, dass sich Kommunikation mehr denn je zur strategischen Business-Säule entwickelt, im Mittelstand kaum verbreitet. Aber in Zeiten globaler Märkte und globaler Wettbewerber trägt sie dazu bei, den Bekanntheitsgrad zu erhöhen und Angebote klar zu differenzieren. Und die ist dringend notwendig: der nächste Wettbewerber ist vielleicht ein mit viel Risikokapital ausgestatteter Start-up aus Bangalore, Rio oder Grand Junction in Colorado – mit jungen, hungrigen und IT-affinen Überfliegern, die ihre Produkte schon morgen mit viel Tamtam über das Internet vertreiben.

Mund-zu-Mund-Propaganda reicht nicht mehr aus, um in diesem Umfeld zu bestehen: das war früher mal. Heute ist eine knallharte Professionalisierung der Kommunikation gefragt, angefangen bei den richtigen Akteuren über eine solide Strategie bis hin zur Abstimmung aller Maßnahmen und vernünftigen Budgets. Wer diesen Schritt nicht mitmacht und Kommunikation nicht tief in der Unternehmensstrategie verwurzelt, hat gute Chancen, ziemlich schnell vom Markt zu verschwinden.

Ich verweise an dieser Stelle gern nochmal auf unsere zehn Schritte, wie der Mittelstand seine Kommunikation verbessern kann. Wenn Sie Kommunikation in einem Unternehmen verantworten: bitte lesen.

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Das mit der Kommunikation ist so eine Sache.

Wer sich nicht klar und deutlich ausdrückt, wird schnell missverstanden. Zu direktes Feedback führt zu Verstimmungen, und was es mit dem Subtext auf sich hat, wissen wir seit dem Beitrag meiner Kollegin „Sehr geehrter Ansprechpartner“. Und dann kommt noch erschwerend das Problem mit der Fachsprache dazu. So passiert es, dass fest definierte Begriffe für völlig andere Bedeutungen verwendet werden.

Anknüpfungspunkte für Missverständnisse gibt es genügend:  Zwischen Kollegen, Redakteuren oder dem Kunden. Umso wichtiger ist es, fachspezifisch präzise zu antworten und die richtigen Termini zu verwenden. Das ist leider nicht immer der Fall.

Beispiel Nummer eins: Der tägliche Wahnsinn – Fachspezifische Abkürzungen

In Unternehmen werden für die schnelle und einfache Kommunikation gern interne Abkürzungen verwendet. Das hat Vorteile, birgt aber auch Risiken: Es entsteht ein Wirrwarr aus Kürzeln, durch das keiner mehr durchblickt. Gerade als Externer ist dies schwer nachzuvollziehen. Kommunikationsprobleme sind vorprogrammiert: Oder wissen Sie auf Anhieb was diese Buchstaben bedeuten? BTA, GTIR, CM, GDPR, RVR, ...

Beispiel Nummer zwei: Briefing und Interview ist nicht das Gleiche

Wenn ein Kunde sich meldet und erzählt, dass er von einem Medium nach einem Interview gefragt wurde, ist das grundsätzlich etwas Schönes. Einige Zeit und Verwirrung später stellte sich die Situation dann aber ganz anders dar: Ich sollte einen Briefingtermin mit einem Kunden des Kunden organisieren, um eine gemeinsame Case Study zu schreiben, die dann später veröffentlicht werden soll. Genau! Ein gemeinsames Briefing ist etwas anderes als ein Interview mit einem Medium.

Beispiel Nummer drei: Freigaben

Freigabe-Prozesse mit unseren Kunden sind dafür da, um jegliche Form von Texten wie Artikel, Kommentare oder Pressemitteilungen abzustimmen und zu finalisieren, bevor diese an die Presse herausgegeben werden. So wird sichergestellt, dass nichts das Haus verlässt, dass der Kunde nicht auch zuvor gesehen und bestätigt hat. Andersrum funktioniert es leider nicht. Es ist nicht möglich, mit einem Artikel an eine Zeitschrift heranzutreten, ihn anzubieten und zu platzieren, um den Redakteur dann zu vertrösten, dass wir den Text so in der Form ja nicht veröffentlichen können, weil er nicht freigegeben ist. Auch wenn ich verstehe, dass Kunden die Meinung von Redakteuren schätzen, manche Abläufe, insbesondere bei Freigaben, können und dürfen nicht abgeändert werden.

Beispiel Nummer vier: Input ist nicht zwingend ein Artikel

Aber auch zwischen Redakteuren und uns verläuft die Kommunikation nicht immer reibungslos. Wir haben einen Schwerpunkt bei einem Magazin erfolgreich gepitcht und der zuständige Redakteur wollte zu einem spezifischen Thema gern einen Beitrag machen. (Die Betonung liegt darauf, dass er einen Beitrag erstellen wollte.) Hierzu forderte er Input von uns zum Kunden an. Wir haben ihm hierfür bereits erstellte Artikel und veröffentlichte Pressemitteilungen zur Verfügung gestellt und ebenfalls angeboten, seine möglichen Fragen schriftlich oder telefonisch zusätzlich zu beantworten. Darauf antwortete er in einer Mail, dass er jetzt irritiert sei, da er davon ausging, dass wir zusammen mit dem Kunden den Artikel erstellen.

Fazit: Ein Artikel kann zwar Input für einen anderen Artikel sein, Input ist aber nicht zwingend ein Artikel.

An diesen Beispielen wird ersichtlich, wie schnell Kommunikation einen in die Irre führen kann, wenn die Kommunikationspartner über unterschiedliches Fachwissen verfügen. Das führt ab und an zu einem schönen Lacher, aber manchmal erschwert es die Arbeit und sorgt für unnötige Mails und Telefonate.

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Wie jede Branche stößt leider auch die PR immer wieder auf Vorurteile oder absolute Unwissenheit. Die Ressentiments reichen von oberflächlich und faul bis zu geldgierig und manipulativ. Wer als PR-Berater im Alltag unterwegs ist, erlebt daher ständig Überraschungen. Eine sehr witzige Geschichte blieb mir dabei besonders im Gedächtnis:

Ich wollte mir ein Angebot zu einer Versicherung zuschicken lassen und habe mit einem Makler telefoniert.

Er: Okay, gut, gleich sind wir durch. Nur noch wenige Fragen und ich schicke Ihnen Ihr individuelles Angebot zu. Was arbeiten Sie denn?

Ich: Ich bin PR-Beraterin.

Es folgt Schweigen am Telefon und ich fühle mich wie ein ausgesetzter Hund.

Er: Aha. Das ist doch einer dieser neuen Berufe, oder?

Ich: Also eigentlich gibt es den Beruf schon seit einigen Jahrzehnten.

Er: Ach, Sie machen irgendwas mit Medien oder Marketing?

Ich bin etwas genervt, aber antworte höflich: Wenn Sie möchten, erkläre ich es Ihnen gern.

Er: Nein danke, ich muss nur wissen, ob es gefährlich ist.

Ich: Also ich arbeite nicht undercover als Investigativ-Journalist, wenn Sie das meinen. Ich reise oft und bin für Kunden unterwegs. Körperlich ist die Arbeit nicht anstrengend, denn Schwerpunkte trage ich ins System ein und nicht auf dem Rücken.  

Wieder Ruhe am anderen Ende der Leitung.

Er: Sie wollen mich auf den Arm nehmen. Gut, also was trage ich jetzt ein?

Ich: Ich bin PR-Beraterin.

Er: Diesen Beruf gibt es nicht in unserem System, suchen Sie sich was Vernünftiges aus, das man auch nachvollziehen kann.

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Gerade als Studienabgänger ist die Arbeitswelt im wahrsten Sinne des Wortes eine neue Welt. Es scheint, als würde man die nicht allzu entfernte Welt der Wissenschaft hinter sich lassen, um voller Tatendrang zu einer neuen zu reisen. Die Landung ist jedoch härter als vermutet – nahezu alles ist neu und anders. Man fühlt sich zurückversetzt in die ersten Vorlesungen an der Universität. Die Gebäude erscheinen wie Irrgärten und die Inhalte bestehen aus Wörtern, die man nicht kennt. Plötzlich steht man wieder am Anfang und ist umgeben von fremden Begrifflichkeiten und Themenbereichen. Ein Pluspunkt: In den neuen, schönen Büroräumen von PR-COM kann man sich nicht verlaufen. Schnell zeigt sich, dass eine neue Lebensphase beginnt.

In der Arbeitswelt entfällt die Selbstorganisation des Lebens weitestgehend. Die Struktur ist vorgegeben. Den stark variierenden studentischen Feierabend, der von mittags bis nachts reichte, gibt es nicht mehr. Als Student sind Arbeitstage immer und nie. Jetzt jedoch wird das Wochenende heilig gesprochen. Die Art des Arbeitens ändert sich ebenfalls. Neben einer Flutwelle von E-Mails ist man mit vielen und vielfältigsten Aufgaben gleichzeitig konfrontiert. Man verliert leicht und häufig den Überblick. Als ehrgeizigen und engagierten Berufseinsteiger kann einen zeitweise Panik überkommen. Durch tiefes Ein- und Ausatmen klärt sich die Sicht aber schnell wieder. Für Wichtigkeit und Dringlichkeit muss man erst ein Gespür entwickeln. Ebenso für die neuen Kolleginnen und Kollegen. Die enge Zusammenarbeit ist noch ungewohnt. Der studentische Einzelkämpfer muss an der Garderobe abgegeben werden. Das schöne daran ist, dass man jederzeit um Rat fragen kann und überall auf ein offenes Ohr trifft. Neu ist auch, dass drei Sprachen gleichzeitig gesprochen werden – Deutsch, Englisch und die eigene Sprache der PR-Welt. Diese werden vermischt und im Wechsel benutzt. Die Grenzen sind fließend. Die neuen Vokabeln der eigenen PR-Sprache klingen zunächst fremd – Pitch, Pipeline, Page Impressions –, werden aber schnell vertraut. Es wird nicht lange dauern, bis sie in den eigenen Sprachgebrauch übergehen.

Der Culture Clash verstärkt sich, wenn man in der PR-Welt das großflächige, vielfältige und schnelllebige Land der ITK bereist. Wie bei jeder Reise ist eine Portion Neugierde und ein offener Blick wichtig. Unter dieser Voraussetzung lernt man neue Denk- und Sichtweisen kennen. Schnell staunt man über alle Erkenntnisse, die man sammelt. Sogar unheimliche Akronyme wie IoT, DDoS oder SDE gehören mit der Zeit zum Alltag und jagen einem keinen Schrecken mehr ein. Der anfängliche Hürdenlauf entpuppt sich als eine spannende Reise zu den Grenzen des eigenen Horizonts – und darüber hinaus. Und ja, Hürdenläufe sind anstrengend. Doch wie heißt es so schön: Ohne Fleiß kein Preis.

Die ersten Reisewochen in die Arbeitswelt bestätigen, dass das Reiseziel richtig gewählt ist. Die mannigfaltige Welt der Public Relations vermittelt erstaunlich schnell, wie Erfolg durch professionelle Kommunikation beeinflusst werden kann. Ich freue mich auf tiefere Einblicke und ein besseres Verständnis mit fortschreitender Reisezeit.

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Wenn wir PR-Berater unseren Familien und Freunden von unserer Arbeit erzählen, ernten wir ab und zu verwunderte Blicke. Dann fragen wir uns, was an der Erzählung nicht verständlich war? Die Aussage, ich habe eine Medienliste mit Tier-1-Publikationen für eine Pitch-Präsentation recherchiert, ist doch eindeutig. Oder etwa nicht?

Wenn ich genau darüber nachdenke, gibt es doch einige Ausdrücke, die für uns PR-Berater selbstverständlich geworden sind, und wir setzen diese auch gerne in privaten Unterhaltungen ein. Nachdem mir das mal wieder bewusst geworden ist, habe ich angefangen, eine Liste mit Begriffen zu erstellen. Und herausgekommen ist das PR-ABC. Würde ich noch länger an der Liste arbeiten, würden mir bestimmt noch weitere Begriffe einfallen. Überrascht hat mich, dass ich tatsächlich jedem Buchstaben mindestens einen Ausdruck zuordnen konnte. Selbst für die eher „unpopulären“ Buchstaben wie C, U,V oder W gibt es gleich mehrere Begriffe – bei dem Spiel Stadt, Land, Fluss dagegen bedeuten diese Buchstaben nahezu eine Null-Runde.

A = Agentur, Advertorial, Anzeigenpreise, Auflagen, Agenturrabatt, Activity Report, Analysten, Akquise

B = B2B/B2C/B2One, Budget, Blog, Briefing, Belegexemplar, Buzzwords, Briefing Book, Best Practice, Blogger Relations, Boilerplate, Bildmaterial, Broschüren, Brand Campaign, Branche

C = Case Study, Corporate, Call, Clippings, Customer Journey, Content is King!, Company Profile, Content Roadmap, Coverage, Clipping-Dienst, Channel, CVs, Checkliste

D = De-brief, DACH-Region, Dos und Don’ts, Digital Content

E = E-Mail, Excel, Embargo, Editorial Calendar, Experte, EMEA, Externe PR, Enterprise, ePaper

F = Fachartikel, Facebook, Flickr, Fremdkosten, Fact Sheet, Facts & Figures, Fragebogen, Freelancer

G = Google+, Gerätetest, Guidelines, Gewinnspiele, Grafiken

H = Handling Fee, Headline, Hub

I = Interview, Instagram, Infografik, Info-Mail, Interne PR, Input

J = Journalisten

K = Konzept, Kunden-Event, Kommentar, Krisen-PR, KVAs, Kommunikation, Key Performance Indicator (KPI), Kampagnen, Kick-off

L = LinkedIn, Launch, Lead Agency, Logos, Leitfaden, Locations

M = Messen, Maßnahmen, Meeting, Medien, Media-Mix, Media Alert, Medientraining, Mailing, Mediadaten, Messaging, Mediendienstleister, Materndienst, Multichannel-Commerce, Marketingplanung, Marktübersicht, Media Mapping, Media Audits, Media-Kooperationen

N = Neue Kanäle, Newsletter, News Room, Networking

O = Online-Medien, OOO (= Out of Office), Opportunity

P = Presseinformation, Pitch, Powerpoint, Pinterest, Presse-Tour, PDF, Print-Medien, Projektplanung, Presse-Lunch, Pressemappe, Press Office, PR-Planung, Positionierung, Presseanfragen, Portale, PR-Ergebnisse, Produktinfos

Q = Quellennachweis, Quartalsplanung, Q&As

R = Retainer, Reichweite, Redaktionsschluss, Roundtable, Road Show, Reporting, Redaktionsbesuche, Recherche/Research, Redaktion, Return on Investment (ROI)

S = Strategie, Social Media, Speaking Opportunities, Studien, Sonderthemen, SWOT-Analyse, Sprecherliste, Stakeholder, SEO, Statement

T = Twitter, Tier 1 und Tier 2, Testimonial, Trendthemen, Templates, Themenplan

U = Umfragen, Unique Selling Proposition (USP), Übersetzungen

V = Veröffentlichungen, Videos, Verteiler, Vertikal-Medien, Vorlagen, Verträge, Veranstaltungskalender

W = Word, Workshops, Website, Whitepaper, Wording, Wirtschaftspresse, Wettbewerb

X = XING

Y = YouTube

Z = Zielgruppen, Zeiterfassung, Zitate

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Wer aus der PR-Branche kennt das nicht, man ist auf einer Party von Freunden eingeladen und es dauert nicht lange bis die Frage nach der Tätigkeit gestellt wird. Einige Berufsbezeichnungen sind selbsterklärend und jeder weiß genau, was damit gemeint ist. Kommt die Frage auf mich zu, sieht das schon anders aus. Der Satz „Ich bin PR-Beraterin“ zieht eigentlich immer ein „Aha, und was macht man da so?“ nach sich (außer ich bin auf einer PR-Veranstaltung, da ist die Fragestellung natürlich eine andere). Natürlich bin ich bereit, Auskunft über den sogenannten „PR-Berater-Beruf“ zu geben. Also, „PR“ steht für Public Relations und steht für die Öffentlichkeitsarbeit. Der PR-Berater ist ein Vermittler zwischen Unternehmen und der Presse. Er liefert Informationen des Kunden in neutraler Form an die Presse, die selbst entscheiden kann, ob Verwendung hierfür ist. Ein PR-Berater handelt zwar im Sinne des Unternehmens, kann sich aber in die Lage von Journalisten hineinversetzen. Er weiß somit, welche Informationen für die Presse relevant sind bzw. wie Informationen aufbereitet werden müssen.

Gerne würde ich jetzt noch über PR-Strategien, integrierte Kommunikation und den Unterschied zwischen B2B- und B2C-PR reden, aber ein Blick in die Gesichter sagt mir, dass mir keiner mehr folgen kann. Wenn ich Glück habe, kommt jetzt die Rückfrage „Ach, du machst Marketing oder Werbung“ ... Zu Beginn meiner PR-Karriere war ich oft noch bemüht, dieses Missverständnis aufzuklären. Ich wollte, dass mein privates Umfeld genau versteht, was ich tue, aber nach zehn Jahren nimmt dieser Eifer so langsam ab. Ich bin gespannt, ob das Berufsbild des PR-Beraters auch in zehn Jahren noch Fragezeichen auf die Gesichter zeichnet.

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In den letzten Jahren gibt es immer wieder Begriffe, die in hoher Regelmäßigkeit in diversen Berufssituationen auftauchen. Zeit, ein Buzzword-Bingo für die B2B-IT-PR zu erstellen. Bingo einfach ausdrucken und in eines der nächsten Meetings mitnehmen. Pro genanntem Buzzword wird abgehakt. Bei fünf vertikalen, horizontalen oder diagonalen Treffern aufstehen und folgendes rufen: „IT-PR: Glückwunsch zu 25 Jahren, PR-COM!“

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Wer heute als Journalist publizistische Wirkung erzielen möchte, muss nicht nur verstehen, wie soziale Netzwerke funktionieren, sondern sie auch nutzen, füttern und auf sie reagieren – so viel ist klar.

Bis vor einigen Jahren galt als Maßstab des Erfolgs von Journalisten noch, ob und wie oft eine Geschichte von „Leitmedien“ wie der Süddeutschen, FAZ und Co. aufgegriffen und zitiert wird: Wer oft zitiert wird, kommt in die Köpfe, positioniert sein Blatt als Leitmedium und wird am Ende vom Leser gekauft – so die elitäre Theorie, die heute im Zeitalter von Facebook und Co. überholt ist, denn früher entschied der Journalist und die Leser blieben außen vor. Was heute zählt sind Zitate-Rankings von Rivva oder 10000Flies, die zeigen, welche Artikel in den sozialen Netzwerken wie oft geliked und geteilt werden. Und damit, welche Nachrichten die Leser interessieren ­– manchmal sogar andere als diejenigen, die Journalisten der Tagesschau, des Mannheimer Morgen oder des Buxtehuder Tagblatts als relevant ansehen. Wird ein Beitrag vielfach geliked, geteilt oder per Twitter weiterverbreitet, hat der Journalist seine Leser und damit sein Ziel erreicht. „Social is our Frontpage“ sollte nicht nur bei der Huffington Post gelten.

Schon heute publizieren laut einer BITKOM-Studie 79 Prozent der deutschen Journalisten in sozialen Medien und Blogs. Und um hier lesergerecht zu schreiben, liegt die Recherche auf eben diesen Plattformen nahe. Dieses Potenzial hat auch Facebook erkannt und schaltet sich ein: Nachdem Facebook Verlinkungen den Kampf angesagt hat und Zeitungsinhalte künftig direkt bei sich veröffentlichen will, führt das soziale Netzwerk das Recherche-Tool Signal speziell für Journalisten ein – ein vermeintliches „Wunderwerkzeug“, mit dem sie leichter und schneller Inhalte aus dem sozialen Netzwerk finden, aufbereiten und einbinden können. Journalisten bekommen aktuell viel diskutierte Themen oder eine Übersicht angezeigt, welche Berühmtheiten auf Facebook in Echtzeit am meisten diskutiert werden. Mit Signal können sie Instagram genauer nach Hashtags durchsuchen und erhobene Datenvergleiche einbinden. Verfügbar ist Signal aktuell auf individuelle Anfrage.

Was bedeutet das für die PR? Sind Pressemitteilungen überflüssig? Posten und teilen wir Presseinformationen oder gar nur Links zu neuen Produktseiten nun auf Facebook? Greifen Journalisten Userkommentare auf, anstatt sich an faktischen Unternehmensinformationen zu orientieren? Noch ist es nicht so weit, noch ist die Pressemeldung das mehrheitlich genutzte Informationsmittel und noch nutzt der ein oder andere Journalist auch das Telefon – und wenn auch nur, um sich rückzuversichern, ob die Informationen, die er im Netz aufgegriffen hat, auch tatsächlich stimmen.

Trotz aller Diskussionen, was man Facebook und Co. zu Gute halten muss, sind die Aktualität, die Unmittelbarkeit und das darin gespiegelte Meinungsbild.

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Die Pressemitteilung gehört zum PR-Alltag dazu und ist nicht wegzudenken. Aber ist diese Denkweise noch zeitgemäß? News verbreiten sich doch mittlerweile rasant über beispielsweise Social- Media-Kanäle. Nur ein Post bei Facebook oder Twitter reicht schon aus und der Inhalt geht um die ganze Welt. Daneben wirkt die gute alte Pressemitteilung wie eine Schnecke, die ewig braucht, um ans Ziel zu kommen.

Es gibt vermehrt Kritiker, die der Meinung sind, dass die Pressemitteilung ausgedient hat. Andere Formate seien zeitgemäßer wie Blogs, (Echtzeit-)Videos, Tweets, Facebook- und Instagram-Postings oder Infografiken. In welcher Form eine News auch verbreitet wird, eins bleibt gleich: Content ist King! Ist der Inhalt nicht relevant oder kreativ, hilft auch kein Facebook, um mehr Aufmerksamkeit zu erzielen. Des Weiteren sollte ebenfalls berücksichtigt werden, um welches Produkt und um welche Zielgruppe es geht. Insbesondere bei B2B-Themen werden die Zielgruppen nicht unbedingt über die Social-Media-Kanäle erreicht. Daher macht es weiterhin Sinn, Pressetexte direkt an Journalisten zu senden. Diese veröffentlichen die News in Fachzeitschriften oder auf Onlineseiten, die von Interessierten gelesen werden.

Ist es demnach nicht falsch, von der Abschaffung der Pressemitteilung zu sprechen? Vielmehr gibt es mehr Kanäle, über die eine News verbreitet werden kann. Schließlich hat sich die Art des Versands stets weiterentwickelt. In den 80ern und 90ern wurde die Pressemitteilung per Post oder per Fax an die Medien gesendet. Nur weil sich der Versandweg geändert hat, wurde die Pressemitteilung nicht gleich abgeschafft. Heute schicken PR-Agenturen sie per E-Mail, stellen sie in Online-Presseportale ein oder teilen sie über Social-Media-Kanäle. Also ein Hoch auf die Pressemitteilung!

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Ich nehme an, dass ein paar Kollegen beim Lesen dieser Zeilen gleich wissend nicken werden, denn sie haben sich bestimmt auch schon einmal in der folgenden Situation befunden.

Man steht irgendwo (auf einer Messe, einem Kundenevent oder auch nur beim Bäcker) und kommt mit einem bislang unbekannten Mitmenschen ins Plaudern. Es dauert nicht lange bis sich das Gespräch um die jeweiligen Berufe zu drehen beginnt und dann geht der Dialog in etwa so:

„Und was machen Sie beruflich, wenn ich fragen darf?“

„Sie dürfen, Sie dürfen! Ich arbeite in einer PR-Agentur im schönen Herzen Münchens.“

„Ach, Sie machen Werbung.“

„(...)“

Ab dieser Stelle ist der weitere Gesprächsverlauf schwer vorherzusagen und hängt stark vom jeweiligen Tagesgemüt des PR-Menschen ab. Klar ist nur, dass in den allermeisten Fällen (Er)Klärungsbedarf besteht und zwar darüber, was PR eigentlich tut.

Ich will versuchen, mich ganz kurz zu fassen.

PR macht keine Werbung und PR ist nicht gleichzusetzen mit Marketing. Das vorweg. PR versteht sich als Kommunikationskanal zwischen einem Unternehmen und der Öffentlichkeit oder einer bestimmten Zielgruppe. Wir PR-COMler betrachten uns ganz gerne als Aufklärer. Wir helfen Unternehmen, ihre Produkte bekannt zu machen und deren Nutzen zu erklären, ihnen (den Firmen) ein Profil und ein Gesicht zu geben und ihr Fachwissen mit der interessierten Öffentlichkeit zu teilen.

Manchmal für Außenstehende (und gelegentlich auch für unsere Kunden) schwer zu fassen, ist die Tatsache, dass wir nichts verkaufen. Veröffentlichung für entsprechende Gegenleistung – das funktioniert bei uns nicht. Es ist wichtig zu verstehen, dass wir die Zielgruppen unserer Kunden niemals direkt adressieren, sondern dass wir Informationen und Inhalte stets für einen ganz bestimmten Kreis aufbereiten: die Presse. Die Journalisten allein entscheiden, ob eine Neuigkeit oder ein Text es wert ist, wiederum mit ihren Lesern, und damit den Zielgruppen unserer Kunden, geteilt zu werden.

Wie wir das genau anstellen, worauf wir bei unserer täglichen Arbeit achten müssen und welche Stolpersteine sich uns manchmal in den Weg stellen – das sind Details, auf die meine Kollegen in diesem Blog schon in der Vergangenheit öfter eingegangen sind und die sie sicher auch künftig beschreiben werden.

Aber eines halten wir fest. Nein, PR ist keine Werbung und Äpfel sind keine Birnen.

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