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Jedes Jahr überschwemmen technische Innovationen den Markt, ein gutes Produkt garantiert jedoch noch lange keinen Erfolg. Es gibt zahlreiche Gründe, warum ein Produkt floppt: Die Konkurrenz war schneller, der Preis zu hoch oder das Marketing nicht ausreichend. Häufig braucht es auch einfach ein Quäntchen Glück, um den Durchbruch zu schaffen. Als beispielsweise 1995 der erste Internet Explorer auf den Markt kam, hatte der Browser von Netscape bereits einen Marktanteil von 80 Prozent. Doch Netscape reagierte zu langsam auf die neue Konkurrenz, die den Internet Explorer einfach mit Windows koppelte. Ende der 1990er war der Explorer daher bereits der dominierende Browser. Dass Microsoft durch die Koppelung einen US-Kartellprozess und weitere Zivilklagen auf sich zog, hatte auf den Ausgang der Browserschlacht keinen Einfluss mehr.

Doch der Netscape Navigator ist nicht allein mit seinem Schicksal. Auf zahlreichen IT-Messen wie dem Mobile World Congress, der it-sa oder der Hannover Messe präsentieren Unternehmen Produkte, die unseren Alltag verschönern, verbessern und vereinfachen sollen. Häufig folgt auf einen anfänglichen Hype jedoch nur allzu schnell Ernüchterung, wie folgende Beispiele zeigen:

  1. Google+ war der Stern am Social-Media-Himmel, nachdem das soziale Netzwerk nach nur drei Monaten rund 40 Millionen registrierte Benutzer verzeichnete. Das schnelle Wachstum war jedoch lediglich der Tatsache geschuldet, dass ein Google+-Profil notwendig war, um YouTube oder den PlayStore im vollen Umfang zu nutzen. Als Google die Bindung des Gmail-Kontos an ein Google+-Profil beendete, begann auch der rasche Abstieg des Social-Media-Netzwerks. Nachdem 2018, sieben Jahre nach der Markteinführung, zwei Datenpannen kurzzeitig die persönlichen Informationen von rund 52 Millionen Nutzern offenlegten, ist das Netzwerk heute bereits für Privatnutzer- und Brand-Konten gesperrt.
     
  2. Kaum auf dem Markt, wurde auch schon das Ende von OpenDoc verkündet. Die Software sollte eine Arbeitsumgebung auf dem Computer schaffen, in der unabhängige Programmkomponenten individuell nach eigenen Kriterien kombiniert werden. Die Software-Plattform war allerdings sehr ressourcenhungrig und ließ sich nicht auf jedem Computer verwenden. Steve Jobs kommentierte das Aus gegenüber seinen Entwicklern folgendermaßen: „OpenDoc ist eine hervorragende Technik, aber der Rest der Welt hätte sie ohnehin nicht benutzt.“ Dem Visionär war klar, dass Erfolg nicht von der Qualität des Produktes abhängt.
     
  3. OS/2 sollte besser sein als Windows und das war die 1987 veröffentlichte Version 1.0 auch: Sie bot echtes, präemptives Multitasking, konnte in einer Emulation auch Windows-3.1-Programme ausführen, unterstützte Dateinamen bis zu 255 Zeichen und verhinderte mit einem Speicherschutz, dass eine fehlerhafte Anwendung das gesamte System in Mitleidenschaft zieht. Doch schlechtes Marketing führte dazu, dass das technisch exzellente Produkt Schiffbruch erlitt und heute praktisch nicht mehr existiert.

Natürlich könnte man hier noch einige Beispiele ergänzen: Bildtelefonie, Windows Vista oder Sonys MicroMV-Speicher. Manche Innovationen dominieren wie Virtual Reality immer wieder die Nachrichten, sodass man fast mitfiebert, ob der Durchbruch diesmal vielleicht gelingt; andere hingegen vermisst keiner – oder haben Sie Clippy vermisst, die kleine digitale Büroklammer von Microsoft? Nach 18 Jahren holt das Unternehmen sie dennoch zurück: Als Emoji in der Plattform Microsoft Teams darf die Kult-Büroklammer den Kollegen den Tag versüßen.

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