Big Data ersetzt nicht den Menschen

Big Data ersetzt nicht den Menschen

Fast jeder unserer Beratungskunden befasst sich aus unterschiedlichem Blickwinkel mit Big Data: den riesigen Datenmengen, der beeindruckenden Vielfalt strukturierter und semistrukturierter Daten, der oft rasanten Entstehung und Veränderung dieser Daten und schließlich – und da wird es spannend – mit der Analyse der Datenflut. Letztendlich geht es um handlungsrelevante Erkenntnisse, die noch immer von Menschen umgesetzt werden. Mehrmals pro Woche finden sich in meinem E-Mail-Eingang Tipps und Links zu Hintergrundinfos. Beim Stöbern bin ich dann auf Seiten gelandet wie „Why the big data systems of tomorrow will mirror the human brain of today“. Der BrightContext-CEO John Funge erläutert hier, warum Big Data noch am Anfang seiner Entwicklung steht, aber in Zukunft nach dem Vorbild des menschlichen Gehirns funktionieren würde. BrightContext aus Arlington im US-Bundesstaat Virginia ist auf Real-Time Big Data Stream Processing & Analytics spezialisiert. In den Worten von Funge: „Tomorrow, our smartest systems will instantly and masterfully oversee, optimize, manage and adapt processes that are as critical as they are complex, across a broad spectrum of industries, having taken their cues from the most ready example of a natural supercomputer we have: the human brain.“

Das erinnert mich dann sehr schnell an Ray Kurzweil, der vor einiger Zeit schon ähnlich argumentierte: IBMs Superrechner Watson steht für ihn am Anfang einer Entwicklung. Schon bald würden ähnliche Systeme so rasant rechnen können, dass sie die menschliche Intelligenz erreichen und sie schließlich übertreffen werden. Im Jahr 2045, so Kurzweil, werden die Computer klüger sein als die Menschen und bessere Entscheidungen treffen; nachzuhören etwa in diesem Video.

Alltagsbeobachtungen liefern Indizien dafür, dass das menschliche Gehirn keineswegs wie ein Supercomputer funktioniert. Zudem gibt es Grund zur Annahme, dass Computer nicht so wie Menschen denken können. Wir sollten aufhören, uns darauf zu konzentrieren, Computer – und damit auch Big Data – als Ersatz für das menschliche Gehirn anzusehen, sondern als nützliche Ergänzung. Es geht nicht um Artificial Intelligence sondern um Augmented Intelligence.

Im Übrigen: Je umfangreicher und komplexer der Regelsatz, den ein Big-Data-System nahezu mechanistisch anwenden und daraus Entscheidungen ableiten kann, als desto erfolgreicher gilt es. Für Menschen gilt manchmal genau das Umgekehrte: Sie sind am besten, wenn sie zumindest einige Regeln missachten. Das Ganze nennt sich dann Innovation.