Bitte ein Bitcoin – Goldgräber umgehen Währungswächter

Bitte ein Bitcoin – Goldgräber umgehen Währungswächter

Es war wohl nur eine Frage der Zeit, bis uns das Web 2.0 nach allen Errungenschaften des Internet-Zeitalters auch sein eigenes virtuelles Zahlungsmittel bescherte: das Bitcoin. Was zunächst nach einem interessanten Zeitvertreib ambitionierter Programmierer aussah, mausert sich so langsam zu einem ausgewachsenen Währungssystem – wenn auch mit einigen Haken und Ösen. 

Was die Bitcoins in Zeiten von PRISM und NSA-Skandal so interessant macht, ist die Tatsache, dass die Transaktionen anonym abgewickelt werden. Es gibt keine Verbindung zu Bankkonten, keine Namen und so gut wie keine Aufsicht. Die sonst übliche Überwachung des Zahlungsverkehrs wird damit umgangen. Da es keine zentrale Bank oder Institution gibt, die den Bitcoin-Handel und Zahlungsverkehr überwacht oder die Währung in Umlauf gibt, ist eine Regulation auch kaum möglich. Eine der Folgen ist allerdings auch eine hohe Volatilität, die eher an die Wertschwankungen von Aktien erinnert. Angebot und Nachfrage bestimmen den Kurswert. 

Verdienen kann man sich seine Bitcoins unter anderem durch Mining, was nicht von ungefähr an die Zeit der Goldgräber erinnert. Anders als Goldgräber müssen die Miner allerdings Rechenleistung einsetzen, um ihre Bitcoins zu schürfen. Mittels zweifacher SHA-256-Berechnung gilt es einen Hash-Wert zu errechnen, der unterhalb eines bestimmten Zielwertes liegt und damit einen neuen Block zu erzeugen. Dieser reiht sich in die Block Chain ein, eine Kette von Daten, die für alle einsehbar jede Transaktion dokumentiert. Der Lohn der Mühe sind dann Bitcoins, derzeit 25 Stück pro geschriebenem Block. Seit Anfang diesen Jahres gibt es erste ASIC-(application-specific integrated circuit) Rechner zum Mining von Bitcoins, mit denen das Mining rund 50 Mal schneller abläuft als mit GPU-basierten Systemen. Da das Mining durch die dafür notwendige hohe Rechenkapazität den meisten verschlossen ist, bleibt für den normalen Nutzer der Tauschhandel. Dafür existieren inzwischen eigene Internetbörsen und Bezahldienste.

Will man schnell und unkompliziert an Bitcoins kommen, bieten spezielle Plattformen auch OTC-Handel (Over-the-Counter) außerhalb der Internetbörsen an. Klingt konspirativ, ist es auch irgendwie. Privatleute finden sich auf Marktplätzen oder im Chat, vereinbaren ein Treffen und schieben sich mittels inzwischen vorhandener Apps Bitcoins gegen Bares über den Tresen. 

Trotz aller Hürden und Fallstricke, die Bitcoins scheinen auf dem Vormarsch. Immer mehr Internethändler und Organisationen setzen auf den virtuellen Zahlungsverkehr und lokale Initiativen wie der Bitcoin Kiez in Berlin Kreuzberg machen auch den Einkauf in normalen Geschäften möglich.

Es bleibt abzuwarten, ob wir künftig mehr von den digitalen Münzen sehen werden, oder ob es eine weitere virtuelle Blase ist, die nur ein paar Eingeweihte nutzen. Spannend ist es allemal.

Wie die virtuelle Währung im Alltag funktioniert, testet derzeit auch ein junges Ehepaar aus Utah, das für immerhin 3 Monate seine gesamten Zahlungen ausschließlich mit Bitcoins bestreitet. Ob und wie das funktioniert, werden wir dann laut Ankündigung im kommenden Jahr in einem Dokumentarfilm verfolgen können. Die Finanzierung für den Film jedenfalls wurde ganz real in Dollar über die Finanzierungsplattform Kickstarter gesichert – das Vertrauen in die Bitcoins ist demnach wohl auch bei den Fans noch begrenzt.