Businessmontag statt Familiensamstag

Businessmontag statt Familiensamstag

In ihren Nachberichten haben zahlreiche Medien die Jubelnachricht der Deutschen Messe AG übernommen und den "voll gelungenen" Neustart der CeBIT ziemlich einheitlich skizziert, nachzulesen hier, hier, hier oder auch hier. Ist das so?

Wenn man die reinen Fakten betrachtet: Zu ihrer besten Zeit kamen auf die CeBIT über 830.000 Besucher – jetzt war es gerade mal ein Viertel. Die neue Ausrichtung in diesem Jahr: 100 Prozent Business. Mehr Klasse, weniger Masse. Der „Familiensamstag“ wird vom „Businessmontag“ abgelöst. Die Eintrittspreise liegen mit 60 Euro für die Tageskarte extrem hoch, so sollen Privatanwender abgeschreckt und Geschäftskunden angesprochen werden. Und, hat sich das gelohnt? Offenbar ja – laut Messegesellschaft: „Das Business-Konzept greift. Die optimale Struktur für die weitere Entwicklung der Messe sei gefunden.“

Nun ja. Der Businessmontag glänzte eher mit der Abwesenheit der Besucher. Sowohl Aussteller als auch Journalisten, mit denen ich gesprochen habe, waren entsetzt: „enttäuschend leer“, „kaum was los“, „erschreckend“. Wenn man über die Messe schlenderte, fielen einem sofort die abgehängten Scheiben der Halle 11 auf – das war ziemlich deprimierend. Wieder waren große Firmen wie Rittal abwesend, die ansonsten seit Jahren mit großem Stand vertreten waren. Viele Journalisten kamen dieses Jahr gar nicht auf die Messe, da der reine B2B-Fokus für sie nicht mehr interessant war. Vorbei sind auch die Zeiten, an denen Journalisten alle Tage auf der Messe vertreten waren, nun sind zwei oder drei Tage das höchste der Gefühle. Auch kann man sich des  Eindrucks nicht erwehren, dass die CeBIT immer mehr zu einer europäischen Veranstaltung mit deutschem Fokus mutiert – sowohl was die Besucher als auch die Aussteller angeht. Viele amerikanische Unternehmen (darunter auch viele Marktgrößen) sind, wenn überhaupt, nur noch mit Partnerstand vertreten. „Gemischtwarenmesse“ war der Ausdruck eines Ausstellers, der seit Jahren auf der CeBIT ist und ernsthaft überlegt, ob er auch nächstes Jahr wieder dabei ist. Zu unterschiedliche Themen, zu unterschiedliche Mottos – interessanter sind da mittlerweile Messen mit spezialisiertem Fokus, da ist der Kosten-Nutzen-Faktor einfach höher.

Ob die Neupositionierung der CeBIT letzten Endes geglückt ist, werden wohl erst die nächsten Jahre zeigen. Ein Neuanfang war auf jeden Fall nicht das Schlechteste, was man angesichts der Entwicklung der letzten Jahre machen konnte. Vielleicht muss man sich einfach nicht nur auf dem Papier, sondern auch gedanklich von der alten CeBIT verabschieden und sie einfach als das sehen, was sie momentan ist: eine ehemalige Weltmesse, die sich gerade neu (er)findet. Kreative, frische Impulse sind da: das haben die vielen Start-Ups in der Code_n-Halle 16 gezeigt. Davon braucht es mehr! Hoffen wir, dass sich diese finden und der Neustart wirklich gelingt – denn ich fahre gerne zur CeBIT.

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