"Gehirn einschalten, Buzzword-Bingo meiden"

"Gehirn einschalten, Buzzword-Bingo meiden"

In den letzten Wochen haben wir uns mit einigen ITK-Journalisten unterhalten und sie gebeten, uns ihre Einschätzung bezüglich der Performance von Pressestellen und PR-Agenturen mitzuteilen. Die Ergebnisse sind nicht repräsentativ, weil nur auf 29 Meinungen beruhend, aber sie entsprechen ziemlich genau unserer eigenen Erfahrung.

Es gibt Luft nach oben. Die Durchschnittsnoten, die unsere Medienkontakte vergeben haben, waren nämlich eher mager. Ihre allgemeine Zufriedenheit mit PR-Agenturen und Pressestellen von ITK-Unternehmen bewerteten sie mit 2,7 (Schulnotensystem), die Reaktionsgeschwindigkeit ihrer Ansprechpartner mit 2,8 und deren Zuverlässigkeit mit 2,1, immerhin.

Die Qualität von Texten, in der Regel Presseinformationen, war ihnen aber lediglich 2,9 wert, das ist schon fast beschämend für die Leistung sogenannter PR-Profis. Jetzt könnte man darauf erwidern, die Headquarters in den USA und die EMEA-Zentralen auf der Insel bestünden darauf, ihre Texte möglichst nah am Original übersetzt zu sehen. Das stimmt zwar meistens, ist allerdings auch nur die halbe Wahrheit. Die andere Hälfte wird durch die schlechteste Note unserer Umfrage reflektiert: 3,3. So kümmerlich bewerteten die Journalisten die ITK-Expertise ihrer Kontakte in den Agenturen.

Seit meiner Zeit als Redakteur und Chefredakteur von IT-Zeitschriften hat sich hier offensichtlich nicht viel geändert (und das ist wirklich lange her). Schon damals hatten wir in den Redaktionen, auf der anderen Seite des Schreibtischs sozusagen, viel zu oft mit schlechten Texten, fragwürdigen Inhalten und kläglicher Grammatik zu tun. Die Kompetenz vieler PR-Agenturen sahen wir im Grunde reduziert auf ihre Rolle als Durchlauferhitzer: Original-Texte irgendwie übersetzen und halbherzig an die Medien verteilen. Aber, das muss gesagt werden, es gab natürlich auch eine ganze Reihe guter Agenturen und hervorragender Pressestellen in den Unternehmen.

Die gibt es immer noch. Angesichts der mäßigen Noten der heutigen Journalisten repräsentieren sie aber wohl leider nicht die Mehrheit.

Manche Journalisten waren in den Gesprächen recht aufgebracht über ihre Kontakte in den Agenturen und Pressestellen, auch wenn sie hier und dort "gute und sehr gute Pressestellen und Agenturen" ausmachten. Sie bemängelten vor allem die schlechte Aufbereitung von Informationen, zu wenig Tiefgang, unzureichendes Bildmaterial, mäßig ausgebildete Kontaktpersonen und immer wieder die "kaum vorhandene ITK-Expertise" in manchen Agenturen. Vor allem diese mangelnde Expertise führt dazu, dass Original-Informationen von PR-Agenturen oft unreflektiert und unkritisch übernommen werden – mit all den unötigen Quotes, den ärgerlichen Superlativen und dem überflüssigen Marketing-Gebrabbel.

"Gehirn einschalten", brachte es ein Journalist zackig auf den Punkt, "Buzzword-Bingo und Spin-Doctoring meiden. Fliegt sowieso auf und schreckt ab". Hätte auch von mir sein können – damals.

 

29 Journalisten haben die Leistung von ITK-Agenturen und -Pressestellen bewertet. Das sind die Ergebnisse – nicht immer brillant (Quelle: PR-COM, Mai 2014)


In einem kurzen Video erläutert PR-COM-Geschäftsführer Alain Blaes die zentralen Ergebnisse: