Schleichts eich!

Schleichts eich!

Nachdem ich diesen Artikel über abhörsichere, aber unpraktische Mobiltelefone gelesen habe, wundert es mich nicht mehr, dass unsere Bundeskanzlerin keine Lust auf ihr Krypto-Handy hat und damit bei weitem nicht die einzige in Politikerkreisen ist. Verschlüsselung funktioniert zum Beispiel nur, wenn der Gesprächspartner ebenfalls ein abhörsicheres Modell hat. Wenn man Stimmen aus Regierungskreisen glaubt, liegen aber von den 5500 im Jahr 2011 an die Bundesverwaltung gelieferten Krypto-Handys viele noch originalverpackt in den Schubladen der Mitarbeiter. Weiterhin benötigen die Abgeordneten bisher zwei Handys, um mit dem einem der Krypto-Telefone verschlüsselt SMS  schreiben und telefonieren zu können, während das andere ihnen den Versand von E-Mails erlaubt. Wenn sie dann noch während langwieriger Plenarsitzungen im Internet surfen oder eine Runde „Angry Birds“ spielen wollen, brauchen sie bis dato noch ein zusätzliches Handy, da bei den verschlüsselten Geräten Funktionen wie Kamera, WLAN oder Bluetooth stillgelegt werden.

Dabei kann nicht einmal mit Verschlüsselung eine hundertprozentige Abhörsicherheit gewährleistet werden. Codeknacker gibt es seit zur Zeit Herodots die Verschlüsselung erfunden wurde. Im zweiten Weltkrieg waren die „Codebreaker“ in Bletchley Park dafür zuständig, den geheimen Nachrichtenverkehr der deutschen Wehrmacht zu entziffern. Und bis heute verschlüsseln und dechiffrieren Kryptographen und Kryptoanalytiker um die Wette.

Bei meiner Kurzrecherche bin ich auf eine Verschlüsselungsmethode gestoßen, die zur Zeit ihrer Anwendung nicht dechiffriert werden konnte: den Navajo-Code, mit dem sich die US-Streitkräfte im Zweiten Weltkrieg erfolgreich gegen die Abhörversuche der feindlichen japanischen Code-Spezialisten wehrten. Dazu stellten sie Angehörige des nordamerikanischen Indianerstammes der Navajo als Code-Sprecher an, und da deren Sprache mit keiner europäischen oder asiatischen verwandt ist, verstand jeder, der zuhörte, nur Bahnhof.

Der Vorschlag von Albert A. Stahel, Professor für Strategische Studien an der ETH Zürich, erscheint mir deshalb doch nicht mehr ganz so abwegig wie im ersten Moment: Er rät dem Schweizer Bundesrat dazu, „wichtige Belange im Walliser Dialekt zu besprechen“. Die Entschlüsselung von Mundart sei den Amerikanern seiner Meinung nach schlicht zu aufwändig. Und wenn ich weiter an die Fragezeichen in meinem Kopf denke, wenn meine Nachbarin mit ihrer Oma sächsisch spricht, erscheint mir dies als durchaus beachtenswerter Ansatz, ein Plädoyer für die Pflege fast vergessener Dialekte und um Längen besser als drei Handys in der Tasche.

Na gut, bleiben wir realistisch: Wer Milliardenbeträge in die Entwicklung von Echolon und Prism steckt, der wird nicht daran scheitern, alemannisch oder moselfränkisch zu verstehen.

 

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