Smartwatches: Kommender Technik-Trend? Zweifel bleiben erlaubt

Smartwatches: Kommender Technik-Trend? Zweifel bleiben erlaubt

Schon seit längerem und in letzter Zeit verstärkt geistert sie durch die Gazetten: die Smartwatch. Internetkonzerne und Elektronikhersteller wie Google, Apple, Samsung oder LG arbeiten an der Entwicklung solcher intelligenter, vernetzter Computeruhren. So hat Google bereits vor geraumer Zeit einen Patentantrag eingereicht. Und jetzt ist anscheinend Samsung weiter vorgeprescht. Man hat sich die US-Markenrechte für „Samsung Galaxy Gear“ gesichert. Laut Antrag soll es sich dabei um „tragbare digitale elektronische Geräte in Form einer Armbanduhr, eines Armbands oder eines Armreifes“ handeln

Im Hinblick auf die Funktionalität der Geräte bleibt Samsung im Antrag allerdings relativ unbestimmt: genannt werden unter anderem Internetzugriff, Führen von Telefongesprächen, drahtloser Empfang, Speicherung und Übermittlung von Daten sowie Nachrichten. Gerüchte besagen, dass Samsung die Smart-Uhr Anfang September vorstellt.

Die Vorfreude und Begeisterung für das neue Accessoire bei vielen Techbloggern ist bereits groß. Eines darf man dabei aber nicht vergessen: Smartwatches sind kein neues Thema. So hat beispielsweise Microsoft schon im Jahr 2003 auf der Elektronikmesse CES in Las Vegas Armbanduhren mit sogenannter „Smart Personal Objects Technology (SPOT)“ vorgestellt. Der Erfolg blieb allerdings aus und 2008 wurden Entwicklung und Vertrieb der SPOT-Uhren wieder eingestellt. Ein weiteres Beispiel: Von Sony gibt es bereits seit vergangenem Jahr eine Smartwatch für rund 80 Euro. Auch hier ist der Erfolg überschaubar, mehr als ein Nischenprodukt ist sie nicht geworden.

Ein Erfolg wie beim iPhone oder bei Tablets dürfte allein schon aus technischen Gründen ausbleiben. Denn Computeruhren können vermutlich immer nur ein „Ergänzungsprodukt“ sein, denn Platz für einen Akku, der rechenintensive Prozesse unterstützt, dürfte wohl kaum vorhanden sein, das heißt, sie werden eher eine Ergänzung eines Smartphones sein. Und dann bleibt der Nutzen doch mehr als fraglich. Es sei denn, man legt Wert darauf, dass der Eingang einer E-Mail oder SMS auf dem Display der Armbanduhr angezeigt wird.

Andererseits sind durchaus auch sinnvolle Anwendungsszenarien denkbar, unter anderem im Bereich der Telemedizin. Die mit Sensorik ausgestatteten Uhren können hier zum Beispiel zum Erkennen von Anomalien eingesetzt werden. Aktuell haben beispielsweise Forscher vom Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung IGD eine Software für Smartwatches vorgestellt, mit der diese Uhren auch in der Schlafforschung genutzt werden können.

Diese Spezialanwendungen haben sicher ihre Berechtigung. Doch daraus zu schließen, dass Smartwatches eine neue Ära einleiten, darf doch bezweifelt werden. Es wäre beileibe nicht die erste neue IT-Errungenschaft, die sich nicht durchsetzt, zumindest nicht in der vielfach prognostizierten Dimension. Und eines sollte man auch nicht außer Acht lassen: Klassische Armbanduhren sind für viele ein – auch unter Design-Aspekten – sehr wichtiges Accessoire. Und zwei Uhren wird vermutlich niemand am Handgelenk tragen wollen.