Die Wahrheit hat ihren Preis

Die Wahrheit hat ihren Preis

Über die Praktiken mancher Pressestellen kann man sich wirklich nur wundern. So habe ich nicht schlecht gestaunt, als ich kürzlich über diese Headline gestolpert bin:

„199,20 Euro für eine Frage zur Middelhoff-Kaution“
(Handelsblatt Online, 27. April 2015)

Im Zuge seiner Recherchen zu einem Artikel über Deutschlands zweitbekanntesten Freigänger wollte ein SPIEGEL-Redakteur sich die Information bestätigen lassen, dass die Hamburger Marseille-Kliniken bereit seien, eine Kaution für Thomas Middelhoff zu stellen, damit dieser aus dem Gefängnis frei kommt. Hierfür ließ er der Pressestelle des Unternehmens einige Fragen zukommen.

So weit so üblich.

Die Marseille-Kliniken sahen sich jedoch nicht veranlasst, diese Fragen einfach so zu beantworten (oder zu ignorieren), sondern schickten dem SPIEGEL einen Kostenvoranschlag für deren Beantwortung.

„Für die Beantwortung der Anfrage, Recherche“ sowie die „Auswertung von Unterlagen“ veranschlagte das Unternehmen 148 Euro. Zudem berechnete es eine „Schreibgebühr“ von 20 Euro. Inklusive Mehrwertsteuer ergab sich ein Gesamtpreis von 199,20 Euro (…).
(Auszug aus Handelsblatt Online, 27. April 2015)

Ja, ich habe mich gewundert. Auch noch als ich ein paar Tage später die Stellungnahme des Gründers und aktuellen Aufsichtsratsvorsitzenden Ulrich Marseille gelesen habe, der die ganze Aufregung nicht verstehen kann.

„Warum sollen wir Fragen beantworten, die uns nicht betreffen, uns aber Arbeit machen? Und warum sollen wir das umsonst machen?(…) Hätte der Spiegel 199,20 Euro bezahlt, hätte er eine Zeitungsente vermeiden können. Das ist doch ein guter Preis für wahre Berichterstattung“
(Auszug aus Kress.de, 29. April 2015)

Auch eine Logik.

Aber ein Gutes hat die ganze Sache: Bisher wusste ich nur, dass die Wahrheit ihren Preis hat. Jetzt kenne ich die exakte Summe.