Was Ihr Wohnzimmer über Sie weiß

Was Ihr Wohnzimmer über Sie weiß

NSA, Tempora, Prism – die Empörungswelle über massenhafte geheimdienstliche Datenschnüffelei ist sehr schnell wieder abgeebbt, frei nach Sascha Lobo: „Es ist nicht so schlimm, wenn der Staat online mitliest - solange die Nachbarn nichts erfahren.“ Dabei wächst das Datenaufkommen stetig und mit großer Geschwindigkeit; gleichzeitig werden die Möglichkeiten für NSA und Co. immer umfangreicher. 

Wie die ZEIT kürzlich eindrucksvoll deutlich machte, geht es dabei jedoch längst nicht nur um E-Mails, Facebook und Co. Unternehmen entwickeln zunehmend Produkte, welche die informationelle Selbstbestimmung in zunehmendem Maße einschränken könnten. Diese basieren im Wesentlichen auf drei Faktoren: der flächendeckenden Internetanbindung, dem neuen Internetprotokoll IPv6 (das es ermöglicht, unzählige Geräte im Netz zu unterscheiden) sowie dem leichtsinnigen Auslagern von Daten in die Cloud. Ein paar Beispiele: 

  • Smarte Stromzähler („Smart Meter“) registrieren nicht nur den Energiebedarf von Haushalten im Sekundentakt. Wissenschaftler der FH Münster konnten sogar herauslesen, welche Geräte in einem Haushalt genutzt wurden oder welches Video im Wohnzimmer lief.
     
  • Sender können heute bei vielen Smart TVs die Programmwahl des Konsumenten nachvollziehen und so unser TV-Verhalten für eigene Zwecke analysieren.
     
  • Die Spielekonsole Xbox One kann mit ihrer Kamera nicht nur Gesichtsausdrücke unterscheiden, sondern auch feststellen, wie viele Personen sich auf Ihrem Sofa befinden – nicht nur dann, wenn Sie gerade aktiv spielen. Die Konsole erkennt also nicht nur, wie Sie drauf sind, sondern auch, ob Sie Besuch haben.
     
  • Hochauflösende Digitalkameras in Smartphones schießen nicht nur Fotos. Kommerzielle Fotoprogramme erkennen Gesichter heute sehr treffsicher und die Menge verschlagworteter Bilder im Netz wächst. Wenn hierbei noch Koordinaten und Zeitstempel mit dem Foto verknüpft sind, wissen mehr Leute, als Ihnen lieb ist, wo Sie sich wann mit wem aufgehalten haben.
     

Klingt wie Science Fiction? Ist es aber nicht. Niemand wird sich der massenhaften Datensammlung und -verarbeitung auf Dauer entziehen können. Wird diese als notwendiges Übel in einer modernen, innovativen Gesellschaft angesehen? Oder machen Konsumenten deutlich, dass die Privatsphäre ein zu hohes Gut ist, um basierend auf kommerziellen Interessen immer weiter ins Hintertreffen zu geraten?

Der Fall Google Street View hat gezeigt, dass sich Bürger wirksam wehren können, wenn sie ihre Rechte auf Privatheit zu sehr eingeschränkt sehen – auch gegenüber Großkonzernen. Diese selbstbewusste Haltung und die Sensibilität in Bezug auf die negativen Folgen technologischer Neuheiten sollte Bestand haben. Denn schon Konfuzius wusste: „Wer nicht an die Zukunft denkt, wird bald Sorgen haben.“

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