Das Weihnachtsgeschäft braucht nicht viel – nur eine gute Werbung

Das Weihnachtsgeschäft braucht nicht viel – nur eine gute Werbung

Fröhliche Trends überall ... Über Sinn oder Unsinn der frohen Kunde, welche Technologie wann und wieso im nächsten Jahr wie eine Bombe einschlägt, haben wir schon berichtet. Doch wieso übers kommende Jahr sprechen, wenn sich aktuell ein Trend abzeichnet, der im Januar keinen mehr interessiert? Die Sprache ist von Weihnachtswerbungen. Die Weihnachtszeit ist bekanntlich nicht nur die besinnlichste, sondern auch die konsumreichste Zeit des Jahres und so lassen sich große Online-Händler, Supermärkte und schwedische Möbelhäuser Jahr um Jahr teure Kampagnen einfallen, um uns in die Geschäfte zu locken.

Emotional waren diese Werbungen schon immer, aber der Trend, der sich in den letzten Jahren abzeichnet, ist vor allem einer: sozialkritische Werbungen, die uns weismachen wollen, dass Weihnachten nicht viel braucht außer Liebe – um sich mal der Rhetorik der diesjährigen Penny-Werbung anzuschließen. Da faken Rentner ihren Tod, um die Familie an einen Tisch zu bekommen (Edeka), Kinder laufen von zu Hause fort, um ohne die streitenden Eltern ein Weihnachtsfest zu feiern (Lidl) und eine aus sozial schwachen Verhältnissen stammende alleinerziehende Mutter beschert ihrem Sohn mit einfachsten Mitteln ein unvergessliches Weihnachtsfest (Penny). Was all diese Werbungen dabei gemein haben, scheint vor allem ein unauflösbares Paradoxon zu sein: Die Ausnutzung sozial- und nicht selten auch konsumkritischer Inhalte für eigene und in der Regel alles andere als selbstlose Zwecke.

Wer einen Blick in die Kommentare zu Werbungen dieser Art wirft, der merkt: Die Kritik an solchen Werbungen ist ein alter Schuh. Da wird die Edeka-Werbung als „abgrundtief geschmacklos“ kritisiert und Penny wird „absurde Ironie“ vorgeworfen. Ein Kommentator bei YouTube prangert sogar an, Penny würde durch die eigene Bezahlpolitik selbst für die angeprangerten Missstände zu sorgen:

So ein Quatsch. Es ist natürlich klar, dass Firmen wie Penny Armut verklären, sie sind ja selbst Verursacher und Profiteure. Aber wer wirklich schon einmal arm war oder mit Leuten gesprochen hat, die arm sind oder arm waren, schreibt nicht so einen Dreck. Das ist zynisch. Dieses romantische Bild à la "Wir hatten nichts, aber wir hatten uns." ist absoluter Unsinn. Armut ist zum kotzen scheiße. https://www.youtube.com/watch?v=C8a1rYWyd0s

Bei aller berechtigter Kritik: Welche Intention Unternehmen mit solchen Werbungen verfolgen, wissen nur die Verantwortlichen. Die Frage, ob sich hinter den Werbebotschaften nicht eher Geld- denn Nächstenliebe versteckt, kann sich jeder Zuschauer nur selbst beantworten. Natürlich ist jede Werbebotschaft mit Vorsicht zu genießen und immer auch unter Gesichtspunkten wie wirtschaftlichen Interessen zu betrachten.

Und trotzdem: Intention hin oder her – Weihnachtswerbungen wie die von Edeka, Lidl oder Penny adressieren gesellschaftliche Probleme, und das auf wirksame Art und Weise. Ob diese Botschaften inhärentes Ziel oder nur Nebenprodukt sind, ist dafür erstmal irrelevant. Aus den falschen Beweggründen etwas Gutes zu tun, ist immer noch besser, als nichts zu tun. Deshalb mein Appell an alle Weihnachtswerbungs-Grinche dort draußen: Statt die Zeit damit zu verschwenden, eine im Grunde gute Botschaft zu zerreden, geht lieber raus in die Welt und vollbringt selbst eine gute Weihnachtstat! Das mache ich jetzt auch – denn Weihnachten braucht bekanntlich nicht viel. Nur Liebe.

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