Börse

Mit dem Entschluss, sich mit seinem Unternehmen vom Börsenparkett zu verabschieden, verband Gründer und CEO Michael Dell insbesondere die Intention, einen unternehmerischen Strategie-Wechsel ohne Quartals-Druck vollziehen zu können. Es galt dabei, einer Entwicklung Rechnung zu tragen, nach der mit Hardware immer weniger Geld zu verdienen ist und vor allem Software und Services in den Fokus der Kunden rücken. Dell bietet heute immer noch Clients und Server an, ergänzt diese jedoch um Software-Lösungen sowie IT-Dienstleistungen. Wussten Sie beispielsweise, dass Dell heute sogar Apps entwickelt, beispielsweise für die BayWa? Alles aus einer Hand – mit dieser Strategie hat Dell nach Ansicht vieler Experten wieder in die Erfolgsspur zurückgefunden.

Die erwähnte Re-Privatisierung ist für Michael Dell dabei ein entscheidender Schlüssel. Das Unternehmen muss sich nicht mehr quartalsweise gegenüber den Investoren rechtfertigen, sondern bekommt Zeit und Raum, um eine langfristige Unternehmensstrategie zu verfolgen und sich mit Innovation beschäftigen zu können, anstatt mit Dividenden, Aufspaltungen oder anderen börsenrelevanten Themen.

In einem Interview mit Bloomberg TV hat Michael Dell nun die Prognose gewagt, dass künftig mehr Firmen aus den genannten Gründen den Schritt der Privatisierung gehen werden. Mehr als zehn CEOs hätten ihn dazu bereits kontaktiert.

Bedeutet der Abschied von der Börse also langfristigen Unternehmenserfolg durch flexiblere Anpassungsmöglichkeiten an die Bedürfnisse des Marktes? Pauschal kann man dies sicher nicht bejahen. Insbesondere wenn es um Produktinnovationen geht, reicht es, die börsennotierten Unternehmen Apple und Google als Beispiele zu nennen, um die Diskussion schnell zu ersticken. Doch wenn Unternehmen feststellen, dass sie grundsätzliche und einschneidende strategische Umwälzungen voranbringen müssen, die Langfristigkeit erfordern und kurzfristigen Profitinteressen an den Börsen zuwiderlaufen, kann dies ein entscheidender Erfolgsfaktor sein. Kann. Denn sind es auf der anderen Seite nicht gerade die Investoren und Analysten, welche Unternehmen zu den entsprechenden Anpassungen zwingen?

Börsen-Guru André Kostolany sagte einst: „Man soll die Ereignisse nicht mit den Augen verfolgen, sondern mit dem Kopf. Oft ist es sogar an der Börse besser, die Augen zu schließen.“ Michael Dell kann sich den Luxus leisten, gar nicht mehr hinsehen zu müssen. Es bleibt spannend zu beobachten, ob es ihm andere nachtun.

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