CeBIT

Waren früher noch zwei Drittel der Kollegen auf der CeBIT, um die zahlreichen Presse-Gespräche vor Ort zu betreuen, waren es in den letzten Jahren nur noch ein bis zwei Kollegen, die sich auf den Weg nach Hannover gemacht haben.

Die CeBIT war für uns daher schon lange nicht mehr DAS Highlight-Event, auf das sich alle PR-Aktivitäten fokussiert haben. Da gab es natürlich die CES, den Mobile World Congress oder die erstarkte IFA sowie diverse Fachkongresse.

Außerdem war festzustellen, dass viele große Konzerne, so auch einige unserer Kunden, den Fokus auf eigene Messen und Kundenveranstaltungen legten und somit das Zepter selbst in die Hand nahmen und zielgerichteter ihr Geld ausgaben. Dennoch kann ich mir nur der Aussage der w&v anschließen, die schreibt:

Nicht ganz unerwartet und am Ende doch überraschend

Das CeBIT-Aus schlägt seit gestern hohe Wellen, auch in eher branchenfremden Medien. Und ebenso macht sich bei uns eine gewisse Melancholie bemerkbar, wenn wir an die vielen schönen CeBIT-Momente zurückdenken. 

Meine aktuelle Lieblings-Headline zum Ende der Ära CeBIT stammt von SPON:

Die Messe ist gelesen

Ich beende diese Woche mit ein paar wehmütigen Gedanken an die guten alten CeBIT-Zeiten – freue mich aber schon auf frische neue Veranstaltungsformate, die sicherstellen, dass man sich zukünftig hoffentlich weiterhin persönlich und nicht nur virtuell trifft. Denn sind wir mal ehrlich, die besten Kontakte sind die, die man auf Messen und Events geknüpft hat, wo man sich bis spät abends bei einem Glas Wein oder dem ein oder anderen Bier über die persönlichen Highlights und Aufreger ausgetauscht hat.

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Endlich wieder positive Nachrichten aus Hannover. Dominierten in den letzten Jahren noch Abgesänge auf die größte IT-Messe der Welt, hat sich die Stimmung nun gedreht. Mit 221.000 Besuchern verzeichnet das Centrum für Büroautomation, Informationstechnologie und Telekommunikation seit mehreren Jahren erstmals wieder ein leichtes Besucherwachstum und sieht ihre Neuprofilierung als reine B2B-Messe geglückt: aus der Publikumsmesse, die in Spitzenzeiten bis zu 800.000 Besucher anzog, ist eine Geschäftsmesse zum Auf- und Ausbau internationaler Geschäftsbeziehungen geworden.
Bereits 2014 sollen 92 Prozent der Besucher Fachbesucher gewesen sein und angesichts der offiziellen Jubelgesänge auf die erfolgreiche Neuausrichtung dürfte die Zahl in diesem Jahr kaum darunter liegen.

Gefühlt färbt der B2B-Fokus übrigens auch auf die obligatorischen, meist jüngeren Taschen- und Giveaway-Jäger ab, die auch dieses Jahr dank zahlreicher Freikarten wieder in Scharen vertreten waren  – sie lassen Jeans und T-Shirt nun zuhause und schieben sich neuerdings im Konfirmandenanzug durch die Gänge.

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Auf diesem Blog haben wir schon öfter eines der aktuellen IT-Trendthemen aufgegriffen: Big Data. Der Begriff steht – sehr vereinfacht gesagt –­ für die Sammlung, Strukturierung und Auswertung riesiger und hochkomplexer Datenmengen. Am Ende des Prozesses soll – wieder simplifiziert gesprochen – ein Erkenntnisgewinn stehen, aus dem sich Handlungen ableiten oder Strategien entwickeln lassen. Oftmals wird diese Datenanalyse eingesetzt, um genau ein Ziel zu erreichen: den Vorteil gegenüber der Konkurrenz. Egal, ob dies letztlich zur Absatzsteigerung von buntem Toilettenpapier oder zur Ausspähung ganzer Staatengebilde führt. Es geht um den Vorsprung vor den anderen, der nicht selten sogar entscheidend für den ganzen Unternehmenserfolg sein kann. Welches Potential strukturiert aufbereitete Daten haben, erkennen auch immer mehr deutsche Unternehmen. Fast die Hälfte der hierzulande ansässigen Firmen setzen bereits Big-Data-Lösungen ein oder haben dies zumindest ganz weit oben auf ihrer To-Do-Liste stehen.

Es gibt darüber hinaus aber auch andere, für die Allgemeinheit bedeutende Einsatzszenarien. Meine Kollegin Eva Kia-Wernard hat kürzlich ein paar Beispiele vorgestellt, wie Big-Data-Technologie zum Wohle der Menschheit eingesetzt werden kann.

Aus gegebenem Anlass wollen wir heute auf noch ein weiteres Anwendungsgebiet aufmerksam machen. Manch einer würde sogar sagen es handelt sich hierbei um das wichtigste Thema überhaupt: der Sport und hier vor allem König Fußball. Neben Training und körperlicher Kraftanstrengung spielt auch Big Data eine immer wichtigere Rolle im Leistungssport. Gesammelte Daten über Spielabläufe, Einzelspieler, Mannschaftsverhalten und vieles weitere mehr dienen als Grundlage für komplexe Analysen und können zur Darstellung von Zusammenhängen führen, über deren Existenz sich Trainer und Spieler bisher vielleicht noch nicht einmal bewusst waren. Auf diese Weise kann nicht nur die Konkurrenz noch besser unter die Lupe genommen werden, sondern auch die eigenen Stärken und Schwächen treten deutlicher hervor und können gewinnbringend für das Training eingesetzt werden.

Auch die deutsche Fußball-Nationalmannschaft bedient sich vermehrt der Möglichkeiten, die Big Data heutzutage bietet. Das erklärte der Manager der deutschen Nationalmannschaft, Oliver Bierhoff, auf der diesjährigen CeBIT. Mit Hilfe von speziellen Sensoren sollen die unterschiedlichsten Daten über die Spieler und deren Zusammenarbeit gesammelt und in Datenbanken einander gegenübergestellt werden, um so noch bessere Strategien und Taktiken erarbeiten zu können. Vorbei also die Zeit der Spickzettel vorm Elfmeterschießen? Wir werden es vielleicht schon in den kommenden Wochen sehen, wenn Jogis Jungs in Brasilien um die Weltmeisterschaft kämpfen. Doch wie auch immer dieses Turnier ausgeht, Big Data steht als ein Sieger schon heute fest.

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In ihren Nachberichten haben zahlreiche Medien die Jubelnachricht der Deutschen Messe AG übernommen und den "voll gelungenen" Neustart der CeBIT ziemlich einheitlich skizziert, nachzulesen hier, hier, hier oder auch hier. Ist das so?

Wenn man die reinen Fakten betrachtet: Zu ihrer besten Zeit kamen auf die CeBIT über 830.000 Besucher – jetzt war es gerade mal ein Viertel. Die neue Ausrichtung in diesem Jahr: 100 Prozent Business. Mehr Klasse, weniger Masse. Der „Familiensamstag“ wird vom „Businessmontag“ abgelöst. Die Eintrittspreise liegen mit 60 Euro für die Tageskarte extrem hoch, so sollen Privatanwender abgeschreckt und Geschäftskunden angesprochen werden. Und, hat sich das gelohnt? Offenbar ja – laut Messegesellschaft: „Das Business-Konzept greift. Die optimale Struktur für die weitere Entwicklung der Messe sei gefunden.“

Nun ja. Der Businessmontag glänzte eher mit der Abwesenheit der Besucher. Sowohl Aussteller als auch Journalisten, mit denen ich gesprochen habe, waren entsetzt: „enttäuschend leer“, „kaum was los“, „erschreckend“. Wenn man über die Messe schlenderte, fielen einem sofort die abgehängten Scheiben der Halle 11 auf – das war ziemlich deprimierend. Wieder waren große Firmen wie Rittal abwesend, die ansonsten seit Jahren mit großem Stand vertreten waren. Viele Journalisten kamen dieses Jahr gar nicht auf die Messe, da der reine B2B-Fokus für sie nicht mehr interessant war. Vorbei sind auch die Zeiten, an denen Journalisten alle Tage auf der Messe vertreten waren, nun sind zwei oder drei Tage das höchste der Gefühle. Auch kann man sich des  Eindrucks nicht erwehren, dass die CeBIT immer mehr zu einer europäischen Veranstaltung mit deutschem Fokus mutiert – sowohl was die Besucher als auch die Aussteller angeht. Viele amerikanische Unternehmen (darunter auch viele Marktgrößen) sind, wenn überhaupt, nur noch mit Partnerstand vertreten. „Gemischtwarenmesse“ war der Ausdruck eines Ausstellers, der seit Jahren auf der CeBIT ist und ernsthaft überlegt, ob er auch nächstes Jahr wieder dabei ist. Zu unterschiedliche Themen, zu unterschiedliche Mottos – interessanter sind da mittlerweile Messen mit spezialisiertem Fokus, da ist der Kosten-Nutzen-Faktor einfach höher.

Ob die Neupositionierung der CeBIT letzten Endes geglückt ist, werden wohl erst die nächsten Jahre zeigen. Ein Neuanfang war auf jeden Fall nicht das Schlechteste, was man angesichts der Entwicklung der letzten Jahre machen konnte. Vielleicht muss man sich einfach nicht nur auf dem Papier, sondern auch gedanklich von der alten CeBIT verabschieden und sie einfach als das sehen, was sie momentan ist: eine ehemalige Weltmesse, die sich gerade neu (er)findet. Kreative, frische Impulse sind da: das haben die vielen Start-Ups in der Code_n-Halle 16 gezeigt. Davon braucht es mehr! Hoffen wir, dass sich diese finden und der Neustart wirklich gelingt – denn ich fahre gerne zur CeBIT.

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