Internet der Dinge

Wir hier bei PR-COM haben gerade in diesem Jahr auffällig oft über Kraftfahrzeuge geschrieben. Immer wieder, bei allen möglichen Themen, tauchten Autos als Beispiele auf. Connected Car, Electromobility oder autonomes Fahren sind ja Paradebeispiele für Digitalisierung, Internet der Dinge und all diese Sachen. Es zeichnete sich ab: Da tut sich was.

Und jetzt das. Diesel-Gate! Müssten wir jetzt enttäuscht sein?

Wegen dem bisschen autonomen Abgasmessen etwa? Ach was. Das zeigt doch, dass von Technikfeindlichkeit hierzulande keine Rede sein kann. In der digitalen Revolution muss sich die Automobilbranche eben, wie nennt man das heute so schön – nein, nicht verändern, nicht verbessern, nicht erneuern, noch mehr, noch größer, noch stärker – neu erfinden, danke, das war's:

"Wir sind dabei, Volkswagen ein Stück weit neu zu erfinden."
Manager W., Chef der Firma V., nur fünf Tage vor Diesel-Gate

Und neu, also ziemlich neu, sind eben Smartphones und Apps:

"Bis Ende des Jahrzehnts machen wir jedes unserer neuen Autos zum rollenden Smartphone." W. auf der Automesse in Frankfurt nur drei Tage vor Diesel-Gate

Die Vision war jedenfalls da: Ein rollendes Smartphone – wie abgefahren (!) ist (war) das denn? Und wie müssen wir uns das konkret vorstellen? Prozessor statt Stinkemotor? Und auch so mit wischen? Also nicht nur Scheibe, sondern alles wischen? Und jeder Wischer gleich in Facebook synchronisiert?  

Und wir werden dann nicht mehr fahren sondern rollen? Warum rollen? Weil es auch "Rollenprüfstand" heißt? Zur Erinnerung: das ist da, wo man diese Sachen testet, also wo dann die Software ganz ohne wischen … – tja, man hätte damals eben ganz genau zuhören müssen.  

Die Fachpresse hat trotzdem verstanden. Sie feierte das rollende Smartphone unter anderem so:

"Autos werden Apps auf Rädern" (Welt)

Essen auf Rädern gibt's zwar schon länger, ist aber super-erfolgreich.

"Heiratsanzeige von App und Auspuff" (Augsburger Allgemeine)

Bingo! Das mit dem Auspuff war echt gut. Die Idee könnte man innovativ verlängern und dieses verdammte Stinkezeug, das immer aus dem Auspuff (old technology) strömt, endlich ganz loswerden: die rollende App soll nach ihrer Heirat das Zeug doch einfach per WhatsApp in die  … Cloud schicken.

Und die Zukunft ist schon da: Ich glaube, ich bin gestern hinter so einer Diesel-App hergefahren. Da war die Cloud schon voll realisiert.

Der neue Autofahrer rollt mit Gestensteuerung! (Quelle: IAA-Pressebilder, Impressionen-8457)

menuseperator

Seit dem 13. April läuft in Hannover die weltweit wichtigste Industriemesse. Die Hannover Messe beschäftigt sich in diesem Jahr neben Energie- und Umwelttechnologien, Antriebs- und Fluidtechnik, industrieller Zulieferung, Produktionstechnologien und Dienstleistungen, Forschung und Entwicklung erneut mit dem Thema Industrie 4.0. 

Industrie 4.0 steht für die vernetzte Fabrik, in der Maschinen und Werkstücke miteinander permanent Informationen austauschen. Das funktioniert mit Hilfe von kleinen Computern und Sensoren, die sich zum Beispiel in den Maschinen befinden und zu einer Art Netzwerk (genauer einem cyber-physischen System) zusammengeschaltet werden. So ein cyber-physisches System kann zum Beispiel aus einer Cloud Daten ziehen. Wohin das künftig führen könnte, hat zum Beispiel Miele in Hannover mit einer Projektstudie gezeigt: Ein Herd mit Assistenzsystem, der die notwendigen Daten beziehungsweise die Einstellungen zum Gelingen eines Rezeptes über Microsoft Azure bezieht. Kunden können sich auf der Website von Miele für ein Gericht entscheiden. Nach der Auswahl des Gerichtes werden die notwendigen Zubereitungsstufen auf das Smartphone oder Tablet des Anwenders übertragen. Aber das ist noch nicht alles: Via Microsoft Azure kommt das entsprechende Automatikprogramm in den Backofen. Unter Berücksichtigung von Betriebsart, Temperatur, Kochzeit, Feuchtigkeit und anderen Faktoren soll das Wunschgericht dann gelingen. Rezepte wie Automatikprogramme werden in den Miele-Versuchsküchen auf die Geräte abgestimmt. Auch wenn das Projekt derzeit noch eine Studie ist, zeigt es, was mit dem Internet der Dinge und Cloud-Technologien künftig möglich ist. 

Trotz aller Euphorie lässt die wirkliche Revolution bei Industrie-4.0 aber noch auf sich warten. Eine aktuelle Studie des BITKOM zeigt, dass gut vier von zehn Unternehmen (44 Prozent) in den industriellen Kernbranchen bereits Industrie-4.0-Anwendungen nutzen. Der Automobilbau hat bei der Nutzung von Industrie-4.0-Anwendungen mit 53 Prozent einen Vorsprung vor den anderen Branchen. In der Elektrotechnik nutzen 48 Prozent Industrie 4.0-Anwendungen, in der chemischen Industrie sind es 42 Prozent, im Maschinen- und Anlagenbau lediglich 41 Prozent. Offenbar gibt es auch noch viele Bedenken: Fast 80 Prozent der Betriebe halten die eigene Branche für zu zögerlich, was die Umsetzung von Industrie 4.0 angeht. Ein Hindernis sind laut Umfrage die Investitionskosten. 72 Prozent der Befragten sagen, dass diese Investitionskosten gegen den Einsatz von Industrie-4.0-Anwendungen in ihrem Unternehmen sprechen. Für die Studie wurden dafür je 100 Unternehmen mit mindestens 100 Mitarbeitern aus der Automobilbranche, dem Maschinenbau, der chemischen Industrie sowie der Elektroindustrie befragt. 

Um den richtigen Rahmen für Industrie 4.0 zu schaffen, hat der Verband deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) auch eine europäische Initiative für Industrie 4.0 gefordert. Laut VDMA-Präsident Dr. Reinhold Festge sollten Vertreter der EU-Kommission, des Europäischen Parlaments, der EU-Mitgliedstaaten und der Industrie in einer hochrangigen Arbeitsgruppe mit klar definierten Prozessen die Strategie für die digitale Produktion in Europa erarbeiten. Ein Schritt in die richtige Richtung, wie ich meine. Bleibt zu hoffen, dass das Thema Industrie 4.0 für die Politik nicht auch „Neuland" ist.

menuseperator

Gartners Hype Cycle für Emerging Technologies hat Tradition. Seit 20 Jahren ordnen die Marktforscher Technologien kurvenförmig in Lebensabschnitte ein. Einen guten Überblick gibt es hier. Die Werte der y-Achse dokumentieren die öffentliche Aufmerksamkeit einer Technologie und die x-Achse die Zeitspanne, in der sie nach Einschätzung von Gartner verschiedene Phasen bis zu ihrer Marktreife durchläuft. Mitte der 1990er-Jahre waren übrigens „Intelligente Agenten“ und der „Information Superhighway“ die angesagten Themen.

Den „Gipfel der Erwartungen“ hat im diesjährigen Hype Cycle das Internet der Dinge erreicht. Ähnlich hoch angesiedelt sind „Natural- Language Question Answering“ und „Wearable User Interfaces“. Im Jahr 2013 stand übrigens „Big Data“ kurz vor dem „Gipfel der Erwartungen“. Nun ist es müßig, über die Eintrittswahrscheinlichkeit von Prognosen, und nichts anderes sind ja die Hype Cycles, zu streiten. Die Basistechnologien hinter Big Data, dem Internet der Dinge, Hybrid Cloud Computing und den In-Memory-Database-Management-Systemen sind so weit fortgeschritten, dass es heute viele Unternehmen weltweit gibt, die sie als Innovationsmotor nutzen. Wäre da nicht das berechtigte Thema „Sicherheit“ als begrenzender Faktor. Wie sieht es hier beim Internet der Dinge aus? Da bleiben noch viele Fragen offen. Ich persönlich bin kein Technikpessimist und davon überzeugt, dass es in absehbarer Zeit Lösungen für die Sicherheitsprobleme im Internet der Dinge geben wird. Hier eröffnet sich ein weites Feld für neue Ansätze.

menuseperator
Internet der Dinge abonnieren