IT-Trends

Ja, ich weiß, dass die sich ab Spätherbst häufenden Trendaussagen und Prognosen für das kommende Jahr nicht bei jedem gut ankommen. Da kramen nicht nur die IDCs und Gartners dieser Welt alljährlich die beliebte Glaskugel hervor und beglücken den Markt mit Vorhersagen zu Technologien, an welchen niemand vorbeikommen wird, oder anderen spannenden Entwicklungen, die sich im IT-Markt abzeichnen (könnten).

Zugegeben, manchmal sind diese „Trends“ schon etwas verstaubt und man kommt sich vor wie bei „Und täglich grüßt das Murmeltier“. Es drängt sich einem fast die Frage auf, ob der Hintergedanke ein anderer ist – nämlich mit einer gewissen Beständigkeit (Big Data! Cloud! Digitalisierung!) der schnelllebigen IT-Branche ein gutes Gefühl zu geben und zum Jahresende die armen IT-Verantwortlichen nicht allzu verrückt zu machen – bei all den KI-Hürden, die dort ohnehin schon warten. 

Einige unserer Kunden trauen sich jedenfalls, auch einen Blick in die nicht allzu ferne Zukunft zu werfen, und hierbei zeigt es sich, dass es immer wieder spannende neue Themen gibt, die kein Aufguss der Vorjahre sein müssen. 

Man muss schon etwas über seinen Tellerrand hinausblicken können, um den wahren Wert mancher Entwicklungen rechtzeitig zu erkennen. Daher finde ich es falsch, alle Prognosen per se zu verteufeln. Letztlich muss jeder für sich selbst bewerten, ob von Utopien oder Altbekanntem die Rede ist und ob die Trends in Ablage P landen sollten oder sie es wert sind, gelesen zu werden.

Für die unverbesserlichen Trend-Verachter gibt es leider genug Anlass, auf ihrer Position zu beharren, wird es doch richtig lustig, wenn man rückblickend Trendaussagen auf ihre Erfolgsquote prüft. Aktuell kursiert in den Sozialen Medien ein besonders amüsantes Beispiel, das auch unter die Kategorie „Glaskugel“ fällt. Die Quelle konnte ich leider nicht herausfinden – aber die Einschätzung des Autors zu Computern ging – gelinde gesagt – etwas daneben:

Computer sind ganz groß in Hobby-Mode. Mancher kommt sich schon richtig doof vor, weil er nicht auch so einen schlauen Kasten zu Hause stehen hat. Kein Grund zur Besorgnis! Die meisten der vorschnell angeschafften ‚Home-Computer’ verstauben ohnehin bald in einer Ecke. Oder werden allenfalls noch für Computerspiele genutzt, die auf Dauer langweilig werden.

Wer daher kein Fan von IT-Trends und -Prognosen zum Jahresende ist, der ist wahrscheinlich froh, wenn Weihnachten endlich naht und all die Glaskugeln nach und nach wieder im Keller verschwinden.

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In diesen Tagen wirft eine der für die Digitalbranche bedeutsamsten Messen wieder ihre Schatten voraus. Nein, hier geht es ausnahmsweise nicht um die IFA, sondern um die Dmexco, die Digital Marketing Exposition & Conference. Das Get Together der Online-Werbefachleute und Kommunikationsexperten feiert heuer seinen fünften Geburtstag und hat es innerhalb dieser relativ kurzen Zeit zu einer der führenden Messen für die digitale Marketingbranche gebracht. Über 800 Aussteller werden am 10. und 11. September in Köln ihre Technologien, Lösungen und Ideen dem Fachpublikum präsentieren.

Der ein oder andere Leser wird sich jetzt vielleicht denken: „Online-Marketing, was geht das mich an? Darum sollen sich die Vermarkter kümmern.“ Ein berechtigter Einwand – allerdings nur auf den ersten Blick. Denn die Messe verzeichnet Jahr für Jahr nicht nur ein deutliches Wachstum, sondern deckt auch immer mehr Themenbereiche ab, die für Unternehmen in Deutschland langsam aber sicher auf die IT-Agenda gehören. So wird die Dmexco in diesem Jahr unter anderem die Trends „Internet der Dinge“ und „Industrie 4.0“ aufgreifen. Hierfür haben die Organisatoren eigens eine World of Experience eingerichtet, wo den Besuchern anschaulich demonstriert wird, welchen Einfluss M2M auf die Internet-Nutzung haben kann und wie sich das Online-Marketing diesen Trend am besten zunutze macht.

Aber nicht nur die Ausstellerfläche bietet interessante Einblicke in die aktuelle und zukünftige digitale Welt. Auch die angegliederte Konferenz hat sich auf die Fahne geschrieben, weltweit führend und themensetzend zu werden. Die Besucher der Dmexco haben die Qual der Wahl und müssen unter den von 470 Sprechern angebotenen Vorträgen und Seminaren mit einem Gesamtvolumen von über 200 Stunden ihre persönlichen Highlights herauspicken. Und auch bei der Konferenz zeigt sich der immer breiter werdende Fokus der Veranstaltung sehr deutlich, denn neben Marketing- und Online-Strategen befinden sich auch einige Top-Manager von großen Unternehmen aus allen möglichen Branchen auf der Speaker-Liste, unter anderem von BMW, Facebook, IBM und Nestlé.

Unsere Empfehlung ist ganz klar: Ein Besuch der Dmexco lohnt sich und sollte für alle Unternehmen, die in der digitalen und vernetzten Welt am Puls der Zeit bleiben wollen, rot im Kalender angestrichen werden. Übrigens, der Eintritt ist nach vorheriger Registrierung kostenfrei.

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Das Thema „Virtualisierung“ - und ganz speziell die Desktop-Virtualisierung - ist nun wirklich nicht mehr neu. Seit Jahren schon werden die besten Strategien und Lösungsansätze der Hersteller in der Fachpresse vorgestellt, diskutiert und analysiert. „Hier kann es doch bis auf weiteres nichts Bahnbrechendes zu berichten geben“, könnte man meinen.

Ganz falsch!

Es gab tatsächlich noch einen Bereich in der IT, in den die Virtualisierung bis vor kurzem noch nicht vordringen konnte, da die nötigen technologischen Voraussetzungen fehlten. Denn erst mit der Einführung der GRID-vGPU-Technologie Ende 2013 ist es möglich, gleichzeitig mehrere Nutzer von rechen- und grafikintensiven Applikationen von einer einzigen GPU in eine virtuelle Umgebung zu verlagern. Und nur damit keine Missverständnisse entstehen, wir sprechen hier tatsächlich von High-Performance-Anwendungen wie Videorendering oder CAD-Modell-Bearbeitung, für die bislang der Einsatz einer physischen Workstation unumgänglich war.

Anders gesagt: Die Hersteller betreten eine neue Stufe auf der Treppe des Fortschritts und können jetzt auch Workstation-Virtualisierung.

Das wird vor allem Anwender aus Branchen wie Ingenieurswesen, Konstruktion, Multimedia, Automotive oder auch Architektur freuen, um nur ein paar zu nennen. Sie mussten nämlich lange auf das verzichten, was für viele andere mittlerweile völlig normal ist: der Zugriff auf Arbeitsdaten und -projekte von quasi jedem Endgerät und beliebigem Ort aus. Das macht nicht nur vieles einfacher, sondern vor allem auch sicherer, da alle Daten auf einem virtuellen Desktop in einem geschützten Rechenzentrum liegen und nicht mehr auf dem Endgerät selbst.

Darüber hinaus bringt die Workstation-Virtualisierung natürlich noch weitere Vorteile mit sich. Wir haben Peter Beck, Systems Engineer Workstation bei unserem Kunden Dell und Experte auf diesem Gebiet, ein paar Fragen gestellt:

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Stets auf dem neuesten Informationsstand zu sein, was den Status quo der extrem schnelllebigen und innovationsfreudigen IT-Branche angeht, ist schwierig. Dabei noch zwischen substanziellen Veränderungen des Marktgeschehens und Marketing-getriebenen, gehaltlosen Heraufbeschwörungen zu unterscheiden, ist noch schwieriger.

In diesem Zusammenhang muss auch die Frage nach der (vermeintlichen) Wirklichkeit rund um das Thema „Cloud Computing“ gestellt werden, begleitet uns die Wolke doch schon um einiges länger als andere (vermeintliche) IT-Trends. Oracle-Chef Larry Ellison sagte darauf bezogen noch 2008: „Die Computerindustrie ist die einzige Industrie, die noch stärker modegetrieben ist, als die Modeindustrie selbst. Vielleicht bin ich ein Idiot – ich habe keine Ahnung, worüber die Leute da reden. (...) Wann hört dieser Schwachsinn endlich auf.“ (Computerwoche 27/2014) Sechs Jahre später scheint dieses Statement wie aus der Zeit gefallen.

Die Fachleute sind sich in ihren Analysen zwar nicht völlig einig, was die Entwicklung der Cloud angeht und die Prognosen bleiben unscharf. Doch dass die Cloud grundsätzlich Bedeutung hat und weiter an Gewicht zunimmt, scheint unzweifelhaft. Mehr und mehr Unternehmen ersetzen lizenzierte Standardanwendungen durch Web-basierte SaaS-Lösungen, welche im Rahmen von Subskriptionsmodellen abgerechnet werden. Dazu kommt eine Entwicklung, wonach immer mehr Firmen vermeiden, ihre eigenen Rechenzentren aufzubauen, und stattdessen Rechenleistung aus dem Netz zuschalten. Forrester Research geht davon aus, dass der globale Cloud-Markt 2020 mit einem Volumen von 191 Milliarden rund ein Fünftel größer sein wird, als das Institut ursprünglich angenommen hatte. Und 2020 soll laut den Analysten bereits ein Viertel des weltweiten Applikationsgeschäfts auf das Konto von SaaS-Anwendungen gehen. Damit sei das Cloud Computing in eine Phase des Hyper-Wachstums eingetreten, so die Fachleute.

Nun mag es auch im Cloud Computing viel Marktgeschrei geben und unzweifelhaft werden auch hier Entwicklungen postuliert, die mit der Realität nur wenig gemein haben. Dass die Marketing-Abteilungen oft vorschnell Äußerungen treffen, welche die Produktentwickler nicht halten können oder die vom Markt nicht angenommen werden, soll ja nicht nur in der IT-Branche vorkommen. Zweifellos ist aber, dass das Cloud Computing kein Strohfeuer ist. Es wird weitere gewaltige Transformationen innerhalb der IT-Branche selbst geben, die ihre Business-Modelle hinterfragen muss. Und die deutsche Wirtschaft wird die IT völlig anders einzusetzen wissen und bestehende Paradigmen nach und nach über den Haufen werfen.

Und Larry Ellison wird es am Ende mit seiner Einschätzung vielleicht ähnlich gehen wie Bill Gates. Der bezeichnete das Internet einst als „Hype“, mit dem man nie Geld verdienen könne. So kann man sich täuschen. 

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