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Ich lese gerne den SPIEGEL. Sowohl die gedruckte Version, aber vor allem auch die Online-Ausgabe. Wenn ich unterwegs bin oder irgendwo eine längere Wartezeit überbrücken muss, dann ist der erste Griff zum Handy und zur SPON-App – ja, sogar noch vor Facebook.

Allerdings muss ich auch zugeben, dass ich eine ungeduldige Leserin bin. Meist überfliege ich die Schlagzeilen, klicke einige Artikel an und lese sie dann doch nicht bis zum Ende durch. Dass ich damit nicht allein auf weiter Flur bin, haben Wissenschaftler bereits gezeigt. Unser Leseverhalten im Internet hat sich stark wegentwickelt von dem, wie wir es früher von unseren Eltern kannten, die sich mitunter morgens noch eine Stunde oder länger Zeit für ihre Zeitungslektüre genommen haben.

Bewirkt die Sprunghaftigkeit beim Lesen auch eine generell verminderte Aufmerksamkeit für die Inhalte? Kann sein. Bei mir ist das ganz gewiss so, das stelle ich des Öfteren fest. Und genau deshalb war ich schon vor ein paar Wochen positiv angetan von einem Test, den das SPIEGEL-ONLINE-Wirtschaftsressort durchgeführt hat: Am Ende der Texte wurden für einige Tage nochmals kurz die wesentlichen Punkte und Positionen des Artikels zusammengefasst.


(Quelle: SPIEGEL ONLINE, "Möglicher Gauck-Nachfolger Steinmeier: Plan S", 4. März 2015)

Der Test schien für die Redaktion zufriedenstellend verlaufen zu sein, denn seit kurzem findet sich die Zusammenfassung wieder unter einigen Texten, diesmal quer durch alle Ressorts. Damit reagiert die Redaktion gekonnt auf den oben beschriebenen Trend und unternimmt einen neuen Versuch, sich an das veränderte Leseverhalten des modernen, digitalen Menschen anzupassen. Natürlich ersetzt eine solche Kurzzusammenfassung nicht gänzlich die Lektüre von Nachrichten und Berichterstattungen. Das ist laut SPON-Chef Florian Harms auch überhaupt nicht die Intention. Für die Einordnung von Geschehnissen und als Grundlage für die eigene Meinungsbildung reichen vier Zeilen nicht aus. Nichtsdestoweniger ist es eine gute Orientierungshilfe und für alle eiligen Leser wie mich ein sinnvolles Tool.

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Das Thema BYOD traut man sich der Presse gegenüber ja schon fast nicht mehr anzusprechen, da dazu nun wirklich alles gesagt wurde und Vor- sowie Nachteile in epischer Breite von vielen Unternehmen analysiert wurden.

Auch Leitfäden und Studien zu dem Thema gibt es zuhauf, so beispielsweise von BITKOM, Computacenter/PAC, INTEL oder Oracle.

Fakt ist jedenfalls, dass deutsche Unternehmen BYOD sehr kritisch gegenüber stehen, weswegen es natürlich nahe liegt, diesen das Thema anderweitig schmackhaft zu machen. Und wie geht das besser als mit einem neuen „fancy“ Schlagwort. Wie wäre es denn beispielsweise mit CYOD (Choose Your Own Device)? Die Vorteile gegenüber BYOD liegen auf der Hand, beispielsweise die einfachere Administrierbarkeit der mobilen Geräte seitens der Unternehmens-IT.

Nein, auch schon wieder ein alter Hut?

Wie wäre es mit der Wortschöpfung LYOD, die scheinbar HP ins Gespräch bringen wollte? ... da fragt man sich doch, was das nun schon wieder sein soll. Oder kommt dabei nur mir spontan „Loose Your Own Device“ in den Sinn? Aber im Ernst, dahinter steckt nicht mehr als „Leave Your Own Device“. Aha. Reichen die aktuell kursierenden Abkürzungen nicht schon? Gemeint ist jedenfalls, dass die Erlaubnis für die private Nutzung eines Geschäftsgerätes gegeben wird. Was – am Rande erwähnt – CYOD auch nicht ausschließt. Was uns wiederum zu COPE bringen würde (Company Owned Personally Enabled)...

Ein Ende der xYOD-Kreativität scheint jedenfalls nicht in Sicht: Man stolpert auch über FYOD (Fix Your Own Device) und natürlich UYOD (Use Your Own Device). Ja, die Abgrenzung zu BYOD ist auch hier so eine Sache, da BYOD nicht unbedingt das Arbeiten von Zuhause ausschließt.

Diese Kuddelmuddel an Begrifflichkeiten zeigt wieder einmal, dass es manchmal doch ratsamer ist auf einen bekannten Zug aufzuspringen und mit neuen Blickwinkeln und unterschiedlichem Branchenfokus zu arbeiten, als auf Biegen und Brechen andere Wortschöpfungen zu kreieren, deren Neuigkeitswert bei genauerem Hinsehen nicht hält, was er verspricht.

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Knapp zwei Drittel aller deutschen Haushalte nutzen heutzutage Mobile PCs (Notebooks und Tablets), 31 Millionen Deutsche haben bereits ein Smartphone. Wirft man einen separaten Blick auf zukünftige Nachwuchskräfte ist der Anteil noch einmal höher, wie eine Umfrage des ERP-Anbieters IFS zeigt. Demnach nutzen knapp 92 Prozent der Befragten ein Smartphone, 76 Prozent ein Notebook und immerhin 33 Prozent ein Tablet.

Aber nicht nur die private Nutzung mobiler Endgeräte ist entscheidend. Für die nächste Generation von Arbeitskräften wird die Nutzung von Mobilgeräten im Beruf selbstverständlich werden. Bereits heute danach gefragt, antwortet die Mehrheit, Mobile Devices später auch beruflich nutzen zu wollen.

Diese Einstellung wird auch für die Unternehmen Folgen haben, denn sie müssen nicht nur ihre Ausstattung, sondern auch die Arbeitsweise und -prozesse anpassen, um den Ansprüchen ihrer zukünftigen Angestellten gerecht zu werden. Flexibles Arbeiten und neue Arbeitszeitmodelle sind nur zwei Aspekte. Ein anderer Punkt betrifft die Anbieter von Unternehmenssoftware, die Lösungen und Produkte für eben diese Generation und die verstärkte Arbeitsweise mit mobilen Endgeräten liefern müssen.

Mobile IT-Lösungen müssen entwickelt beziehungsweise weiterentwickelt werden. Dazu gehört auch eine vereinfachte Bedienung und Ansicht, die den Bildschirmgrößen und Systemanforderungen der mobilen Geräte gerecht werden. Überladene Oberflächen werden daher wohl auch bald der Vergangenheit angehören, denn die „Generation Smartphone“ möchte ihr zukünftiges „Arbeitsgerät“ inklusive aller Anwendungen genauso so einfach und intuitiv bedienen können, wie private Geräte und Apps. Dabei sind aber nicht nur Standardanwendungen wie E-Mail, Kalender und Reiseplanung gemeint, die bereits heute den Bedürfnissen der Smartphone- und Tabletnutzer entsprechen. Auch Unternehmenssoftware (beispielsweise CRM-, ERP- oder BPM-Anwendungen) muss dem gerecht werden und entsprechend „vereinfacht“ dargestellt werden sowie für den Gebrauch von unterwegs ausgelegt sein.

Im Süden Deutschlands, genauer gesagt in der Region um Darmstadt, Karlsruhe, Kaiserslautern, Saarbrücken und Walldorf, forschen und arbeiten verschiedene Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Universitäten übrigens bereits an der Unternehmenssoftware der Zukunft – im Rahmen des so genannten Software-Cluster. Hier wird unter anderem zu den Themen Interoperabilität, Adaptivität, IT-Sicherheit und Prozessinnovation geforscht, mit dem Ziel Standards für die zukünftige Unternehmenssoftware zu schaffen. Natürlich spielt das Thema Mobile Computing hier ebenfalls eine Rolle. Aber nicht nur aus der Cluster-Region, sondern auch von den IT-Anbietern selbst, werden sicherlich bald einige neue Impulse zu diesem Thema kommen (müssen).

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Gerade schließt der Mobile World Congress in Barcelona wieder seine Tore und nicht wenige bleiben etwas ratlos zurück angesichts der zahlreichen Vorstellungen neuer Tablet-PCs, Smartphones und neuerdings auch Wearables, die in den vergangenen Tagen wie ein Platzregen auf uns niedergingen. Die vielen Presseberichte spiegeln vor allem eines wider: „Mobil“ ist der wegweisende Trend und wird für Anwender immer wichtiger. Das belegt auch eine aktuelle Studie des Branchenverbands BITKOM, nach der sich die Tablet-Nutzung bereits bei knapp einem Viertel der Deutschen ab 14 Jahren durchgesetzt hat – eine Verdopplung im Vergleich zum Vorjahr.

Der Trend betrifft nicht nur den Consumer-Markt, sondern hat auch im Unternehmensumfeld deutliche Spuren hinterlassen. Zugegeben, die Tatsache, dass der Mensch des 21. Jahrhunderts bei der Arbeit immer mehr Wert auf Mobilität und Flexibilität legt, ist nicht neu. „Bring your own device“ oder kurz BYOD ist hier das große Schlagwort und wird bereits seit einigen Jahren gründlich und ausführlich in der Fachwelt diskutiert. Die Gründe für die Tendenz dürften hinlänglich bekannt sein. Der Siegeszug von Smartphones und Tablets sorgte nicht nur für eine immer größere Bereitschaft der Nutzer always on zu sein, sondern brachte auch mit sich, dass die schicken Geräte vermehrt auch für berufliche Zwecke genutzt wurden, bis sie von ihren Benutzern schließlich als vollwertige Arbeitsmittel angesehen wurden, mit denen sich überall und zu jeder Zeit mehr oder weniger dringliche Aufgaben erledigen lassen.

Gleichzeitig sorgte der Trend auch für ein stärkeres Bewusstsein für den Faktor „Design“ bei Arbeitsgeräten. Bei IT-Produkten ist heutzutage nicht mehr allein eine möglichst hohe Leistungsfähigkeit gefragt, sondern die Geräte müssen vor allem auch den ästhetischen Ansprüchen ihrer Nutzer gerecht werden. Für ein ansprechendes Tablet- oder Notebook-Design sind Kunden sogar bereit, auch mal den ein oder anderen Euro zusätzlich auszugeben.

Die meisten Hersteller trugen diesen neuen Anforderungen ihrer Kunden lange Zeit Rechnung, indem sie sich lediglich darauf konzentrierten, ursprünglich für Consumer konzipierte Geräte auch für den Business-Einsatz zu optimieren – beispielsweise indem sie mit mehr Leistung, einer besseren Grafik und größerem Speicher ausgestattet wurden. Die eigentlichen Business-Linien blieben oft unangetastet. Zum Glück scheint nun aber ein Umdenken stattzufinden und etwas mehr Mut in die Design-Labs einzukehren, denn das Angebot für Geschäftskunden wird immer vielfältiger.

Besonders erfreulich ist, dass sich die Öffnung offenbar in zwei Richtungen vollzieht. Einerseits gewinnen ausgewiesene Business-Geräte immer mehr an Boden in stark designorientierten Produktkategorien wie Tablets und Convertibles. Auf der anderen Seite erfahren viele „klassische“ Business-Produkte wie zum Beispiel mobile Workstations ein komplettes Redesign und sind rein äußerlich teils nicht mehr von stylischen Ultrabooks zu unterscheiden.

Die Befürchtung der Hersteller, Geschäftskunden könnten sich von etablierten Produktreihen abwenden, weicht dem Bewusstsein, dass die Schale eines Notebooks oder Desktop-PCs heute ebenso viel Gewicht besitzt wie dessen Innenleben. Dass diese Erkenntnis angekommen zu sein scheint, wurde in Barcelona einmal mehr eindrucksvoll gezeigt.

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