25 Jahre

Heroes and Zeroes, Nullen und Einsen, Sounds und Beats aus dem Computer, Televoting (O. K., das ist dieses Jahr ausnahmsweise mal nicht schuld), animierte Strichmännchen – damit kann man heutzutage den Eurovision Song Contest gewinnen. Böse Zungen würden da noch hinzufügen: Und das alles, ohne einen brauchbaren Song zu haben! Aber bilden Sie sich Ihre eigene Meinung - das ist Mans Zelmerlöw mit „Heroes“:

Vor 25 Jahren sah der ganze Wettbewerb freilich noch ganz anders aus. Animationen in der Live-Situation waren ferne Zukunftsmusik, die Punkte vergaben damals noch die Jurys – und anstatt digital eingespieltem Halbplayback vom Band gab es noch das gute alte Orchester.

Der Gewinnersong von 1990, „Insieme: 1992“ von Toto Cutugno, ist dabei im Gegensatz zu all den schnell vergessenen Eintagsfliegen, die der Sangeswettbewerb seit den 1990er Jahren erzeugt hat, einer der wenigen, die man auch noch heute kennt. Und hat dabei sogar eine Message, die man in aktualisierter Form auch wieder auf die Jetztzeit beziehen kann: „Unite, unite Europe!“ Einer der letzten wahren ESC-Klassiker. Und ein prima Beweis dafür, dass ein guter Song auch ohne den übermäßigen Einsatz von IT bestehen kann.

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Nicht nur Technologie und Unternehmen sind neu entstanden, auch die Begriffe und Redeweisen haben sich … na ja, neu erfunden:

  • Das Erlebnis: Kundenerlebnis und E-Mail-Erlebnis
  • Die Kundenerfahrung
  • Die Expertise
  • Die Agilität
  • Die 360-Grad-Sicht
  • sich neu erfinden
  • adressieren
  • xy-getrieben
  • Das Cyber-xy
  • Am Ende des Tages
  • unternehmenskritisch
  • Die Customer-Journey
  • Die Generation xy
  • Mobility/Cloud/Big-Data-Initiative
  • Die/unsere DNA
  • X ist das neue y
  • Wie cool/geil/abgefahren ist das denn?
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Die Flops in der IT in den vergangenen 25 Jahren sind nicht an einer Hand abzuzählen, sie sind vielmehr Legion. Als erstes fallen einem dabei natürlich am Bedarf vorbei entwickelte oder technisch nicht ausgereifte Produkte oder „Lösungen“ ein. Ein Beispiel: Das große Thema Tablet-PC und Handschriftenerkennung, das Microsoft ab 2002 massiv vorangetrieben hat. Doch auch trotz immensem Entwicklungsaufwand ließ die Qualität bei der Handschrifterkennung immer noch zu wünschen übrig. Ich kann das nach ausführlichsten Tests aus eigener Erfahrung nur bestätigen. Und auch auf die Killerapplikationen, die nach Microsoft zum flächendeckenden Durchbruch der Geräte führen sollten, wartete man vergeblich.

Doch am Produkt liegt es nicht immer. Auch völlig verfehlte oder „unglückliche“ Vertriebsansätze können für das Scheitern verantwortlich sein. Ein Beispiel hierfür ist das Engagement von IT-Herstellern hierzulande im Consumer-Electronics (CE)-Segment. Sie dachten, in der IT etablierte und erfolgreiche Channel-Konzepte 1:1 auf den CE-Bereich übertragen zu können. Das war allerdings ein Trugschluss und von Anfang an zum Scheitern verurteilt, angesichts einer gänzlich anders strukturierten Fachhandelslandschaft und auch unterschiedlichen Erwartungshaltungen des einzelnen Fachhändlers, der natürlich eine direkte Betreuung durch den Hersteller gewohnt war. Hier haben viele IT-Hersteller Federn gelassen und sich dann gänzlich aus diesem Geschäft zurückgezogen – man denke nur an Acer.

Doch was sind die Gründe für die häufigen Flops? Abgesehen davon, dass auch viele Unternehmen bei Produkteinführungen ohne vorhergehende Marktforschung anscheinend nur nach dem Trial-and-Error-Verfahren vorgehen, liegen die Dinge vielfach einfacher, als man denkt: Oft wird schlicht und ergreifend die Basis-Arbeit nicht geleistet, und das fängt schon damit an, dass der Marketing-Mix mit den klassischen vier Säulen Produkt-, Preis-, Vertriebs- und Kommunikationspolitik nicht ausreichend im Auge behalten wird.

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Wenn ich in meiner nun auch schon ein paar Jährchen dauernden Tätigkeit als Redakteur in der IT-Branche etwas gelernt habe, dann das: mein Geschichtslehrer hatte recht.

Als er mir in der 13. Klasse meine Facharbeit korrigiert zurückgab, meinte er vor versammelter Mannschaft, inhaltlich sei das ja alles wunderbar, aber komplizierte Formulierungen würden die Verständlichkeit eines Textes nicht gerade erhöhen und deshalb könne er mir auch leider nicht die volle Punktzahl geben. Wenn ich glauben würde, dass ein komplizierter Text auf einen intelligenten Autor hindeute, dann sei ich mächtig auf dem Holzweg. Das Gegenteil sei richtig.

Selbstverständlich nahm ich mir seine Worte nicht zu Herzen und tat ihn insgeheim als zu einfach gestrickt ab. Zu Beginn des Studiums wurde ich in meiner Meinung sogar noch bestärkt, denn dort konnte ich meiner Verklausulierungswut nach Lust und Laune ungestraft frönen. Als ich dann aber – als Praktikant bei einer Tageszeitung – zum ersten Mal ein Redaktionsbüro von innen sah, war es damit ganz schnell vorbei. Wer den in Redaktionen üblichen rauen Ton kennt, kann sich in etwa vorstellen, wie die, ähem,  „Besprechungen“ meiner ersten Texte abliefen.

Soviel Glück scheint nicht jeder gehabt zu haben, der in der IT-Branche Texte schreibt. Gerade dort wimmelt es geradezu von Autoren, die nach dem Motto schreiben: „Je unverständlicher etwas ist, desto toller muss es sein“. Und sich dann wundern, dass ihre Traktate nicht veröffentlicht werden.

Hätten mal besser auf ihren Geschichtslehrer hören sollen.

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Die Deutschen sind konservativ; nein, ich meine nicht ihre politische Einstellung, sondern ihr Einkaufsverhalten. Auf der einen Seite nutzen sie heutzutage das Internet für nahezu alle Angelegenheiten des täglichen Lebens – nur beim Einkauf von Lebensmitteln tun sie sich schwer. Die Marktforscher von Nielsen formulieren es etwas zurückhaltender, lassen aber gleichwohl keinen Zweifel aufkommen: „Die Deutschen sind Einkaufstraditionalisten“. Wo und wie Verbraucher einkaufen, hat sich in den letzten Jahren massiv verändert – bei Lebensmitteln aber scheint die Zeit stehen zu bleiben.

Woran scheitert es? Nielsen hat darauf die Antwort: „Die Lieferung nach Hause ist ein wichtiges Thema für die Deutschen, denn mehr als die Hälfte der Verbraucher (66 Prozent) lehnen es ab, online bestellte Waren bei einer Abholstelle ('Drive Through') abzuholen, wie es beispielsweise in Frankreich sehr beliebt ist.“ Im Übrigen klappt das mit den Abholstellen auch in der Schweiz sehr gut. Der Online-Supermarkt LeShop. Die Migros-Tochter sieht in der Schweiz Bedarf für rund 50 Abholstationen. In Frankreich sollen es bereits zirka 2.000 sein. Warum sollte so etwas nicht auch in Deutschland funktionieren?

Wo auf dem Land die Lebensmittelläden verschwanden, haben in den letzten Jahren Dorfläden aufgemacht; in der Zwischenzeit sollen es rund 200 sein. Die ersten schließen aber auch wieder, weil sie auf Dauer nicht rentabel arbeiten können. Abholstellen von Online-Supermärkten wären hier eine gute Alternative. Das würde Tante Emma zu einem zweiten Leben verhelfen.

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Ich möchte hier mal ein Plädoyer loswerden. Oder besser gesagt ein paar beruhigende Worte an alle Studienabsolventen richten, die auf unsere Website gelangen – vielleicht sogar, weil sie erwägen, sich auf einen Job bei uns zu bewerben – und dann bei der Durchsicht unserer Kunden verschüchtert den Browser-Tab schließen in der (fälschlichen!) Annahme, sie seien für diese Themen nicht qualifiziert oder richtig ausgebildet.

Bitte habt keine Scheu vor Begriffen wie Enterprise Resource Planning, Cloud, Applikation, Systemintegration, Skalierung oder High-Performance-Computing! Ihr müsst keine Informatiker oder Geeks sein, um Kunden aus dem ITK-Umfeld ordentlich betreuen zu können. Damit man mir das glaubt, gebe ich hier mal eine kleine Übersicht zum Besten. In unserem Berater-Team tummeln sich unter anderem studierte

  • (Psycho-)Linguisten
  • Historiker (sowohl für Vor-, Früh- als auch neuzeitliche Geschichte)
  • Romanisten
  • Slavisten
  • Anglisten
  • Germanisten
  • Kommunikationswissenschaftler
  • Marketingfachleute
  • Medienwissenschaftler
  • Buchwissenschaftler
  • VWLer
  • Soziologen
  • Politikwissenschaftler
  • Ethnologen
  • Anthropologen
  • Literaturwissenschaftler
  • Werbekaufleute

Die meisten unserer Berater haben sich erst im Laufe ihres Berufslebens mit den technischen Themen vertraut gemacht, für die sie heute PR machen. Das mag vielleicht zu Beginn etwas anstrengend und ungewohnt sein. Aber man findet sich in der Regel erstaunlich schnell in die Bereiche seiner Kunden ein und wirft dann selbst mit Begriffen um sich, für die man im Freundeskreis nur große Augen und verständnislose Blicke erntet. Die ITK ist ein extrem interessantes und spannendes Feld, das sich ständig verändert und unsere Kunden sind nicht selten mitverantwortlich für den technologischen Fortschritt, von dem wir alle in unserem Alltagsleben profitieren.

Wer wollte da nicht dabei sein smiley?

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Wer aus der PR-Branche kennt das nicht, man ist auf einer Party von Freunden eingeladen und es dauert nicht lange bis die Frage nach der Tätigkeit gestellt wird. Einige Berufsbezeichnungen sind selbsterklärend und jeder weiß genau, was damit gemeint ist. Kommt die Frage auf mich zu, sieht das schon anders aus. Der Satz „Ich bin PR-Beraterin“ zieht eigentlich immer ein „Aha, und was macht man da so?“ nach sich (außer ich bin auf einer PR-Veranstaltung, da ist die Fragestellung natürlich eine andere). Natürlich bin ich bereit, Auskunft über den sogenannten „PR-Berater-Beruf“ zu geben. Also, „PR“ steht für Public Relations und steht für die Öffentlichkeitsarbeit. Der PR-Berater ist ein Vermittler zwischen Unternehmen und der Presse. Er liefert Informationen des Kunden in neutraler Form an die Presse, die selbst entscheiden kann, ob Verwendung hierfür ist. Ein PR-Berater handelt zwar im Sinne des Unternehmens, kann sich aber in die Lage von Journalisten hineinversetzen. Er weiß somit, welche Informationen für die Presse relevant sind bzw. wie Informationen aufbereitet werden müssen.

Gerne würde ich jetzt noch über PR-Strategien, integrierte Kommunikation und den Unterschied zwischen B2B- und B2C-PR reden, aber ein Blick in die Gesichter sagt mir, dass mir keiner mehr folgen kann. Wenn ich Glück habe, kommt jetzt die Rückfrage „Ach, du machst Marketing oder Werbung“ ... Zu Beginn meiner PR-Karriere war ich oft noch bemüht, dieses Missverständnis aufzuklären. Ich wollte, dass mein privates Umfeld genau versteht, was ich tue, aber nach zehn Jahren nimmt dieser Eifer so langsam ab. Ich bin gespannt, ob das Berufsbild des PR-Beraters auch in zehn Jahren noch Fragezeichen auf die Gesichter zeichnet.

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In den letzten Jahren gibt es immer wieder Begriffe, die in hoher Regelmäßigkeit in diversen Berufssituationen auftauchen. Zeit, ein Buzzword-Bingo für die B2B-IT-PR zu erstellen. Bingo einfach ausdrucken und in eines der nächsten Meetings mitnehmen. Pro genanntem Buzzword wird abgehakt. Bei fünf vertikalen, horizontalen oder diagonalen Treffern aufstehen und folgendes rufen: „IT-PR: Glückwunsch zu 25 Jahren, PR-COM!“

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