PR und Kommunikation

In diesen Tagen wirft eine der für die Digitalbranche bedeutsamsten Messen wieder ihre Schatten voraus. Nein, hier geht es ausnahmsweise nicht um die IFA, sondern um die Dmexco, die Digital Marketing Exposition & Conference. Das Get Together der Online-Werbefachleute und Kommunikationsexperten feiert heuer seinen fünften Geburtstag und hat es innerhalb dieser relativ kurzen Zeit zu einer der führenden Messen für die digitale Marketingbranche gebracht. Über 800 Aussteller werden am 10. und 11. September in Köln ihre Technologien, Lösungen und Ideen dem Fachpublikum präsentieren.

Der ein oder andere Leser wird sich jetzt vielleicht denken: „Online-Marketing, was geht das mich an? Darum sollen sich die Vermarkter kümmern.“ Ein berechtigter Einwand – allerdings nur auf den ersten Blick. Denn die Messe verzeichnet Jahr für Jahr nicht nur ein deutliches Wachstum, sondern deckt auch immer mehr Themenbereiche ab, die für Unternehmen in Deutschland langsam aber sicher auf die IT-Agenda gehören. So wird die Dmexco in diesem Jahr unter anderem die Trends „Internet der Dinge“ und „Industrie 4.0“ aufgreifen. Hierfür haben die Organisatoren eigens eine World of Experience eingerichtet, wo den Besuchern anschaulich demonstriert wird, welchen Einfluss M2M auf die Internet-Nutzung haben kann und wie sich das Online-Marketing diesen Trend am besten zunutze macht.

Aber nicht nur die Ausstellerfläche bietet interessante Einblicke in die aktuelle und zukünftige digitale Welt. Auch die angegliederte Konferenz hat sich auf die Fahne geschrieben, weltweit führend und themensetzend zu werden. Die Besucher der Dmexco haben die Qual der Wahl und müssen unter den von 470 Sprechern angebotenen Vorträgen und Seminaren mit einem Gesamtvolumen von über 200 Stunden ihre persönlichen Highlights herauspicken. Und auch bei der Konferenz zeigt sich der immer breiter werdende Fokus der Veranstaltung sehr deutlich, denn neben Marketing- und Online-Strategen befinden sich auch einige Top-Manager von großen Unternehmen aus allen möglichen Branchen auf der Speaker-Liste, unter anderem von BMW, Facebook, IBM und Nestlé.

Unsere Empfehlung ist ganz klar: Ein Besuch der Dmexco lohnt sich und sollte für alle Unternehmen, die in der digitalen und vernetzten Welt am Puls der Zeit bleiben wollen, rot im Kalender angestrichen werden. Übrigens, der Eintritt ist nach vorheriger Registrierung kostenfrei.

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Erst vor wenigen Tagen hatte ich aus dem Leben eines Toner-Käufers berichtet. Das Bewertungs-Sponsoring scheint allmählich einzureißen. Etwas später war auf Heise Online Folgendes zu lesen:

Online-Shopper verlassen sich gerne auf die Erfahrungen anderer Käufer. Aber kaum jemand weiß, welchen Aufwand manche Unternehmen mittlerweile treiben, um Top-Bewertungen für ihre Produkte herbeizuzaubern.

Ein aktuelles Beispiel ist das Galaxy Tab S von Samsung: Von den insgesamt rund 80 Bewertungen auf Amazon.de stammt mehr als die Hälfte von Nutzern, die das Android-Tablet gratis erhalten haben (Stand 11. August). Vermutlich stieg dadurch die Gesamtnote von 3,5 Sternen auf 4,0 Sterne.

Samsung verteilt Gratis-Tablets


Rund 20 Rezensenten schreiben, dass Samsung ihnen ein Testgerät geschickt hat – "im Rahmen eines Produkttests", "als ausgewählter Tester" oder mit einer ähnlichen Formulierung. Was sie nicht verraten: Sie müssen das 390 bis 580 Euro teure Tablet anschließend nicht zurückschicken, sondern bekommen es als Belohnung für die Rezension umsonst.

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Heute geht es um ein strategisches IT-Thema: um Toner. Ich weiß, Verbrauchsmaterialien gelten als Paradebeispiel für etwas völlig Unstrategisches. Was aber ein Vorurteil ist, denn für Unternehmen, die mit der Herstellung und/oder dem Vertrieb von Tonern befasst sind, ist dieses Thema so strategisch, es könnte gar nicht strategischer sein. Diese Unternehmen werfen daher ihre ganze Innovationskraft auf … na ja, auf Toner eben. Und da genügt es heute natürlich nicht, einfach bloß geile Tonerkartuschen herzustellen, man muss sie schon auch gut verkaufen, draußen in einer Welt, in der Toner als Paradebeispiel für langweiliges Zeug herhalten muss.

Also sind Marketing-Innovationen gefragt und dazu gehört heute unbedingt Social Media. Nun ist Social Media manchmal eine schwierige Sache. Man kann nicht einfach ein Budget aufsetzen, verpulvern und gut ist's. Die Community muss auch noch mitspielen und die hat ihre eigenen Regeln, und wenn sie zum Beispiel einfach keinen Bock auf Toner hat, dann nutzen die lustigsten Tweets nichts. Innovatives Social-Media-Marketing besteht darin, hier ein wenig nachzuhelfen.

Und damit komme ich zu einem ganz persönlichen Einkaufserlebnis: Vor kurzem hatte ich mal wieder Lust, Toner zu kaufen, und weil ich nicht sicher war, welcher der optimalste ist, hab' ich mich im Web informiert. Genau dafür gibt es schließlich die Sozialen Netze, in diesem Fall Amazon und seine riesige Community von Produktbewertern. Ohne vorherige Rückkopplung mit diesen Bewertungen kaufe ich seit Jahren schon kein Taschenbuch, keine Waschmaschine und keinen Toner mehr. Ein Blick in die aktuellen Bewertungen relevanter Toner-Anbieter zeigte dann auch rasch: Der Toner von Hainberger ist top – über 200 Bewertungen, davon rund 180 mit fünf Sternen. Eine Heerschar begeisterter Toner-Kunden. Der muss es sein! Bestellt, geliefert, ruck zuck.

Im Karton fand ich neben der Tonerkartusche auch noch dieses Schriftstück (Hervorhebungen von mir):

Ziemlich innovativ, das lässt sich nicht bestreiten: Hainberger belohnt positive Bewertungen mit einem Gratis-Toner. Oder müsste man sagen … kauft sich positive Bewertungen? Kein Wunder, dass dieser Toner rund viermal so oft bewertet wird wie andere. Die Aussicht auf einen Gratis-Toner mag da bei einigen Kunden Motivation sein, um das Produkt zu bewerten und um es besser zu bewerten, denn für schlechte Bewertungen gibt es nichts umsonst, daran lässt das Hainberger-Marketing keinen Zweifel. Klar, wer den Hainberger-Toner für kompletten Mist hält, der will auch keinen Gratis-Mist dazu. Aber all die anderen? Geschenkter Gaul halt.

Dass sich in allen Bewertungsportalen Leute herumtreiben, die die eigenen Produkte und Leistungen in den Himmel loben, daran hat man sich ja schon gewöhnen müssen. Man weiß als Bewertungs-Powernutzer: Einige Bewertungen sind immer dabei, denen man nicht trauen kann, weil dahinter Mitarbeiter des betreffenden Unternehmens stecken. Aber das ist notwendigerweise auf wenige Stimmen beschränkt. Doch nun sollen ja die Kunden auf breiter Front nicht durch Leistung, sondern durch Incentives zu Abgabe von Urteilen veranlasst werden. Amazon scheint dagegen nichts zu haben, denn offenbar läuft die Hainberger-Aktion schon länger. Ein Bewertungssystem ist damit natürlich weitgehend ausgehebelt.

Ich hätte vor der Bestellung natürlich die negativen Bewertungen meines Toners genauer anschauen müssen: Einige verärgerte Kunden vergeben extra nur einen Stern, um diese Marketing-Aktion abzustrafen:

… allein für diese Gratistoner-Masche gebe ich nun nur einen Stern, damit andere Kunden gewarnt werden, dass sie die vielen positiven Rezensionen genauer unter die Lupe nehmen.

Was aber auch keine Lösung ist, denn über Qualität und Funktionalität des Toners weiß man damit natürlich wieder nichts. Außer dass man vorsichtig sein muss. Aber dafür braucht man wirklich kein Bewertungssystem. Und kein Social Media. Und kein Amazon. Wem kann man denn jetzt noch trauen?

Kein Zweifel: Das Bewertungswesen im Web, ach was, das ganze Web steht am Scheideweg – dabei hab' ich doch nur ein wenig Toner gebraucht. 

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Seit es Blogs gibt, sind sie auch ein Thema für die Unternehmenskommunikation. Klar, sie bringen dafür schließlich ideale Voraussetzungen mit: Hier kann ein Unternehmen sich und seine Sicht der Dinge ohne jegliche Restriktionen darstellen, während man sich bei Facebook, Twitter oder YouTube an die Gegebenheiten der jeweiligen Plattform halten muss und am Ende nicht weiß, ob einem ein eingestelltes Foto überhaupt noch gehört.

Im Blog ist man dagegen Herr im Haus. Hier hat ein Unternehmen die Möglichkeit, sich so zu präsentieren, wie es gesehen werden will. Hier besteht die Möglichkeit, seine Ansichten über eine beliebige Auswahl von Themen, seien es Technologien, Märkte, Hintergründe, Zusammenhänge, Mitbewerber, eigene oder fremde Aktivitäten, darzulegen.

Ohne Restriktionen heißt dabei, dass man weder auf die Themenplanung oder Interessen von Medien Rücksicht nehmen muss, dass man aber auch nicht mehr unter dem unmittelbaren Diktat des Vertriebs steht, der mit jeder Aktivität ein direkt messbares Umsatzplus erreichen oder zumindest Leads generieren muss. Im Blog kann ein Unternehmen umsetzen, was Social Media verspricht: Dialog mit Kunden und Interessenten, Kommunikation in beide Richtungen.

Das war die Theorie, die bekanntlich grau ist. Wie dagegen die Praxis aussieht, zeigt eine Studie, die wir im Auftrag von uns selbst durchgeführt haben. Untersucht wurden dabei die Unternehmens-Blogs der 100 wichtigsten IT-Unternehmen in Deutschland. Die Ergebnisse waren – gelinde gesagt – ernüchternd, Näheres kann man hier nachlesen.

Lediglich 24 von 100 Unternehmen haben überhaupt Unternehmens-Blogs in deutscher Sprache, von denen – bei genauerem Hinsehen – nur sieben gehobenen Ansprüchen genügen konnten. Lob verdienten sich schließlich nur die Blogs von Datev und SAS.

Die Mängelliste der Übrigen ist lang: Bei den einen erscheinen Beiträge nur alle paar Wochen oder Monate, andere sind so gut auf den Websites versteckt, dass man meinen könnte, die betreffenden Unternehmen würden sich ihrer schämen. Wieder andere fallen durch Textwüsten oder konfuses Layout auf. Das verbreitetste Übel aber ist, dass viele Unternehmen ihren Blog für die Zweitverwertung von anderweitig erstellten Texten missbrauchen. Da werden dann Pressemitteilungen 1:1 wiedergegeben oder man stellt der Einfachheit halber gleich Marketing-Unterlagen ein.

Die Frage stellt sich: Wer will das lesen? Sollte ein Blog nicht etwas Anderes sein? Sollte er nicht inhaltliche Vielfalt bieten und persönlichen Stil? Angenehm und wenn möglich schnell zu lesen? Und war da nicht was mit Hintergründen und Zusammenhängen?

Wir haben uns, solcherart enttäuscht, natürlich gefragt, ob wir nicht falsche Erwartungen hatten. Aber wir sind nicht die Einzigen, die beim Lesen von Unternehmens-Blogs ein ungutes Gefühl haben. Wir zitieren hier ausnahmsweise etwas ausführlicher den Kollegen Nico Lumma, der Anfang des Jahres in seinem Blog "Lummaland" unter dem Titel "Die Sache mit den Unternehmensblogs" ein hartes Urteil fällte:

Die Realität sieht so aus, dass Unternehmensblogs strunzend langweilig sind. Sie sind genauso rundgeschliffen wie die Pressemitteilungen, was daran liegt, dass sie meistens aus derselben Abteilung kommen. […] Herauskommen Blogs, die vor lauter Langeweile nur so strotzen, die Jubelmeldungen schreiben, die langweiligste Blicke hinter die Kulissen bieten, ohne etwas zu verraten […]

Was ist aus der Idee geworden, den Blickwinkel des Nutzers einzunehmen? Will der Kunde wirklich noch mehr Infos haben, will der wirklich wissen, wie die zuständige Produktmanagerin aussieht und welche Hobbies sie hat? […] Deutsche Unternehmensblogs sind hingegen stiefkindlich betreute Resterampen für mäßig interessante Pressemeldungen. […]

Unternehmensblogs haben ein irres Potential, da Unternehmen mit Unternehmensblogs selber die Geschichten erzählen können, die sie erzählen wollen, ohne dafür Journalisten und andere Intermediäre zu benötigen. Unternehmensblogs können faszinieren, Unternehmensblogs können inspirieren, aber insbesondere deutsche Unternehmensblogs strotzen vor Langeweile.

Lumma kommt zu dem Schluss, Unternehmensblogs seien "eines der größten Irrtümer der Kommunikationsbranche der letzten 10 Jahre". Soweit würden wir nicht gehen – immerhin haben wir ja noch fünf brauchbare und zwei gute Blogs gefunden. Aber nachdem wir ein paar Dutzend Unternehmens-Blogs angeschaut haben, wissen wir schon, was Lumma meint – und was ihn zur einer etwas inflationären Verwendung des Worts "langweilig" veranlasst hat.

Dabei sind wir auf die Sache mit dem Dialog, dem eigentlich heiklen Punkt der Unternehmens-Blogs, noch gar nicht eingegangen. Auch dazu mehr in unserem Whitepaper.


Langeweile im Blog? Katzen-Content hilft immer. 

Interview mit unserem Geschäftsführer Alain Blaes zur PR-COM-Studie über B2B-Blogs deutscher ITK-Unternehmen:

 

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So sieht die Länder-Auswahl auf der Home-Page von Oracle aus:

Suomi – France – Deutschland …  South Afrika – España – Sri Lanka …

Ja klar, ich weiß schon, wie dieses lustige Durcheinander zu Stande kommt: Erst wurde sortiert, dann übersetzt. Aber strange sieht es trotzdem aus. Und sollte nicht ein IT-Weltkonzern eine Software bauen können, die das Sortieren und Übersetzen in der richtigen Reihenfolge beherrscht? Irgendwie schon. Oder ist das der Grund, warum ich neulich von meiner Versicherung …?

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Nachdem wir uns vor einiger Zeit den deutschsprachigen Social-Media-Aktivitäten von – Endverbraucher-orientierten – Smartphone-Herstellern gewidmet haben, haben wir diesmal B2B-Anbieter unter die Lupe genommen, und zwar die führenden Softwarehersteller. Schon im Vorfeld hatten wir gemutmaßt, was das Ergebnis sein würde, und haben recht behalten: freundlich ausgedrückt verschenken auch diese Unternehmen ihr Social-Media-Potenzial.

Irgendwie betreiben alle untersuchten Hersteller Social Media, aber eben auch nur irgendwie. Wenigstens verlinken die meisten die Kanäle auf ihrer Homepage, das kann man schon fast als Fortschritt betrachten. Ansonsten sieht es eher mager aus: Inhalte werden oft 1:1 direkt aus Presseinformationen übernommen; anspruchsvolle, weil arbeitsintensive, Kanäle wie YouTube werden eher nachlässig behandelt, und ansonsten sieht alles eher lieblos denn professionell aus. Der Eindruck, der entsteht: Man gibt sich nicht viel Mühe. Der Geist von Social Media glänzt bei den meisten Anbietern mit Abwesenheit (rühmliche Ausnahme ist die DATEV, die einen hervorragenden Job macht).

Das alles ist keine neue Erkenntnis. Wir wundern uns seit vielen Jahren, warum große Unternehmen mit ausreichend Manpower und Budgets nicht in der Lage sind, ihre Kommunikation professionell zu gestalten – schlimmer noch: nicht mal das ABC der Kommunikation beherzigen. Gewiss, Social Media ist aufwändig, aber es gibt viele kleine Unternehmen, die es ganz gut auf die Reihe bekommen. Warum also nicht die Großen? Ich glaube und habe es schon oft wiederholt: Viele Unternehmen haben offenbar keinerlei Interesse an einem vollwertigen und mit weiten Befugnissen ausgestattenen Kommunikationsvorstand, aus welchen unerfindlichen Gründen auch immer. Der oft katastrophale Auftritt, von dilettantischen Inhalten bis zu widersprüchlichen Botschaften, ließe sich damit auf jeden Fall vermeiden. Der mäßige Social-Media-Auftritt ist nämlich nur die Spitze des Eisbergs.

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In den letzten Wochen haben wir uns mit einigen ITK-Journalisten unterhalten und sie gebeten, uns ihre Einschätzung bezüglich der Performance von Pressestellen und PR-Agenturen mitzuteilen. Die Ergebnisse sind nicht repräsentativ, weil nur auf 29 Meinungen beruhend, aber sie entsprechen ziemlich genau unserer eigenen Erfahrung.

Es gibt Luft nach oben. Die Durchschnittsnoten, die unsere Medienkontakte vergeben haben, waren nämlich eher mager. Ihre allgemeine Zufriedenheit mit PR-Agenturen und Pressestellen von ITK-Unternehmen bewerteten sie mit 2,7 (Schulnotensystem), die Reaktionsgeschwindigkeit ihrer Ansprechpartner mit 2,8 und deren Zuverlässigkeit mit 2,1, immerhin.

Die Qualität von Texten, in der Regel Presseinformationen, war ihnen aber lediglich 2,9 wert, das ist schon fast beschämend für die Leistung sogenannter PR-Profis. Jetzt könnte man darauf erwidern, die Headquarters in den USA und die EMEA-Zentralen auf der Insel bestünden darauf, ihre Texte möglichst nah am Original übersetzt zu sehen. Das stimmt zwar meistens, ist allerdings auch nur die halbe Wahrheit. Die andere Hälfte wird durch die schlechteste Note unserer Umfrage reflektiert: 3,3. So kümmerlich bewerteten die Journalisten die ITK-Expertise ihrer Kontakte in den Agenturen.

Seit meiner Zeit als Redakteur und Chefredakteur von IT-Zeitschriften hat sich hier offensichtlich nicht viel geändert (und das ist wirklich lange her). Schon damals hatten wir in den Redaktionen, auf der anderen Seite des Schreibtischs sozusagen, viel zu oft mit schlechten Texten, fragwürdigen Inhalten und kläglicher Grammatik zu tun. Die Kompetenz vieler PR-Agenturen sahen wir im Grunde reduziert auf ihre Rolle als Durchlauferhitzer: Original-Texte irgendwie übersetzen und halbherzig an die Medien verteilen. Aber, das muss gesagt werden, es gab natürlich auch eine ganze Reihe guter Agenturen und hervorragender Pressestellen in den Unternehmen.

Die gibt es immer noch. Angesichts der mäßigen Noten der heutigen Journalisten repräsentieren sie aber wohl leider nicht die Mehrheit.

Manche Journalisten waren in den Gesprächen recht aufgebracht über ihre Kontakte in den Agenturen und Pressestellen, auch wenn sie hier und dort "gute und sehr gute Pressestellen und Agenturen" ausmachten. Sie bemängelten vor allem die schlechte Aufbereitung von Informationen, zu wenig Tiefgang, unzureichendes Bildmaterial, mäßig ausgebildete Kontaktpersonen und immer wieder die "kaum vorhandene ITK-Expertise" in manchen Agenturen. Vor allem diese mangelnde Expertise führt dazu, dass Original-Informationen von PR-Agenturen oft unreflektiert und unkritisch übernommen werden – mit all den unötigen Quotes, den ärgerlichen Superlativen und dem überflüssigen Marketing-Gebrabbel.

"Gehirn einschalten", brachte es ein Journalist zackig auf den Punkt, "Buzzword-Bingo und Spin-Doctoring meiden. Fliegt sowieso auf und schreckt ab". Hätte auch von mir sein können – damals.

 

29 Journalisten haben die Leistung von ITK-Agenturen und -Pressestellen bewertet. Das sind die Ergebnisse – nicht immer brillant (Quelle: PR-COM, Mai 2014)


In einem kurzen Video erläutert PR-COM-Geschäftsführer Alain Blaes die zentralen Ergebnisse:

 

 

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Heute haben wir für unseren Kunden Red Hat ein Marketing-Video umgesetzt. Daraus gewonnene Einzelstatements lassen sich auch für die Pressearbeit hervorragend nutzen: Zum Beispiel über eine Verlinkung in Form von Mailings für Interview-Pitches, Veranstaltungseinladungen oder auch als weiterführende Informationen in Pressemitteilungen. Der entscheidende Vorteil von Videos gegenüber geschriebenem Text: Sie transportieren Emotionalität durch die Visualisierung von Inhalten und Personen.

Impressionen vom Dreh:

  Kamera ab! (Bild: PR-COM, April 2014)  Studioaufbau (Bild: PR-COM, April 2014)

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Diese Nachricht können wir natürlich nicht unkommentiert passieren lassen:

Die Nachrichtenmaschine:
 Schwäbische Software schreibt aus Daten News

… und vermutlich ist diese etwas schiefe Headline schon ein erstes Anwendungsbeispiel. Gemeint ist Folgendes: 

Die Aexea GmbH aus Stuttgart […] hat nun erstmals eine Software vorgestellt, die mit Hilfe eines semantischen Modells Daten aus verschiedenen Quellen verknüpft und anschließend automatisiert nicht nur Headlines, sondern komplette hochwertige Nachrichtentexte formuliert.

Aexea fährt einiges auf: Semantische Modelle, generative Grammatik und ein narratives Gerüst; herauskommen sollen "leserorientierte, verständliche und lesenswerte Texte". Bei Twitter läuft sich schon der Panikgenerator warm:

  • "Software schreibt News: Willkommen in der gruseligen SEO-Zukunft"
  • "UNHEIMLICH: Aexea hat eine Software vorgestellt, die automatisiert komplette hochwertige Nachrichtentexte formuliert"           
  • "Horrorszenario oder Wunschtraum? In jedem Fall Realität"

Keine Panik! Ruhig Brauner! Man muss sich nämlich die Leistungen dieser Software mal etwas genauer anschauen:

"Es ist die intelligente semantische Logik, die es der Software ermöglicht, Texte zu schreiben, die nur das Sagenswerte und Sprechbare enthalten", erklärt Frank Feulner, Leiter Software Development/ Semantic Technologies bei der Aexea GmbH.

Im Ernst, wer will solche Texte haben? Texte, die nur das "Sagenswerte" enthalten? (Seltsam: mein Bloggenerator schlägt hier das "Lesenswerte" vor, das "Sprechbare" bleibt ohne Vorschlag.) Und sonst nichts? Am Ende ist die Logik womöglich so intelligent, dass sie genau das aussortiert, was der Phrasengenerator zuvor mühsam hineingepackt hat. Das ist doch nicht praxistauglich.

Außerdem eine halbe Sache. Was wir brauchen, ist eine innovative Software, die mit Hilfe einer evidenzbasierten semantischen Content-Logikfunktionalität in der Lage ist, Texte nicht nur zu verfassen, sondern auch zu lesen. Die Engine muss über ein intelligentes 7x24-Interface die Aexea-Texte nahtlos importieren, hochperformant rezipieren und anschließend rückstandslos archivieren. Auch auf mobilen Endgeräten. Machine-2-Machine Communication – so geht Effizienz. Engines unter sich – das zeitgemäße Texterlebnis. 

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Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs jährt sich bald zum hundertsten Mal, und mich als gelernten Historiker elektrisiert dieses Ereignis natürlich ganz besonders. Als ich deshalb neulich meine alten Bücher zum Thema herausgekramt habe, stieß ich auf eine spannende Quelle. Die „Vossische Zeitung“ berichtete in ihrer Ausgabe vom 28. Juni 1914 über den Vorfall, der schließlich den Ersten Weltkrieg auslösen sollte. Interessant ist dabei der Aufbau der Nachricht:

Sarajewo, 28. Juni (Telegramm unseres Korrespondenten) Als Erzherzog-Thronfolger Franz Ferdinand und seine Gattin, die Herzogin von Hohenberg, sich heute Vormittag zum Empfange in das hiesige Rathaus begaben, wurde gegen das erzherzogliche Automobil eine Bombe geschleudert, die jedoch explodierte, als das Automobil des Thronfolgers die Stelle bereits passiert hatte. Im darauffolgenden Wagen wurden der Major Graf Boos-Waldeck von der Militärkanzlei des Thronfolgers und Oberstleutnant von Bosnien erheblich verwundet. Die Bombe war von einem Typographen namens Cabrinowitsch geschleudert worden. Der Täter wurde sofort verhaftet. Nach dem festlichen Empfang im Rathaus setzte das Thronfolgerpaar die Rundfahrt durch die Straßen der Stadt fort. Unweit des Regierungsgebäudes schoss ein Gymnasiast der achten Klasse (Primaner) namens Princip aus Grabow aus einem Browning mehrere Schüsse gegen das Thronfolgerpaar ab. Der Erzherzog wurde im Gesicht, die Herzogin im Unterleib getroffen. Beide verschieden, kurz nachdem sie in den Regierungskonak gebracht worden waren, an den erlittenen Wunden. Auch der zweite Attentäter wurde verhaftet. Die erbitterte Menge hat die beiden Attentäter nahezu gelyncht.

Quelle: Vossische Zeitung vom 28.6.1914

Die Art, Nachrichten zu strukturieren, hat sich mittlerweile grundlegend geändert. Die entscheidende News gleich am Anfang nennen – so wird es längst gehandhabt. Bei so einigen Pressemitteilungen hat man allerdings den Eindruck, dass die Zeit stehen geblieben ist. Da wird mit Hintergrundbetrachtungen, Prosa-Einleitungen oder einer ausführlichen Beschreibung des aussendenden Unternehmens angefangen. Und was die eigentliche Nachricht ist, das muss sich der Leser oft selbst zusammenreimen.

Dabei muss ich immer daran denken, was einer der ausbildenden Redakteure während meines Zeitschriften-Volontariats gesagt hat: Wenn eine Pressemitteilung hereinschneit und man nicht spätestens beim dritten Satz weiß, was die Nachricht ist – ab in die Tonne damit. Dieses Bedrohungsszenario habe ich heute noch jedes Mal vor Augen, wenn ich selbst eine Presseinfo schreibe.

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