Wirtschaft und Politik

Deutschlands Arbeitsmarkt boomt. Ende 2014 waren über 43 Millionen Menschen erwerbstätig, zugleich sank die Arbeitslosigkeit mit rund 2,8 Millionen in einem Dezember auf ein Rekordtief seit der Wiedervereinigung.

Ungebrochen ist nach wie vor der Bedarf an Fachkräften, insbesondere in der ITK-Branche. Laut einer aktuellen BITKOM-Studie werden in Deutschland derzeit rund 41.000 IT-Spezialisten gesucht. Gefragt sind mit großem Abstand vor allem Software-Entwickler mit Fachwissen im Bereich Cloud Computing und Big Data. Vermehrt gesucht werden auch IT-Sicherheitsexperten, die fast jedem siebten Unternehmen fehlen.

Was können Unternehmen dagegen tun? Die einfachste und wichtigste Maßnahme ist die Bindung der bestehenden Belegschaft an das Unternehmen. Dazu gehören zum einen Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen für Mitarbeiter, sowie das Unternehmen für Mitarbeiter attraktiv zu machen. Nicht unbedingt entscheidend ist, wie oft angenommen, die Größe des Unternehmens – gerade kleine und mittelständische Unternehmen können mit flachen Hierarchien und einer engen Beziehung zu ihren Mitarbeitern punkten. Wichtig ist daher vor allem, die eigenen Stärken sichtbar zu machen und sich so beim Recruiting einen Vorteil zu verschaffen. Auch hier kann PR ansetzen.

Dabei geht es zunächst um die Auswahl geeigneter Kommunikationskanäle. Neben den traditionellen Stellenanzeigen in Print und Online gewinnen Social-Media-Kanäle wie XING, Facebook oder LinkedIn immer mehr an Bedeutung bei der Personalsuche. Mit einem professionellen Aufritt nach außen präsentiert sich das Unternehmen sowohl bei der aktiven als auch bei der passiven Ansprache potenzieller Bewerber als attraktiver Arbeitgeber.

Einen innovativen Schritt geht übrigens das Unternehmen Trigema – dort wird sogar dem Nachwuchs der Mitarbeiter ein Ausbildungs- oder Arbeitsplatz garantiert.

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Mit dem Entschluss, sich mit seinem Unternehmen vom Börsenparkett zu verabschieden, verband Gründer und CEO Michael Dell insbesondere die Intention, einen unternehmerischen Strategie-Wechsel ohne Quartals-Druck vollziehen zu können. Es galt dabei, einer Entwicklung Rechnung zu tragen, nach der mit Hardware immer weniger Geld zu verdienen ist und vor allem Software und Services in den Fokus der Kunden rücken. Dell bietet heute immer noch Clients und Server an, ergänzt diese jedoch um Software-Lösungen sowie IT-Dienstleistungen. Wussten Sie beispielsweise, dass Dell heute sogar Apps entwickelt, beispielsweise für die BayWa? Alles aus einer Hand – mit dieser Strategie hat Dell nach Ansicht vieler Experten wieder in die Erfolgsspur zurückgefunden.

Die erwähnte Re-Privatisierung ist für Michael Dell dabei ein entscheidender Schlüssel. Das Unternehmen muss sich nicht mehr quartalsweise gegenüber den Investoren rechtfertigen, sondern bekommt Zeit und Raum, um eine langfristige Unternehmensstrategie zu verfolgen und sich mit Innovation beschäftigen zu können, anstatt mit Dividenden, Aufspaltungen oder anderen börsenrelevanten Themen.

In einem Interview mit Bloomberg TV hat Michael Dell nun die Prognose gewagt, dass künftig mehr Firmen aus den genannten Gründen den Schritt der Privatisierung gehen werden. Mehr als zehn CEOs hätten ihn dazu bereits kontaktiert.

Bedeutet der Abschied von der Börse also langfristigen Unternehmenserfolg durch flexiblere Anpassungsmöglichkeiten an die Bedürfnisse des Marktes? Pauschal kann man dies sicher nicht bejahen. Insbesondere wenn es um Produktinnovationen geht, reicht es, die börsennotierten Unternehmen Apple und Google als Beispiele zu nennen, um die Diskussion schnell zu ersticken. Doch wenn Unternehmen feststellen, dass sie grundsätzliche und einschneidende strategische Umwälzungen voranbringen müssen, die Langfristigkeit erfordern und kurzfristigen Profitinteressen an den Börsen zuwiderlaufen, kann dies ein entscheidender Erfolgsfaktor sein. Kann. Denn sind es auf der anderen Seite nicht gerade die Investoren und Analysten, welche Unternehmen zu den entsprechenden Anpassungen zwingen?

Börsen-Guru André Kostolany sagte einst: „Man soll die Ereignisse nicht mit den Augen verfolgen, sondern mit dem Kopf. Oft ist es sogar an der Börse besser, die Augen zu schließen.“ Michael Dell kann sich den Luxus leisten, gar nicht mehr hinsehen zu müssen. Es bleibt spannend zu beobachten, ob es ihm andere nachtun.

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In einem Blog aus dem März dieses Jahres beschäftigte ich mich mit Jaron Lanier – eine der bekanntesten und schillerndsten Figuren des Silicon Valley. Mit seinen mutigen, teilweise ungewöhnlichen Thesen sorgt er immer wieder für Aufsehen in der Netzgemeinde – und mittlerweile auch darüber hinaus.

Lanier greift Themen auf, die von gesamtgesellschaftlicher Relevanz sind, und legt immer den Finger in die Wunde, wenn bei aller Begeisterung über innovationsbringende Technologiesprünge die negativen Konsequenzen in Vergessenheit geraten. Dabei ist er kein Technologiefeind – im Gegenteil: Lanier ist unter anderem auch für Microsoft tätig. Aber er spricht auch die negativen Konsequenzen mancher technologischer Entwicklungen an und versucht, konstruktive Lösungen zu finden. Dass diese Töne zunehmend auf fruchtbaren Boden in der deutschen Debattenkultur treffen, zeigt sich immer mehr.

Am Wochenende wurde Lanier nun mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet. Laut Jury weise er „auf die Gefahren hin, die unserer offenen Gesellschaft drohen, wenn ihr die Macht der Gestaltung entzogen wird“. Die Tatsache, dass gerade Lanier eine der wichtigsten kulturellen Auszeichnungen in Deutschland entgegennehmen darf, ist dabei wohl mehr als ein Symbol für die wachsende kritische Auseinandersetzung mit den Konsequenzen des Internetzeitalters.

Dies ändert jedoch nichts daran, dass der technologische Fortschritt und die Möglichkeiten des Internets unterm Strich großartig sind. Auch das würde er unterschreiben.

Herzlichen Glückwunsch, Jaron Lanier!

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Seit einigen Monaten arbeite ich verstärkt vom Home Office aus. In meinem Fall bedeutete dies: raus aus der Großstadt, ab aufs Land. Hier bekommt das Thema digitale Infrastruktur eine ganz andere Bedeutung, da viele Gemeinden nach wie vor im digitalen Dunkeldeutschland sitzen. Plötzlich wird die digitale Anbindung zur Standortfrage: denn ohne Internet ist es unmöglich, meinem Beruf nachzugehen. Die digitale Realität ist somit längst im Alltag angekommen. Sicherlich betrifft dies auch viele tausend Handwerker und Mittelständler, die in ganz Deutschland verteilt ihrem Job in mehr oder minder digital angebundenen Kommunen nachgehen.

Und Deutschland verliert weiter: Denn leider hinken wir in der flächendeckenden Abdeckung moderner Hochgeschwindigkeitsnetze anderen Ländern hinterher: Dies zeigt der State-of-the-Internet-Report des Cloud-Service-Anbieters Akamai regelmäßig. Im ersten Quartal 2014 rutschte Deutschland bei den durchschnittlichen Geschwindigkeiten im internationalen Vergleich von Platz 21 auf 26 ab.

Umso wichtiger ist der Beschluss des Bundeskabinetts zur „Digitalen Agenda 2014-2017“, der jetzt vorgelegt wurde und die Leitsätze für die nächsten Jahre diktiert: 1. Stärkere Erschließung des Innovationspotenzials unseres Landes für weiteres Wachstum und Beschäftigung, 2. Die Unterstützung beim Aufbau flächendeckender Hochgeschwindigkeitsnetze und die Förderung digitaler Medienkompetenz (...), 3. Die Verbesserung der Sicherheit und den Schutz der IT-Systeme und Dienste (...).

Aber wie realistisch ist eine flächendeckende Umsetzung? Die Politik muss sich letztlich daran messen lassen. Denn längst hängt das Wohl unserer Gesellschaft an einer möglichst raschen Umsetzung. Wir brauchen dringend Lösungen. Sicherlich ist das Thema nicht trivial, da viele Partikularinteressen involviert sind und oftmals ein Geschäftsmodell für gewinnorientierte Unternehmen gerade in ländlichen Gebieten nicht realisierbar ist. Aber gerade in einem solchen Fall muss der Staat in die Bresche springen und falls nötig für die entsprechenden Anschub-Investitionen sorgen. Denn längst zählt das Internet zur kritischen Infrastruktur. Und übrigens, es müssen nicht immer die kolportierten 50 Megabit pro Sekunde sein: Viele Firmen wären bereits froh, in akzeptabler Geschwindigkeit und ohne Verbindungs-Schwankungen im Netz unterwegs sein zu können. Und das jetzt, und nicht erst in Jahrzehnten!

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Jetzt, am Jahrestag der Snowden-Affäre, überhäufen sich die Berichte in den Medien. Die Bilanz, die sie ziehen, sieht nicht gut aus: Geheimdienste ignorieren Gesetze, und Gesetzgeber lassen sie, im Prinzip, gewähren. Ein paar kosmetische Korrekturen, ein paar Beschwichtigungen, voilà. Damit betrügen sie bewusst ihre Bürger, weil sie deren Grundrechte mit Füßen treten.

Laut einer aktuellen Bitkom-Umfrage misstrauen denn auch 71 Prozent der Internetnutzer Staat und Behörden beim Umgang mit ihren persönlichen Daten, und 53 Prozent fühlen sich sogar „durch staatliche Stellen bedroht“. Wen wundert’s.

Dennoch bleibt der Aufschrei der Bevölkerung, bis auf ein hintergründiges Raunen, gedämpft – sei es, weil sich ein Gefühl der Hilflosigkeit eingestellt hat und lautes Protestieren ohnehin unnötig erscheint; sei es, weil die ständige Social-Media-Erreichbarkeit oder die Bequemlichkeit des Internets für viele mehr bedeuten als ein abstrakter und nicht greifbarer Grundrechte-Verlust. Und vielen ist es schlichtweg egal, dass ihre privaten Daten gesammelt werden.

Seit einem Jahr dokumentieren wir chronologisch die Bespitzelungen durch die Geheimdienste und Verfehlungen der Politik in unserer „Affäre Snowden“ und wollen damit zur Meinungsbildung in der Öffentlichkeit beitragen. Das führt hoffentlich dazu, dass der Gier von Staaten nach den privaten Informationen ihrer Bürger über kurz oder lang Einhalt geboten wird.

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Da hat sich aber jemand ein tolles Datum für die neue Verbraucherrechterichtlinie ausgedacht: Freitag der 13. Ein ungewollt passendes Datum. Insbesondere wenn man sich die Details dazu einmal genauer anschaut – vor allem, was die Übergangsfrist betrifft. Wobei: Übergangsfrist trifft es nicht so ganz...

Bei genauer Betrachtung zeigt sich das Dilemma: die alten Verbraucherrechte gelten bis zum 12. Juni, 23:59 Uhr (und 59 Sekunden) und müssen bis zu diesen Zeitpunkt so auch auf der Webseite des Online-Händlers zur Verfügung stehen. Ab dem 13. Juni, 0:00 Uhr gilt dann aber die neue Richtlinie, die natürlich so auch auf der Website zu finden sein muss.

Jetzt kommt die Krux an der Sache: Erst ab genau diesem Zeitpunkt dürfen die neuen Verbraucherrechte auf der Website des Online-Shops erscheinen. Man hat also gerade mal, wenn man wirklich ganz kulant ist, genau 1 Sekunde Zeit, seine Website dementsprechend anzupassen (und wenn man ganz genau ist, nicht einmal die).

Ist dies nicht der Fall, drohen teure Abmahnungen – und eines ist sicher: unsere Abmahn-Freunde werden das Web genau danach durchforsten.

Gerade kleine Händler dürften mit dieser nicht vorhandenen Übergangsfrist ein Problem haben, denn wenn man keine Agentur im Rücken hat, die man hiermit beauftragen kann und die für einen ein bisschen um Mitternacht herumzaubert, muss man selber ran.

Da stellt sich mir die Frage: Wer hat sich das denn ausgedacht?

PS: In meinem nächsten Blog beschreibe ich, wie Online-Shop-Muggles nach Hogwarts gelangen und wie man Harry Potter dazu bringt, seinen Zauberstab für einen guten Verbraucherrechterichtlinien-Zweck zu verleihen.

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Seit ihrer Gründung 1998 stand die Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN), die für die Vergabe und Koordination internationaler Top-Level-Domains wie .com, .biz oder .mobi zuständig ist, unter der Aufsicht des US-Handelsministeriums.

Mehrfach wurde bereits eine Neuregelung der Verantwortlichkeit gefordert, etwa im Jahr 2012 von Russland und China. Oder vor Kurzem auch von der EU-Kommission. Jetzt endlich kommt auch die US-Regierung dieser Forderung nach. Das gab das US-Handelsministerium am Freitag bekannt. Die Aufsicht soll künftig in die Hände der „Global Multistakeholder Community“ gegeben werden. Ein Schritt in die richtige Richtung. Denn einzusehen ist es nicht, dass gerade die USA in Zeiten des NSA-Skandals die Oberaufsicht über die Internet-Verwaltung ICANN führen. Vielleicht ist das auch ein kleiner Hoffnungsschimmer, dass die USA nicht gänzlich resistent gegen internationalen Druck sind.

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Dass das Internet auch seine „bösen“ Seiten hat, wissen wir nicht erst seit dem NSA-Skandal. Immer wieder werden daher Maßnahmen diskutiert, wie Bürger in Bezug auf den Umgang mit persönlichen Daten sensibilisiert werden, wie der Internetkriminalität Einhalt geboten und der Datenschnüffelei durch (politische) Maßnahmen Grenzen gesetzt werden können.

Doch dass die grundlegenden Wirkungsmechanismen des Internets prinzipiell hinterfragt werden, ist eher selten festzustellen. Einer, der diesen Schritt gegangen ist, ist Jaron Lanier – und Lanier ist eine Persönlichkeit, der Gehör geschenkt wird. Schließlich ist er nicht nur eine der schillerndsten Figuren des Silicon Valley, sondern nebenbei auch einer der Mitentwickler des Internets. Im Zusammenhang mit seinem neuen Buch „Wem gehört die Zukunft“ (Hoffmann & Campe) sprach er mit der ZEIT (Ausgabe 8/14) und äußerte unbequeme, futuristische und in jedem Fall interessante Ansichten. Drei Beispiele, die es aufzugreifen lohnt:

  • „Das größte Problem für unsere Gesellschaft sind nicht die Daten selbst, das größte Problem sind die Arbeitsplätze, die durch die technische Revolution wegrationalisiert werden.“ Lanier argumentiert, dass wir durch 3D-Drucker und die Hochtechnisierung in den Betrieben in ein Zeitalter der Hyperarbeitslosigkeit eintreten. Er zieht dabei einen interessanten Unternehmensvergleich: Kodak bot einst über 100.000 Menschen Arbeit, Instagram hatte bei der Übernahme durch Facebook 13 Angestellte. Gleiches passiere in der Musikindustrie, im Journalismus und auf dem Buchmarkt. Lanier konstatiert: „So, wie sich die Digitalisierung bisher entwickelt hat, zerstört sie die Mittelschicht unserer Gesellschaft.“
     
  • „Niemand profitiert wirklich davon, dass im Netz Inhalte leichter und länger zugänglich sind. Daraus müssen wir jetzt lernen.“ Lanier plädiert für ein weltweites Mikrobezahlsystem, von dem jeder Nutzer profitiert, der Content liefert – und nicht nur Facebook, Google, Twitter & Co. Er illustriert dies anhand der Übersetzungsfunktion von Google: Google suche bei einer Anfrage im gesamten Netz nach ähnlichen Sätzen und baut so eine neue Übersetzung zusammen. Dies basiert also auf der Arbeit anderer Personen. Diese müssten dafür Geld bekommen. Doch wer profitiert? Ausschließlich Google.
     
  • Fatal ist Laniers Aussicht für Demokratien in Zeiten des Internets. Lanier: „Sie können komplett ausgehöhlt werden.“ Der Informatiker beschreibt die Entwicklung im Wahlkampf in den USA. Dort nutzen die großen Parteien umfassende Datenanalysen, um den einzelnen Wähler mit der perfekt zugeschnittenen Botschaft direkt anzusprechen. Er spricht von einem Wettbewerb von riesigen Computern und nicht mehr zwischen Ideen, Kandidaten oder Programmen. Zudem argumentiert Lanier mit Blick auf das Beispiel Ägypten, Social Media verfestigten das Ungleichgewicht in der Welt. „Im selben Moment, indem ein Revolutionär über die Revolution twittert, nutzen die Geheimdienste die Daten, um gegen die Revolution vorzugehen. Und dieses Verhältnis zieht sich durch das ganze Netz, im militärischen wie im ökonomischen Bereich finden wir dieselbe Logik.“

Laniers Ansichten sind radikal und sicher gilt: Wenn es um die Vermarktung eines Buches geht, werden manche Gedankengänge bewusst zugespitzt und provokant formuliert, um Aufmerksamkeit zu generieren. Man kann ihm Naivität vorwerfen – oder wie bitte soll ein weltweites Mikrobezahlsystem organisiert werden? Oder die Ignoranz von Tatsachen, die seiner Argumentation entgegenstehen – ohne Soziale Medien wäre der Umschwung in Ägypten vielleicht gar nicht erst möglich gewesen, was immer die Geschichte auch für die Zukunft des Landes vorsieht. Mit Sicherheit jedoch sind seine Ansätze im Grundsatz intelligent, in Teilen revolutionär und in jedem Falle nachdenkenswert. Angesichts der (zunehmenden) Bedeutung des Internets für unser aller Leben, lohnt es sich jedenfalls, Dinge auch prinzipiell in Frage zu stellen und den Status Quo nicht einfach fraglos hinzunehmen. Oder kurz gefasst: Wir brauchen mehr Jaron Lanier!

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Anscheinend sind auch die Verhandlungspartner bei den Koalitionsgesprächen in der Gegenwart angekommen. Immerhin wird dort der Breitbandausbau thematisiert. Erstaunlich in einer Zeit, in der laut der Kanzlerin „das Internet für uns alle Neuland ist“. Der Ausbau solle in den nächsten Jahren mit jährlich einer Milliarde Euro zusätzlich unterstützt werden. Ziel ist es, bis 2018 eine flächendeckende Versorgung mit Internetanschlüssen von 50 Mbit/s zu erreichen.

Mit dieser Investition ist das aber natürlich nicht machbar. Und das wissen die Verhandlungspartner auch ganz genau. Schließlich hat eine Studie des TÜV Rheinland, die im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie erstellt wurde, ergeben, dass ein solcher flächendeckender Ausbau rund 20 Milliarden Euro kosten würde. Wer steuert also das fehlende Geld bei. Die Netzbetreiber? Wohl kaum! Aber man ist ja kreativ. So hat die Koalitionsarbeitsgruppe Wirtschaft „Breitband-Bürgerfonds“ ins Spiel gebracht. Der Steuerzahler soll also den Ausbau mit Geldanlagen, die eine „entsprechende“ Rendite bieten, unterstützen. Dass das der große Renner wird, darf doch mehr als bezweifelt werden – angesichts der Minizinsen und -renditen von Bundeswertpapieren.

Zudem bleibt die Frage erlaubt, ob man mit diesen Leistungswerten überhaupt für die Zukunft gerüstet ist. Viele Experten vertreten die Meinung, dass 50 Mbit/s nicht ausreichend sind. In einer Umfrage von TNS Infratest unter IT-Fachleuten sahen 75 Prozent der befragten Experten Bandbreiten von mindestens 100 Mbit/s für die nächsten fünf bis zehn Jahre als notwendig an, und 48 Prozent halten sogar Bandbreiten von mindestens 300 Mbit/s für erforderlich.

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