Arbeitsalltag

Das Internet hat in den letzten zwanzig Jahren zu einem massiven Produktivitätsschub bei der Büroarbeit beigetragen – heißt es. Ursächlich dafür seien unter anderem die höhere Rechenleistung der Endgeräte, mit denen gearbeitet wird, oder auch die Möglichkeit, mehrere Dinge gleichzeitig zu erledigen. Um diese Behauptung zu überprüfen, hilft ein einfacher Faktencheck.

Früher saß ein Angestellter am Schreibtisch und schrieb mit der Textverarbeitung (Wordstar, Wordperfect oder Word) einen Geschäftsbrief an den Lieferanten A mit einer Reklamation und anschließend eine neue Bestellung an den Lieferanten B. In der gleichen Zeit beginnt er heute seinen Arbeitstag damit, dass er seine E-Mails – die geschäftlichen und die privaten – checkt, einige Kommentare in Facebook schreibt und schnell noch zwei, drei Twitter-Tweets postet. Nach der ersten Korrespondenz führte der Angestellte früher mehrere Gespräche mit Kollegen, holte sich einen Kaffee und erfuhr in der Kaffeeküche den neuesten Stand zu einigen Ausschreibungen. Im Internetzeitalter guckt der Mitarbeiter in dieser Zeit die neuesten von Freunden empfohlenen YouTube-Videos. In der alten Welt ist es Montagmorgen und jetzt ist Zeit, um mit Kollegen die neuesten Ergebnisse der Fußball-Bundesliga zu diskutieren. Das Internet bietet dazu heute eine unendliche Fülle an Analysen und Heatmaps. Ein wunderbarer Use Case übrigens für Big Data.

Für Ablenkung am Arbeitsplatz, mit der Folge einer sinkenden Produktivität, war also immer schon gesorgt. Das Wort dafür heißt Prokrastination. Der Begriff stammt angeblich aus dem 16. Jahrhundert als das lateinische Verb „procrastinare“ Eingang ins Englische fand. Woher ich das weiß? Ich habe es während meiner Arbeitszeit gegoogelt und etwas dazugelernt. Siehe beispielsweise: http://campus.nzz.ch/studium/morgen-ist-ein-tag-zu-spaet oder http://hauptstadt.tumblr.com/post/242870141/prokrastination-substantiv-f-singularetantum. Anders gefragt: Kann das Internet die Produktivität fördern? Ja, wenn es als Werkzeug richtig eingesetzt wird.

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