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Wir leben heute in der modernen sogenannten Informationsgesellschaft. Jeder ist vernetzt, up-to-date, ständig und topaktuell informiert. Immer und überall wird das Handy gezückt, sei es um die Wartezeit in der U-Bahn oder im Bus zu überbrücken oder aus bloßer Neugier zwischendurch, was es Neues in der Welt gibt. Auf die Spitze gebracht wurde der Konsum von Informationen unter anderem in der Nacht des Amoklaufs in München. Leute saßen fieberhaft vor Radio und Fernseher, riefen im 5-Minuten-Takt News auf Handy und Laptop auf, um in Echtzeit Informationen aus den Medien aufzusaugen. Dass die Gesellschaft dabei umso mehr in Panik verfiel aufgrund von Spekulationen, Gerüchten, Falschinformationen und sogar neuen Drohungen von Trittbrettfahrern in Sozialen Netzwerken wie Facebook, während sie nach der beruhigenden Entwarnungsnachricht gierte, ist dabei einer der negativen Effekte.

Es kommen Fragen auf, ob die digitalen Medien – sei es Fernsehen, Tageszeitungen oder eben die Sozialen Netzwerke – erst die Plattform schaffen, um Terroristen und Amokläufern ihr erwünschtes Sprachrohr zu bieten und ihnen die Aufmerksamkeit zu verschaffen, die sie durch ihre Taten ja im Grunde erzielen möchten. Fragen werden laut, ob es in der heutigen Zeit nicht mehr Richtlinien oder Schranken für die digitalen Medien geben müsste. Klar gibt es theoretisch Grenzen für Meinungsäußerungen über Soziale Plattformen und es gibt Maßnahmen im Falle der Übertretung solcher Grenzen, wie zum Beispiel die Löschung und Ahndung menschenverachtender Posts auf Facebook etc., doch können verborgene oder unterschwellige Propaganda und Hetzreden oft nicht wirklich juristisch verfolgt werden. Die Gesellschaft muss also versuchen, selbst die Grenzen zu ziehen und nicht zuzulassen, dass dem „Hate Speech“ und irrationalen und herabwürdigenden Äußerungen im Internet Beachtung geschenkt oder Raum gegeben wird.

Zeitungen wie Le Monde haben sich in der Konsequenz dazu entschlossen, keine Fotos von Terroristen mehr zu publizieren, um einer Strategie des Hasses zu widerstehen und die Terroristen posthum nicht auch noch zu glorifizieren. Doch gibt es auch eine Schattenseite dieser – angesichts der Umstände durchaus verständlichen – Reaktion. Im Endeffekt negieren wir unsere freiheitlichen Wertvorstellungen mit einer Selbstzensur: wir beschneiden uns selbst in einem unserer modernen Menschengrundrechte, nämlich dem auf freie Meinungsäußerung. Wenn die großen, seriösen Medien nicht mehr allumfassend berichten und Details weglassen, um die Gesellschaft zu schützen, heißt das nicht, dass die Themen weniger brisant werden: Menschen werden sich über andere Quellen – derer es im 21. Jahrhundert zur Genüge gibt – genau die Informationen beschaffen, die sie gerne hätten. Die Gesellschaft braucht auch in Zukunft eine fundierte journalistische Berichterstattung ohne Wenn und Aber, um einen vernünftigen Gegenpol zu anderen digitalen Plattformen zu bilden und damit jedem Einzelnen die Möglichkeit zu geben, sich seine eigene freie Meinung zu bilden.

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