Künstliche Intelligenz

Bisher habe ich beim Thema KI immer den Eindruck gehabt, es gehe um Daten, sehr viele Daten. Manchmal auch mehr um schiere Quantität denn Qualität. Die KI wird es dann schon richten. Oder so. Und wer keine Daten hat, der hat das Nachsehen im Wettrüsten um die beste – oder vielmehr klügste – KI-Lösung. Doch diese Woche wurde ich eines Besseren belehrt und stolperte gleich mehrfach über dazu konträre und, wie ich finde, spannende Aussagen: diese besagen, dass die KI-Zukunft nicht allein durch einen unbegrenzten Datenhunger entschieden wird. Von Big Data soll die Entwicklung doch tatsächlich hin zu Small Data gehen. So zu lesen unter anderem in meinem neuen Lieblingsmagazin ada:

Es geht dabei um Systeme, die nicht nur nach Korrelationen in riesigen Datenmengen suchen, die Grundlage für das Machine Learning. Sondern solche, die mit viel weniger Daten klarkommen, weil sie zur Abstraktion fähig sind.

Es ist zudem vom „Slow Food für KI-Forscher*innen“ die Rede. Und auch ein aktueller Artikel von Harvard Business Review mit dem Titel „The Future of AI Will Be About Less Data. Not More“ beschäftigt sich mit dieser Aussage.

Companies considering how to invest in AI capabilities should first understand that over the coming five years applications and machines will become less artificial and more intelligent. They will rely less on bottom-up big data and more on top-down reasoning that more closely resembles the way humans approach problems and tasks.

Das bedeutet, dass es zu keinem Datenkollaps kommen muss und Data nicht automatisch Queen sind. Eine Chance für kleinere Player, die nicht die Möglichkeiten einer umfangreichen Datenerhebung haben oder die finanziellen Ressourcen, um Daten einzukaufen. Das zeichnet doch schon ein viel freundlicheres Bild der als datenhungrig verschrienen KI-Lösungen. Vielleicht macht der Gedanke, dass Maschinen intelligenter werden, einigen aber auch noch mehr Angst. Denn bisher kann von echter Intelligenz nicht die Rede sein.

Was wir jedenfalls brauchen, ist eine konstruktive Diskussion über Innovation und KI und nicht noch mehr Wasser auf die Mühlen von Zauderern und KI-Gegnern, die immer nur die schlechten Seiten der Technologie betonen und die Chancen gerne außen vor lassen. Daher finde ich es positiv, dass ein gesundes Augenmaß die „Höher-schneller-weiter-Mentalität“ auch bei der KI hier und da erreicht.

Über das wichtige Thema KI und Ethik dann hier ein andermal ...

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Man kann es kaum glauben, aber während bei uns über Sinn und Unsinn einer „Funkloch-App“ diskutiert wird, wird in Frankreich größer gedacht. Deutlich größer. 

So verkündete der französische Präsident Emmanuel Macron, dass sein Land in den nächsten fünf Jahren 1,5 Milliarden Euro in das Thema Künstliche Intelligenz investieren wird.

Und über was spricht man bei uns? Genau, eine App. Sind wir für immer verloren im digitalen Hinterland oder ist das aktuelle Beispiel nur unglücklichem Timing geschuldet und unsere Regierung verkündet demnächst ähnliche Pläne? Pläne, die uns Hoffnung machen können, dass die „digitalpolitische Kluft“ zu unseren direkten europäischen Nachbarn nicht so unüberwindbar ist, wie sie aktuell scheint?

KI dominiert die Medien wie kaum ein anderes Zukunftsthema. Es geht hier um verschiedenste Facetten. Nicht nur die Technologien, deren Nutzen und Möglichkeiten, sondern auch um Ängste, Ethik und nicht zuletzt die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen.

Dafür muss sich aber nicht allein die Wirtschaft ernsthaft mit KI auseinandersetzen. Nein, auch die Politik muss das Thema ganz oben auf der Agenda haben und sich unter anderem über etwaige Regularien und mögliche Investitionen Gedanken machen.

Eines ist jedenfalls klar: Debatten über eine App sind in diesem Kontext mehr als lachhaft.

Zum Abschluss noch ein Zitat aus einem Artikel von Sascha Lobo für SPON zu dieser Diskussion, bei dem ich mich beim Lesen nicht entscheiden konnte, ob ich lachen oder weinen soll:

Eigentlich hätte es heißen müssen: Angela Merkel lässt zu, dass ein CSU-Ex-Doktor als niederbayerischer Quotenminister scheindigitale PR-Maßnahmen in die Landschaft trötet, die die Verantwortung für die schlechte Infrastruktur am Ende wieder auf die Bevölkerung abwälzen ...

Quelle: Spiegel online vom 04.04.2018

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Diese Nachricht können wir natürlich nicht unkommentiert passieren lassen:

Die Nachrichtenmaschine:
 Schwäbische Software schreibt aus Daten News

… und vermutlich ist diese etwas schiefe Headline schon ein erstes Anwendungsbeispiel. Gemeint ist Folgendes: 

Die Aexea GmbH aus Stuttgart […] hat nun erstmals eine Software vorgestellt, die mit Hilfe eines semantischen Modells Daten aus verschiedenen Quellen verknüpft und anschließend automatisiert nicht nur Headlines, sondern komplette hochwertige Nachrichtentexte formuliert.

Aexea fährt einiges auf: Semantische Modelle, generative Grammatik und ein narratives Gerüst; herauskommen sollen "leserorientierte, verständliche und lesenswerte Texte". Bei Twitter läuft sich schon der Panikgenerator warm:

  • "Software schreibt News: Willkommen in der gruseligen SEO-Zukunft"
  • "UNHEIMLICH: Aexea hat eine Software vorgestellt, die automatisiert komplette hochwertige Nachrichtentexte formuliert"           
  • "Horrorszenario oder Wunschtraum? In jedem Fall Realität"

Keine Panik! Ruhig Brauner! Man muss sich nämlich die Leistungen dieser Software mal etwas genauer anschauen:

"Es ist die intelligente semantische Logik, die es der Software ermöglicht, Texte zu schreiben, die nur das Sagenswerte und Sprechbare enthalten", erklärt Frank Feulner, Leiter Software Development/ Semantic Technologies bei der Aexea GmbH.

Im Ernst, wer will solche Texte haben? Texte, die nur das "Sagenswerte" enthalten? (Seltsam: mein Bloggenerator schlägt hier das "Lesenswerte" vor, das "Sprechbare" bleibt ohne Vorschlag.) Und sonst nichts? Am Ende ist die Logik womöglich so intelligent, dass sie genau das aussortiert, was der Phrasengenerator zuvor mühsam hineingepackt hat. Das ist doch nicht praxistauglich.

Außerdem eine halbe Sache. Was wir brauchen, ist eine innovative Software, die mit Hilfe einer evidenzbasierten semantischen Content-Logikfunktionalität in der Lage ist, Texte nicht nur zu verfassen, sondern auch zu lesen. Die Engine muss über ein intelligentes 7x24-Interface die Aexea-Texte nahtlos importieren, hochperformant rezipieren und anschließend rückstandslos archivieren. Auch auf mobilen Endgeräten. Machine-2-Machine Communication – so geht Effizienz. Engines unter sich – das zeitgemäße Texterlebnis. 

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