PR-Dienstleistung

Ich möchte hier gerne in Anlehnung an Richard Gutjahrs lesenswerten Kommentar über die Vorgehensweise von sogenannten PR-Dienstleistern, die die Adressdaten von Journalisten, Bloggern und anderen Influencern an Unternehmen weiterverkaufen, auch noch gerne zwei oder drei Worte loswerden. Und zwar nicht aus Sicht des Betroffenen, sondern aus Sicht des seriösen PR-Beraters.

Wir diskutieren häufig mit Kunden über den Sinn oder Unsinn eines Presseinformationsversandes über Anbieter wie Cision, Meltwater, news aktuell und Co. Und warum diskutieren wir? Alleine schon deshalb, weil sich für uns der Mehrwert nicht erschließt, da wir:

  1. selbst eine gut gepflegte Datenbank der wichtigsten Influencer im DACH-Markt haben.
     
  2. wir für jeden Kunden zig individuelle Verteiler erstellen, die genau die Journalisten mit den Informationen versorgen, die für diejenigen auch interessant sind. Und wenn die Information nun mal so speziell ist, dass sie nur für zehn Journalisten von Interesse ist, dann ist das eben so.
     
  3. den Nutzen in keinerlei Verhältnis zu den Kosten sehen. Vor allem, wenn man bedenkt, dass der Presseversand über die Drittanbieter teilweise das Zigfache von dem kostet, was wir für die Content-Generierung, die Kundenbriefings, die Texterstellung inklusive Freigabeprozesse, die Verteilererstellung, das Lektorat und schlussendlich den Versand nehmen. Das ist doch irre!

Ich habe meinem Chef neulich vorgeschlagen, ob wir nicht mal die Preise für unsere Presseinformationen und deren Versand überdenken sollten – angesichts dessen, was andere Anbieter nur für den ungefilterten Versand verlangen (nur mal so am Rande).

Und warum diskutieren wir häufig mit Kunden über einen „breiten“ Versand über news aktuell und Co? Weil oft die Qualität der Veröffentlichungen bei ihnen irgendwie in den Hintergrund gerutscht ist: auf einmal zählt plötzlich stattdessen ausschließlich wieder die Quantität. Und wenn die UK-Agentur mit dreistelligen Veröffentlichungszahlen zur aktuellen weltweiten Studie aufwarten kann, wir aber deutlich weniger haben, dann muss das ganze eben noch einmal breiter „rausgehauen“ werden. Macht das Sinn?

Zumal die Veröffentlichungen, die aus einem solchen „Drittversand“ resultieren, durchaus fragwürdig sind. Viele sogenannte Web-Magazine kennt man gar nicht und auf den ersten Blick ist sowieso klar, dass niemand sie jemals lesen wird – außer dem Unternehmen selbst, das sich die sogenannte „Veröffentlichung“ einmal anschauen muss. Oft hat man den Eindruck, dass Cision, Meltwater & Co irgendwelche Kooperationen mit Online-Magazinen pflegen, die Pressemitteilungen ohne Sinn und Verstand automatisch übernehmen. Der Kunde freut sich, dass er seinem Geschäftsführer ein Wirtschaftsmedium-Clipp zeigen kann; auf die Veröffentlichung kommt man aber nur über den vom Versand-Anbieter geschickten Link und NIEMALS über die normale Homepage des Magazins. Aber immerhin ein Clip in der Wirtschaftspresse. Macht das Sinn?

Immer wieder reden (neue) Kunden auch darüber, wo wir denn die Pressemitteilung veröffentlichen wollen. Wie bitte? Irgendwie hat man das Gefühl, häufig erst einmal die Unternehmen darüber aufklären zu müssen, was PR-Arbeit ist und was nicht. Und was sinnvolle Influencer-Ansprache und Kontaktpflege ist und was nicht.

Und da möchte ich mich gerne auch den letzten Worten von Thomas Knüwer in seinem Beitrag über das Thema anschließen, wenn es um separates, individuelles und persönliches Influencer-networking geht:

1. Ja, es dauert länger und kostet Zeit.

2. Ja, es ist anstrengend.

3. Ja, es ist teurer für unsere Kunden.

4. Aber es ist der einzig richtige Weg.

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