Ist die IT ein Fertigungsunternehmen?

Ist die IT ein Fertigungsunternehmen?

Der Weg ist das Ziel, ist man versucht zu sagen, wenn wieder einmal darüber diskutiert wird, was die IT von der industriellen Fertigung lernen kann. Aktueller Anlass dafür ist ein neues Fachbuch mit dem Titel „Der Weg zur modernen IT-Fabrik“ (Industrialisierung – Automatisierung – Optimierung; Herausgegeben von Ferri Abolhassan), das den Prozess der IT-Industrialisierung beschreibt; gemeint ist damit der Wandel von internen und externen IT-Dienstleistern zur IT-Fabrik. Die Forderung, dass die IT von der Fertigungsindustrie lernen sollte, ist so neu nicht. Sie taucht, zum Teil mit Recht, beispielsweise immer wieder dann auf, wenn die Fachabteilungen ihren Kollegen von der IT vorhalten, diese würden Termine und Budgets überziehen, Anforderungen unzureichend umsetzen und wären viel zu unflexibel. 

Im Grunde genommen geht es immer um das alte Kommunikationsproblem zwischen IT und Fachabteilung – oder auch zwischen externen IT-Dienstleistern und deren Auftraggebern. Fachabteilungen fühlen sich von der IT nicht verstanden, Frust auf beiden Seiten ist vorprogrammiert. Erschwert wird die Zusammenarbeit durch unterschiedliche Vorstellungen, Ziele und Arbeitsweisen. 

Schnell muss sich die IT dann anhören, man solle sich die Fertigungsindustrie als Vorbild nehmen. Denn dort wäre die Organisation neuer Produkte mustergültig gelöst. Vergessen wird dabei oft, dass sich auch beim großen Vorbild ständig alles in Bewegung befindet. Beispiel Automobilindustrie: Hier wird seit vielen Jahren mit Leitlinien wie Automatisierung, Fließbandfertigung, Kaizen, Rapid Prototyping, Total Quality Management u.v.a. mehr gearbeitet. Es werden Strategien entworfen, in der Praxis getestet und neu angepasst. Nicht so sehr das Verfahren an sich zählt, sondern wie schnell sich ein Unternehmen an geänderte Anforderungen anpassen kann. 

Die IT ist anders. Sie kann nicht erfolgreich werden, wenn sie die Verfahren und Methoden der Fertigungsindustrie einfach unkritisch übernimmt. Die IT muss ihren eigenen Weg gehen. Wichtige Ansätze dazu liefert das DevOps-Konzept, das Entwicklung, Implementierung und Betrieb als Einheit sieht. Dazu kommen die schnelle Reaktionsfähigkeit, die ergänzt wird um automatisierte Prozesse – im Fachjargon: „Continuous Integration and Delivery“.