Phoenix Contact E-Mobility: Zusammen statt gegeneinander
MCS versus CCS
Von Markus Belkner, Team Lead Product Management CHARX connect AC & DC bei Phoenix Contact E-Mobility
Der Startschuss ist gefallen: Mit der ersten öffentlich zugänglichen Megawatt-Ladestation für Lkw an der Raststätte Lipperland Süd an der A 2 erreicht die Elektrifizierung des Fernverkehrs einen sichtbaren Meilenstein. Ziel des HoLa-Projekts ist es, batterieelektrische Nutzfahrzeuge innerhalb der gesetzlich vorgeschriebenen 45-Minuten-Pause mit Ladeleistungen im Megawattbereich wieder vollständig einsatzbereit zu machen. Die Premiere markiert den Beginn einer Weiterentwicklung der Ladeinfrastruktur.
Der erstmalige Einsatz des Megawatt Charging System (MCS) steht dabei für etwas sehr Wichtiges: die Entstehung eines differenzierten Ladeökosystems, in dem verschiedene Standards klar definierte Rollen übernehmen. Genau diese Differenzierung ist in der aktuellen Phase der Mobilitätswende entscheidend. MCS ist kein nächster Evolutionsschritt von CCS (Combined Charging System), sondern eine parallel entwickelte Technologie für spezifische Hochlastanwendungen. Und die entfaltet ihren Nutzen dort, wo die reine Ladezeit selbst den wirtschaftlichen Engpass darstellt. Ein Beispiel ist der zeitkritische Fernverkehr im Zwei-Fahrer-Betrieb: Jede zusätzliche Ladepause kostet Zeit und Geld. MCS kann Ladefenster so weit verkürzen, dass Schichtwechsel nicht mehr mit zusätzlichem Stillstand verbunden sind – ein messbarer betrieblicher Vorteil.
Ähnlich sind die Anforderungen im Reisebusverkehr. Hier sind kurze Ladezeiten keine Komfortfrage, sondern Voraussetzung für verlässliche Fahrpläne und Akzeptanz bei Fahrgästen. Bei Industrie- und Sonderanwendungen, etwa in Minen, der Landwirtschaft oder auf Großbaustellen, steht wiederum nicht Reichweite im Fokus, sondern maximale Fahrzeugverfügbarkeit bei hohem Energieumsatz. Auch im maritimen Bereich ermöglichen Megawatt-Ladelösungen den verlässlichen und emissionsarmen Betrieb elektrischer Fähren. Diese Szenarien eint ihre Spezialisierung. Entsprechend ist MCS technisch ausgelegt: große Kontaktflächen, schwere, robuste und flüssiggekühlte Ladekabel sowie Ethernet-basierte Kommunikation. Das macht MCS zu einem Präzisionsinstrument für Hochleistungsfälle – aber nicht zu einer universellen Lösung.
CCS hingegen ist und bleibt das Rückgrat der Elektromobilität. Die Infrastruktur ist flächendeckend vorhanden, wirtschaftlich tragfähig und deckt in der Praxis bereits heute mit Ladeleistungen von bis zu 400 kW (perspektivisch mit bis zu 1.000 kW) im Nutzfahrzeugbereich den Großteil realer Transportprofile ab – insbesondere dort, wo sich Ladezeiten mit Lenk- und Ruhezeiten synchronisieren lassen. Im privaten Personenverkehr zeigt die wachsende Ladeinfrastruktur: Dieser Standard ist keine Übergangslösung.
Genau darin liegt die Stärke des Systems. Ein belastbares Ladeökosystem entsteht nicht durch Verdrängung, sondern durch Zusammenspiel. Fahrzeuge mit CCS- oder MCS-Inlet, Ladeparks mit abgestuften Leistungsniveaus und digitale Systeme zur intelligenten Ladeplanung sind keine Zeichen von Unsicherheit, sondern von technologischer Reife. Denn Effizienz entscheidet sich nicht allein an der Peak-Leistung, sondern an Zuverlässigkeit, Integration und anwendungsgerechter Nutzung.
Der Start des Megawattladens will daher richtig eingeordnet sein. Er ist nicht der Beginn einer alles dominierenden Zukunftstechnologie, sondern die Erweiterung des technisch Sinnvollen. CCS und MCS sind keine Konkurrenten. Gemeinsam bilden sie das Fundament eines Ladeökosystems, das die Elektromobilität in Deutschland nicht nur ermöglicht, sondern nachhaltig trägt.
Über Phoenix Contact E-Mobility
Insgesamt beschäftigt die Phoenix Contact E-Mobility weltweit rund 850 Mitarbeitende und stellt mit den Lösungen für die Bereiche Infrastruktur sowie Nutzfahrzeuge ein einzigartiges Leistungsangebot bereit. Das Werk in Polen, Rzeszów, produziert seit 2020 neben dem Werk in Schieder für den europäischen Markt.
Am Standort in Schieder befindet sich neben dem globalen, operativen Headquarter auch die am Anfang des Jahres gegründete Holding SE. In der Holding werden die strategischen Geschäftsaktivitäten gebündelt.
Weitere Informationen: https://www.phoenixcontact-emobility.com/de/
Kontakt
Phoenix Contact E-Mobility
Julia Krüger
Hainbergstraße 2
32816 Schieder-Schwalenberg
jkrueger@phoenixcontact.com
PR-COM GmbH
Natalie Burkhart
Sendlinger-Tor-Platz 6
80336 München
Tel.: 089/59997-804
natalie.burkhart@pr-com.de