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Der Schulalltag in Südafrika unterscheidet sich in vielen Punkten von dem in Deutschland. Einer der größten Unterschiede ist der Beginn des Schuljahres, der in Südafrika im Januar liegt, während hierzulande die Schule je nach Bundesland im August oder September beginnt. (Quelle: Sawabona Africa) Zilla Stekhoven ist in Südafrika aufgewachsen und Gründerin von Sawabona Africa e.V. (Quelle: Sawabona Africa)
11. Jan 2024

Sawabona Africa: So verschieden lernen Kinder

Schulbildung in Deutschland und Südafrika

München, 11. Januar 2024 – So unterschiedlich wie die Kinder selbst sind auch die Bildungssysteme, nach denen Schülerinnen und Schüler in Südafrika und Deutschland unterrichtet werden. Was etwa den Schulbeginn oder -typ betrifft, weichen beide Länder deutlich voneinander ab. Aber wie sieht es mit dem Bildungsstand oder Homeschooling aus? Sawabona Africa zieht den Vergleich.

In Deutschland wird gerne über die Bildungsmisere geklagt. Zwar sind die Skandinavier seit Jahren führend, wenn es um digitales Lernen geht – unterrichtet wird mit PC, Tablet und interaktiven Apps. Doch die internationale Perspektive macht deutlich, dass das hiesige Schulsystem trotz des jüngsten Pisa-Debakels gar nicht so schlecht dasteht. Die Non-Profit-Organisation Sawabona Africa, die sich für eine bessere Schulbildung in Südafrika einsetzt, zeigt, wo sich die beiden Länder unterscheiden und wo es Gemeinsamkeiten gibt.

  • Schulstart. Das Schuljahr beginnt wie in allen Ländern der Südhalbkugel im Januar und endet im Dezember. Konkret starten die südafrikanischen Kinder Mitte Januar und hören in der ersten Dezemberwoche auf. Winterferien sind im Juli und August. In Deutschland erfolgt die Einschulung gestaffelt: 2024 beginnt Thüringen als erstes Bundesland am 1. August mit der Schule, das Schlusslicht bilden Bayern und Baden-Württemberg Mitte September.
  • Klassen. In Südafrika können Kinder im Alter zwischen fünf und sechs Jahren eine Vorschule besuchen. Diese Klasse R (oder 0) soll nach den Plänen der Regierung in Zukunft verpflichtend sein. Der Ernst des Lebens beginnt dann mit der Grundschule, die anders als in Deutschland von der 1. bis zur 7. Klasse geht. Die weiterführende Schule von der 8. bis zur 12. Klasse (13. Klasse in einigen privaten Einrichtungen) wird als High School bezeichnet. In Deutschland können Kinder nach der Grundschule, die in der Regel mit der 4. Klasse endet, je nach Bundesland eine Haupt- oder Gesamtschule, eine Realschule oder das Gymnasium als weiterführende Bildungsstätte besuchen. Welche Schule letztendlich in Frage kommt, hängt vom aktuellen Lernstand des Kindes ab.
  • Bildungsstand. Der Aufschrei zum Jahreswechsel war groß: Deutsche Schüler haben bei der Pisa-Studie so schlecht abgeschnitten wie nie zuvor. Sowohl im Lesen als auch in Mathematik und Naturwissenschaften erreichten Schulen hierzulande die niedrigsten Werte, die die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) jemals für Deutschland gemessen hat. Dennoch ist das deutsche Bildungsniveau im internationalen Vergleich sehr hoch: In Südafrika führen die schlechte Ausstattung vieler Einrichtungen, Armut und mangelnde Unterstützung im Elternhaus dazu, dass jedes zweite Kind die Schule ohne Abschluss verlässt. Nach dem PIRLS-Report sind vier von fünf Viertklässlern nicht in der Lage, einen Text zu lesen und zu verstehen. Laut dem letzten TIMSS-Ranking verfügen zudem viele Schüler und Schülerinnen nicht einmal über Grundkenntnisse in Mathematik und Naturwissenschaften.
  • Schulpflicht. In Südafrika besteht die Schulpflicht im Alter von sieben (1. Klasse) bis 15 Jahren (9. Klasse). Die Schulpflicht wird jedoch nicht durchgesetzt, die Regierung erwägt bei Nichteinhaltung eine Strafe für die Eltern. In Deutschland beginnt die Schulpflicht für alle Kinder, die am Stichtag eines Jahres das sechste Lebensjahr vollendet haben, mit dem folgenden Schuljahr. Die Schulpflicht erstreckt sich je nach Bundesland auf neun oder zehn Jahre, wobei das Wiederholen einer Klasse eingerechnet wird. Ein Verstoß gegen die Schulpflicht gilt als Ordnungswidrigkeit und wird mit einem Bußgeld geahndet. In einigen Bundesländern wie Hamburg, Hessen oder dem Saarland droht den Eltern die Strafverfolgung mit einer Freiheitsstrafe von bis zu sechs Monaten. Als letzte Konsequenz kann durch ein Familiengericht das Sorgerecht teilweise oder sogar ganz entzogen werden.
  • Homeschooling. In Südafrika ist der Unterricht zu Hause erlaubt. Die Eltern melden ihre Kinder zur Prüfung an einer Schule an. Im Gegensatz dazu ist in Deutschland – abgesehen vom Fernunterricht während des Corona-Lockdowns – das Homeschooling im Sinne eines dauerhaften Schulunterrichts durch die Eltern nicht gestattet. Immer wieder kommt es zu gerichtlichen Auseinandersetzungen, eine Befreiung ist aber nur in streng geregelten Sonderfällen wie Krankheit möglich.
  • Getrennte Klassen. Schulen nur für Jungen oder Mädchen sind in Südafrika vielerorts an der Tagesordnung. Anders in Deutschland: In den 1960er und 1970er Jahren wurde das gemeinsame Lernen bis auf wenige Außnahmen zum Standard. Die Koedukation sollte die Chancengleichheit erhöhen. In den letzten Jahren ist dieser Ansatz wieder verstärkt in Frage gestellt worden – mit dem Argument, dass vor allem in Mathematik und Naturwissenschaften die Jungen die Mädchen in den Hintergrund drängen. Auch wenn sich die Experten in diesem Punkt nicht einig sind, so gibt es doch Schulen, die bestimmte Unterrichtsfächer nach Geschlechtern trennen.
  • Schuluniform. Das Tragen einer Schuluniform ist in allen öffentlichen Schulen Südafrikas Pflicht. Die Kleidungsvorschriften werden von den Einrichtungen selbst festgelegt – für Mädchen ist beispielsweise eine Kombination aus weißem Hemd, Weste, knielangem Rock und schwarzen Schuhen vorgeschrieben. Jungen wiederum tragen oft eine lange graue Hose im Winter und eine kurze graue Hose im Sommer, dazu ein weißes Hemd, eine Krawatte, eine Weste, schwarze Schuhe und einen Blazer. In Deutschland wird immer wieder über Schuluniformen diskutiert. Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) hält einheitliche Kleidung jedoch für einen Eingriff in das Selbstbestimmungsrecht von Eltern und Kindern. Zudem würden Schuluniformen soziale Ausgrenzung nicht verhindern und finanzschwache Haushalte durch die Anschaffung unnötig belasten.
  • Schulweg. Auch wenn Eltern hierzulande klagen: Schüler in Südafrika haben es in der Regel deutlich schwerer, zum Unterricht zu kommen. Es gibt nur wenige privat finanzierte Schulbusse und der öffentliche Nahverkehr ist unzuverlässig. Vor allem in ärmeren Regionen stehen gar keine Transportmöglichkeiten zur Verfügung, so dass die Kinder eine Stunde oder länger zu Fuß unterwegs sind. In Deutschland gelten Richtlinien wie die Verordnung über die Schülerbeförderung (SchBefV): In der Regel wird für Erstklässler ein Schulweg von einem Kilometer als zumutbar erachtet. Ansonsten besteht eine Beförderungspflicht, die auch dann gilt, wenn der Weg besonders gefährlich oder das Kind gesundheitlich beeinträchtigt ist. Laut einer aktuellen ADAC-Studie geht die Hälfte der deutschen Schulkinder fast immer zu Fuß zur Schule oder zumindest zur Haltestelle. Ein Viertel nutzt den Schulbus, gut jedes fünfte Kind einen Linienbus. Danach folgen je nach Wetterlage das Fahrrad oder das Elterntaxi.
  • Schulessen. Durch den zunehmenden Ganztagsunterricht in Deutschland essen immer mehr Kinder mittags in der Schule. Die Mensa-Mahlzeiten haben nicht den besten Ruf, obwohl viele Schulträger hohe Vorgaben an die Qualität stellen und zum Beispiel regionale Produkte in Bio-Qualität verlangen. Davon können die Kinder in Südafrika wiederum nur träumen: Zwar bieten Schulen in einkommensschwachen Gegenden spezielle Essensprogramme an. Die Kombination aus Erdnussbutter-Sandwich und Oros (konzentrierter Orangensirup mit Wasser gemischt) ist jedoch kein Paradebeispiel für eine gesunde Ernährung und trotzdem für viele Kinder die einzige Mahlzeit am Tag.

„Das Bildungssystem in Südafrika steht vor großen Problemen. Eltern, die es sich leisten können, schicken ihre Kinder deshalb auf Privatschulen. Diese haben ein deutlich höheres Bildungsniveau als die meisten staatlichen Einrichtungen. Das bedeutet aber auch, dass die Zukunft der Kinder an den Wohlstand der Eltern gekoppelt ist“, erklärt Zilla Stekhoven, Gründerin von Sawabona Africa. Die in Südafrika ausgebildete Juristin hat international in vielen Bereichen gearbeitet, bevor sie 2021 Sawabona Africa gegründet hat. „Die Kinder gehen trotzdem gerne zur Schule. Die Hoffnung ist groß, am Ende einen gut bezahlten Beruf zu bekommen. Damit sich der Bildungsstandard Südafrikas wirklich verbessert, sind enorme Anstrengungen notwendig. Auch der finanzielle Bedarf – ob nun von staatlicher oder privater Seite in Form von Spenden – ist riesig.“


Über Sawabona Africa

„Bildung ist der Zugang zu Freiheit, Demokratie und Entwicklung.“ Dieser Vision von Nelson Mandela, ehemaliger südafrikanischer Präsident, fühlt sich Sawabona Africa e. V. verpflichtet. Die Non-Profit-Organisation setzt sich dafür ein, möglichst vielen benachteiligten Kinder und Jugendlichen in Südafrika und Lesotho eine gute Schulbildung zu ermöglichen. Auf Grundlage eines Due-Diligence-Verfahrens sucht, prüft und genehmigt Sawabona Africa zertifizierte und vor Ort ansässige Wohltätigkeitsorganisationen, sammelt Spenden und vermittelt Patenschaften. Zu den unterstützten Einrichtungen gehören Bright Start, PYMA, Help Lesotho und Uthando (Love) Südafrika. Sawabona Africa agiert dabei unabhängig und transparent – die gesammelten Spendengelder kommen unmittelbar den Organisationen und ihren Projekten zugute. Der Verein mit Sitz in München wurde 2021 von Zilla Stekhoven gegründet, die selbst in Südafrika aufgewachsen ist.

Weitere Informationen: https://sawabona-africa.com/de/
LinkedIn: https://www.linkedin.com/company/sawabona-africa-de

Kontakt

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