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Henrik Ringström, Portfolio Owner Digital Identity bei G+D Netcetera: „Der größte Wettbewerbsvorteil von Banken liegt im Vertrauen ihrer Kunden.“ (Quelle: G+D Netcetera)
25. Aug 2026

Giesecke+Devrient: Raus aus der App-Falle – Digitale Identitäten eröffnen Banken neue Geschäftschancen

Markteinordnung von Giesecke+Devrient

München, 25. August 2026 – Super-Apps gelten als der nächste große Trend im Finanzsektor. Der Wettlauf um immer mehr Funktionen ist aus Sicht der Banken allerdings nicht zielführend. Ihr größter Wettbewerbsvorteil liegt nämlich in einer Fähigkeit, die kaum ein anderer Marktteilnehmer besitzt: Menschen und ihre Daten sicher zu identifizieren. 

Viele Banken verfolgen derzeit ein ähnliches Ziel: Sie wollen ihre App zum digitalen Alleskönner ausbauen. Banking, Shopping, Reisen, Mobilität und Versicherungen sollen auf einer Plattform zusammengeführt werden, um Kunden möglichst lange im eigenen Ökosystem zu halten. Doch dieser Wettlauf kann in die falsche Richtung führen. Banken werden nicht erfolgreicher, wenn sie Big Tech kopieren. Ihre eigentliche Stärke liegt woanders: Sie genießen wie kaum eine andere Branche das Vertrauen ihrer Kunden, wenn es um Identitäten, sensible Daten und Sicherheit geht. Mit eIDAS 2.0 eröffnet sich jetzt die Chance, genau daraus einen neuen Wettbewerbsvorteil zu machen. Giesecke+Devrient (G+D) zeigt, warum digitale Identitäten für Banken strategisch wichtiger sind als die nächste Super-App.

Warum laufen Banken Gefahr, den falschen Wettbewerb zu führen?
Die Vision klingt verlockend: eine einzige App für sämtliche Lebensbereiche. Doch wer versucht, mit Apple, Google oder spezialisierten Plattformen über die Anzahl der Funktionen zu konkurrieren, spielt auf einem Feld, auf dem andere seit Jahren den Takt vorgeben. Kunden erwarten von ihrer Bank vor allem eines: Zuverlässigkeit. Sie möchten, dass ihr Geld geschützt ist, ihre Daten sicher verarbeitet werden und Transaktionen problemlos funktionieren. Eine Bank muss nicht gleichzeitig Reiseportal, Lieferdienst und Shoppingplattform sein. Im Gegenteil: Je weiter sich Institute von ihrem Markenkern entfernen, desto größer wird die Gefahr, ihr wichtigstes Kapital zu „verwässern“.

Welchen Trumpf besitzen Banken bereits heute?
Ob Kontoeröffnung, Login oder Zahlungsfreigabe – Banken haben über Jahrzehnte robuste Prozesse aufgebaut, um Menschen eindeutig zu identifizieren, Betrug zu verhindern und regulatorische Vorgaben einzuhalten. Bereits beim Onboarding gleichen sie Ausweisdokumente mit offiziellen Registern ab, lesen deren Daten automatisiert aus und prüfen mithilfe biometrischer Verfahren inklusive Liveness-Erkennung, ob tatsächlich die richtige Person vor ihnen sitzt. Bei jedem Login und jeder sensiblen Transaktion stellen moderne Authentifizierungsverfahren sicher, dass ausschließlich berechtigte Personen auf Konten und Dienste zugreifen. Was im Online-Banking längst selbstverständlich ist, wird zur Schlüsselkompetenz der gesamten digitalen Wirtschaft. Denn je mehr Dienstleistungen online stattfinden, desto wichtiger wird die Frage, wie sich Identitäten sicher und gleichzeitig komfortabel nachweisen lassen.

Warum verändert eIDAS 2.0 die Spielregeln?
Mit eIDAS 2.0 schafft die EU die Grundlage für eine standardisierte, europaweit nutzbare digitale Identität. Künftig sollen Bürger ihre wichtigsten Nachweise – vom Personalausweis über den Führerschein bis hin zu Gesundheitsnachweisen – in der European Digital Identity Wallet (EUDI-Wallet) verwalten und kontrolliert weitergeben können. Banken werden dabei zu zentralen Akteuren: Sie integrieren die EUDI-Wallet in ihre Onboarding- und Authentifizierungsprozesse und können darüber hinaus eigene Identitätsnachweise bereitstellen. Das vereinfacht regulatorische Prüfungen wie Know Your Customer (KYC) und verbessert gleichzeitig das Kundenerlebnis. Genau darin liegt die eigentliche Chance: Banken können ihre bestehenden Stärken in neue digitale Anwendungsbereiche übertragen und so zu einem Vertrauensanker einer digitalen Gesellschaft werden, ohne dass sie völlig neue Kompetenzen aufbauen müssen.

Wie entsteht aus Vertrauen ein neues Geschäftsmodell?
Verifizierte Identitäten werden künftig überall dort benötigt, wo Menschen Dienstleistungen nutzen, die sensible Informationen betreffen und somit strengen Regularien unterliegen. Banken könnten diese Identitätsprüfung als Verification-as-a-Service-Modell anbieten, bei dem Plattformen oder Unternehmen für jede erfolgte Verifizierung bezahlen. Darüber hinaus lassen sich Identitäten direkt in Anwendungen anderer Organisationen integrieren. So könnten beispielsweise Hotels Gäste ohne erneute Ausweiskontrolle einchecken, Gesundheitsdienstleister auf verifizierte Patientendaten zugreifen und Händler personalisierte Angebote auf Basis bestätigter Kundenattribute bereitstellen. Auch branchenübergreifende Partnerschaften, etwa mit Behörden zur Verifizierung von Leistungsansprüchen, gewinnen an Bedeutung. Der entscheidende Unterschied zur Super-App: Banken müssen nicht sämtliche Services selbst entwickeln und betreiben. Sie liefern stattdessen die vertrauenswürdige Infrastruktur, auf der die unterschiedlichsten digitalen Angebote zuverlässig und datenschutzkonform funktionieren.

Worauf kommt es jetzt für Banken an?
Der Erfolg digitaler Identitäten hängt nicht allein von der Technologie ab. Ebenso wichtig sind Transparenz, Datenschutz und offene Standards. Nutzer müssen jederzeit selbst bestimmen können, welche Daten sie wem zur Verfügung stellen. Identitätslösungen müssen interoperabel sein und sich nahtlos in unterschiedliche Anwendungen integrieren lassen. Vor allem aber müssen Banken jetzt handeln, denn Big Tech und Fintechs investieren bereits massiv in digitale Identitäten. Noch verfügen Banken über einen erheblichen Vertrauensvorsprung, doch dieser Vorsprung ist kein Selbstläufer. Wer jetzt konsequent in offene Identitätsplattformen investiert, kann sich langfristig als vertrauenswürdiger Identitätsanbieter der digitalen Wirtschaft etablieren.

„Der größte Wettbewerbsvorteil der Banken liegt nicht darin, möglichst viele digitale Services anzubieten. Er liegt im Vertrauen ihrer Kunden“, sagt Henrik Ringström, Portfolio Owner Digital Identity bei G+D Netcetera. „Die Frage ist, wie Banken dieses Vertrauen in ihre bestehenden Prozesse einbauen: in Onboarding, Login, Zahlungsfreigabe. Mit eIDAS 2.0 lässt sich die EUDI-Wallet direkt in diese Abläufe integrieren, ohne dass Banken neue Kompetenzen von Grund auf aufbauen müssen. Wer das früh angeht, macht digitale Identität zu einem eigenen Geschäftsfeld.

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