G+D: Brauchen wir in Zukunft eigentlich noch Bargeld?
Menschen lieben das Bargeld, aber an der Kasse bezahlen sie immer häufiger digital. Wie wird es also damit weitergehen, wie entwickelt sich der Bargeldmarkt und werden wir auch in zehn Jahren noch mit Bargeld bezahlen? Dr. Wolfram Seidemann, CEO Currency Technology bei Giesecke+Devrient, gibt Antworten auf aktuell vieldiskutierte Fragen.
Ist das Bargeld angesichts der Digitalisierung in der Zahlungslandschaft dem Untergang geweiht?
Wolfram Seidemann: Ganz klar nein. Bargeld ist weit mehr als nur ein Zahlungsmittel. Es steht für Vertrauen, Stabilität und gesellschaftliche Teilhabe. Weltweit und auch in Mitteleuropa wächst der Bargeldumlauf – trotz der rasant zunehmenden Digitalisierung. Und das hat gute Gründe: Seit Jahrtausenden ist Bargeld die einzige Bezahlform, die überall akzeptiert wird, die unabhängig von Technik funktioniert, Privatsphäre wahrt und auch in Krisenzeiten verlässlich bleibt. Gerade in unsicheren Phasen zeigt sich: Menschen vertrauen auf Bargeld – egal ob jung oder alt.
Trotzdem ist der Markt ja in Bewegung. Welche Entwicklungen sind zu beobachten?
Wolfram Seidemann: Die Entwicklungen sind regional sehr unterschiedlich. In einigen Ländern bleibt der Bargeldgebrauch besonders hoch und die Zentralbanken stehen vor der Aufgabe, dieses enorme Volumen zu verwalten. In anderen Regionen nimmt die Nutzung zwar im Vergleich zu anderen Bezahloptionen ab, doch der Bargeldumlauf bleibt konstant. Menschen greifen auf komfortable alternative Zahlungsmethoden zurück wie etwa Twint in der Schweiz oder PIX in Brasilien. Entscheidend ist nicht das Gegeneinander von Bargeld und Digitalem, sondern die Stärken beider Welten zu verbinden. Wichtig ist vor allem, den Verbrauchern die Wahlfreiheit zwischen verschiedenen Zahlungsmethoden zu überlassen.
Wie geht man in Deutschland und Österreich mit diesen unterschiedlichen Entwicklungen um?
Wolfram Seidemann: Jedes Land muss eigene maßgeschneiderte Lösungen für den Umgang mit Bargeld entwickeln. In Deutschland und Österreich zeigt sich etwa das Bargeld-Paradoxon: Obwohl elektronische und digitale Zahlungsmittel stetig zulegen, wächst die umlaufende Bargeldmenge weiter. In konkreten Zahlen sprechen wir von über 1,6 Billionen Euro, die 2024 in der Eurozone im Umlauf waren. Fünf Jahre zuvor waren es noch 1,3 Billionen – das ist ein Anstieg von über 23 Prozent. Angesichts dieser Dimensionen gilt es vor allem, den Bargeldkreislauf so effizient wie möglich zu gestalten, die Infrastruktur nachhaltig anzupassen sowie die Akzeptanz und den Zugang zu Bargeld für die Bürger jederzeit sicherzustellen.
Werden wir auch 2035 oder sogar 2050 noch mit Bargeld zahlen?
Wolfram Seidemann: Ja, Bargeld wird bleiben – so sicher wie das Fahrrad nicht vom Auto verdrängt wird. Auch in Zukunft werden Menschen die besonderen Eigenschaften von Bargeld schätzen: seine Haptik, seine Verlässlichkeit und die Kontrolle über das, was man tatsächlich besitzt und entsprechend ausgeben kann.
Gleichzeitig wird der digitale Euro als Ergänzung an Bedeutung gewinnen und neue Möglichkeiten schaffen. Entscheidend für den Erfolg digitaler Zahlungssysteme sind Verfügbarkeit und vor allem Akzeptanz – denn nur was Menschen wirklich nutzen und als sinnvoll erleben, setzt sich durch.
Über Giesecke+Devrient
Giesecke+Devrient (G+D) ist ein weltweit tätiges Unternehmen für SecurityTech mit Hauptsitz in München. G+D macht das Leben von Milliarden von Menschen sicherer. Das Unternehmen schafft Vertrauen im digitalen Zeitalter, mit integrierten Sicherheitstechnologien in drei Geschäftsbereichen: Digital Security, Financial Platforms and Currency Technology.
G+D wurde 1852 gegründet und beschäftigt heute mehr als 14.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Im Geschäftsjahr 2024 erwirtschaftete das Unternehmen einen Umsatz von 3,1 Milliarden Euro. G+D ist mit 118 Tochtergesellschaften und Gemeinschaftsunternehmen in 41 Ländern vertreten. Weitere Informationen: www.gi-de.com.
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